Beueler Klaviersalon

Kerzenlicht zur Kammermusik

BEUEL. Wer Cornelia Winter und Wolfgang Lempfrid das erste Mal gegenübersitzt, kann sich kaum vorstellen, dass die beiden passionierte Mauereinreißer sind. Doch genau das und vieles mehr haben sie mehr als zwei Jahre lang getan, um aus der ehemaligen Traditionsgaststätte "Im Glöckchen" in Beuel einen Klaviersalon zu machen. "Wir haben etwas gesucht, wo wir wohnen und arbeiten können", erzählt Pianist Lempfrid.

Man darf dem Paar, auch wenn man ihm das erste Mal gegenübersitzt, durchaus visionäre Fähigkeiten unterstellen, denn als sie das Haus zum ersten Mal sahen, war im Erdgeschoss noch die Kneipe samt Gesellschaftsraum. "Original sind heute eigentlich nur noch die Außenmauern", sagt Winter. Selbst die Türen des 1909 erbauten Hauses an der Josef-Link-Straße wurden ersetzt.

Ein Türbauer aus Lohmar hat hier ganze Arbeit geleistet und gehört mittlerweile zum Freundeskreis der beiden. Das Paar hat sich dem Gemeinsinn verschrieben. Deshalb laden sie einmal im Monat Bürger in den Klaviersalon "bonnpiano" ein, um jungen Künstlern zu lauschen.

Winter tauscht dafür Jeans gegen Abendkleid, Lempfrid steht mit Sakko und Klemmbrett an der Tür, um die 70 Gäste zu empfangen. Ohne Anmeldung läuft nichts. "Es tut schon weh, regelmäßig 50 Leuten am Telefon absagen zu müssen", sagt Lempfrid. Denn nach einem Jahr hat es sich 'rumgesprochen, dass die Kulturbegeisterten ein glückliches Händchen bei der Auswahl ihrer Künstler beweisen.

"Sie müssen so spielen, dass sie uns anrühren", meint Winter. Anfangs haben sie noch Zettel an der Musikhochschule Köln aufgehängt, jetzt kommen die Anfragen von den Künstlern selbst. So wie vom Duo Kiol. Pianistin Violina Petrychenko und Saxofonistin Kirstin Niederstraßer gastierten vergangenen Freitag mit "Musik aus dem Exil" in Beuel.

Warum es sie reizt, hier zu spielen? "Bei Konzerten ohne Eintritt ist das Publikum sehr dankbar", sagt Niederstraßer, die mit ihrer Partnerin viele Kammermusikwerke für ihre Besetzung hat umarbeiten lassen. "Außerdem", ergänzt Petrychenko, "ist die Chance dann größer, dass der Saal voll ist." Statt Eintritt sollen die Gäste Spenden in eine Amphore leisten.

"Wir können keine Gagen zahlen, aber der Großteil der Spenden geht an die Künstler", sagt Lempfrid. Beiden ist es wichtig, dass die Kultur des Salons, wie sie im Bürgertum des 19. Jahrhunderts gepflegt wurde, wieder auflebt. "Wir wollen ein niedrigschwelliges Angebot machen, bei dem auch der Nachbar im Cowboyhemd kommen kann, der noch nie im klassischen Konzert war", sagt Winter.

Geboten bekommt er wie andere viel Atmosphäre, in Form von brennenden Kerzen, Wein, Wasser, Studentenfutter, Ricola-Hustenbonbons und natürlich gute Musik. Wie bei dem umjubelten Auftritt des Duo Kiol.

Info: Die Anmeldungen zum Konzert am Freitag, 10. Mai, (20 Uhr) werden ab Dienstag, 9 Uhr, per E-Mail an konzert@bonnpiano.de entgegengenommen. Pianistin Lara Klun spielt Bach, Mozart, Schumann, Chopin und Ginastera. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.