Heilige Adelheid von Vilich

Jeder dritte gefangene Fisch gehörte dem Stift

Anke Oedekoven (links) und Hedwig Nosbers mit einem Nonnengewand und der Adelheidispuppe von Isa von Mehren. FOTO: MAX MALSCH

Anke Oedekoven (links) und Hedwig Nosbers mit einem Nonnengewand und der Adelheidispuppe von Isa von Mehren.

VILICH. Die Erlebnisausstellung "Werden, Wirken, Wunder" anlässlich des 1000. Todestages der heiligen Adelheid lebt von historischen Details.

Anlässlich des 1000. Todestages der heiligen Adelheid von Vilich - der Bonner Stadtpatronin - ist am Samstag in Sankt Peter eine Ausstellung ihr zu Ehren eröffnet worden. Der Titel lautet "Werden, Wirken, Wunder". In drei Erlebnisstationen stehen die Themen Spielen, Politik und Zeitgenossen aus der Zeit der Heiligen im Mittelpunkt.

Eine Einführung gaben Kulturwissenschaftlerin Hedwig Nosbers und Kunsthistorikerin Anke Oedekoven, die alles zusammengestellt hatten. "Es war schwer, denn von Adelheid ist nichts geblieben", sagte Nosbers. Was aber geblieben ist, sind die Geschichten und Schriftstücke aus ihrer Zeit, aus denen sich ihr Leben rekonstruieren ließ. Hilfreich bei den Recherchen war vor allem das Heimatmuseum Beuel.

So war sie wohl eine starke Frau, noch vor der Hildegard von Bingen, die viel Gutes für die Menschen in der Region bewirkte und deren Einfluss noch bis heute nachhaltig wirkt. "Das ist faszinierend. Wir standen dann auch vor der Frage, wie wird man so eine Persönlichkeit?", so Nosbers. Die Grundlagen legten da die Eltern. Schon früh respektierten sie die besondere Stärke und den Wissensdurst des Mädchens. Man vermutet, das der Vater ein wohlhabender Edelmann war. Insgesamt waren es fünf Geschwister. Zwei Schwestern wurden verheiratet, eine weitere war Äbtissin in Köln. Der einzige Bruder, Gottfried, zog mit Otto III. in den Böhmenkrieg und fiel.

Zur Rettung des Familienbesitzes wurde das Familienvermögen ins Stift in Vilich gesteckt, das Adelheid dann übernahm. Dort herrschten liberale Regeln. Es bot ein Leben für Mädchen und Frauen in einem geschützten Raum. So konnten die Frauen auch später wieder austreten und heiraten und auch ihre für damaligen Verhältnisse prächtigen Kleider tragen.

"Es war auch der Vater, der das Privileg der Stiftsgründung erworben hatte", so die Organisatorinnen der Ausstellung. Dem Stift stand so als besondere existenzielle Grundlage jeder dritte Fisch aus Rhein und Sieg zu. Das Stift besaß auch Mühlenrechte, durfte also Mühlen bauen und betreiben. Erst nach dem Tod der Mutter wandelte Adelheid das Stift in ein Kloster mit den Regeln der Benediktinerinnen um. Adelheid wurde zusätzlich Äbtissin in Köln in St. Maria im Kapitol. Man sagt ihr gute Beziehungen zum damaligen Bischof, Heribert von Köln, nach. Ihr Wirken wurde von ihm respektiert und wertgeschätzt.

An den Erlebnisstationen können die Besucher die damalige Zeit nachempfinden: Spiele der Kinder ausprobieren, Kleider überziehen oder die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse mit Figuren nachstellen. So wird einem klar, wie groß der Einfluss des Stiftes auf die Region war.

In Weiß und Gelb, den päpstlichen Farben, war der Altar der Pfarrkirche bei der Vernissage mit Blumen festlich geschmückt, vor dem das Duo Voctdun mit Gesang und Drehleier mittelalterliche geistliche Musik aufführte. Darunter waren auch Kompositionen von Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert.