Leiterin des Pantheon-Theaters

Interview mit Martina Steimer zum Neuanfang des Pantheon in Beuel

Das Team des Pantheons.

Das Team des Pantheons.

Beuel. Der Wechsel auf die andere Rheinseite war für das Pantheon-Theater mit viel Mühen und Kosten verbunden, bot aber auch die Chance für einen Neuanfang in Beuel.

Mit dem Umzug des Pantheon-Theaters im vergangenen Jahr vom Bonn-Center in die Schauspielhalle an der Siegburger Straße hat der Kulturstandort Beuel ein weiteres Zugpferd hinzubekommen. Über den Start in Beuel und die Zukunft des Hauses sprach Martina Steimer, Künstlerische Leiterin des Pantheon-Theaters.

Seit wann bespielen Sie die Bühne in Beuel?

Martina Steimer: Am 27. Oktober 2016 sind wir an den Start gegangen. Seitdem bieten wir nahezu täglich ein Programm an. Derzeit ist das Pantheon in Sommerferien. Am Dienstag, 15. August, geht es wieder los.

Wie sind Sie in Beuel empfangen worden?

Steimer: Mit sehr viel Begeisterung – und das gilt sowohl für das Publikum als auch für unsere Kollegen in Beuel.

Können Sie das noch ein wenig konkretisieren?

Steimer: Wir leben und arbeiten hier in Beuel in einer gut funktionierenden Nachbarschaft. Vorher hatten wir eher eine Insellage, hier in Beuel gibt es einen guten Kiez.

Wie hat das Publikum auf den Umzug reagiert?

Steimer: Der Besucherstrom hat unsere Erwartungen total übertroffen – das sagt doch alles. Vergleichbare Veranstaltungen, die früher in Bonn mit 250 Plätzen ausverkauft waren, wurden jetzt von 450 Gästen besucht. Aber auch die Künstler haben reagiert. Wir erhalten jetzt Anfragen von internationalen Akteuren, die Säle mit bis zu 500 Besuchern gut füllen können. Dadurch können wir unsere Angebotspalette deutlich erweitern.

Aber es gab doch sicherlich nicht nur Freude beim Thema Umzug – oder?

Steimer: Die Örtlichkeit haben wir ziemlich heruntergekommen vorgefunden, vieles war kaputt und ausgesprochen ungepflegt. Lüftung und Heizung sind außerdem technisch veraltet und wir zahlen jährlich um die 120 000 Euro Nebenkosten auf Grund der katas-trophalen energetischen Situation. Wir haben bisher ungefähr 500 000 Euro an privatem Geld in die Halle Beuel investiert, dazu unzählige Arbeitsstunden, auch von Freunden und Verwandten, die uns geholfen haben. Zuschüsse haben wir leider keine erhalten, um die abgewohnte Halle Beuel, die ja im Besitz der Stadt Bonn ist, aufzuwerten. Das Geld müssen wir jetzt wieder erwirtschaften. Dabei hilft uns natürlich die Zahl der Besucher. Als die Halle Beuel noch vom Theater der Stadt Bonn bespielt wurde, hatte sie 5000 Besucher im Jahr, wir haben jetzt die 20-fache Menge an Gästen.

Vorausgesetzt, Sie hätten einen Wunsch an die Stadt Bonn frei, wie würde er lauten?

Steimer: Ich wünsche mir eine andere Wertschätzung der freien Kulturszene. Bonn unterstützt die freien Theater viel zu wenig. Für Politik und Verwaltung zählen nur Beethoven und die städtischen Einrichtungen. Kultur hat etwas mit Lebensqualität zu tun, und die Kulturschaffenden in Beuel haben davon jede Menge auf hohem Niveau zu bieten. Das wird nur leider nicht in entsprechendem Maß anerkannt. Um es mal ganz deutlich zu sagen: Die Stadt ist einfach nicht dankbar für das, was hier geleistet wird.

Würden Sie die Gründung einer Initiative „Kulturmeile Beuel“ begrüßen?

Steimer: Auf jeden Fall. Eine Vernetzung auf verschiedenen Ebenen würde uns helfen. Zum Beispiel bei den Themen Werbung, Zusammenarbeit, Verkehrsleitsystem für Ortsunkundige besteht Nachholbedarf. Da würden gemeinsame Aktionen helfen. Der Kontakt der Kulturschaffenden untereinander ist gut. Wenn ein Haus Probleme hat, stehen ihm andere bei. Aber im Alltag macht jeder sein Ding.

Bei der Suche nach einer neuen Heimat fürs Pantheon sprach für den Standort Halle Beuel, dass man dort ein Kulturquartier entwickeln könnte. Wie weit sind diese Bemühungen vorangekommen?

Steimer: Ich höre davon leider nichts mehr, obwohl es vor einem Jahr die Voraussetzung war, dass wir überhaupt in die Halle Beuel gegangen sind. Daran sieht man, wie in Bonn mit privatem Engagement umgegangen wird. Dabei würde sich das Gelände an der Siegburger Straße für eine Quartiersentwicklung hervorragend anbieten. Die Umgebung ist perfekt, um Ateliers für Künstler, Angebote für Jugendliche, Co-Working-Spaces, Gastronomie und weitere kulturelle Initiativen zu beherbergen. Beuel hat Potenzial für ein Kreativquartier, was der bisherige Landesminister für Städtebau, Michael Groschek, bei einem Besuch in Beuel genau so sah und uns darin unterstützen wollte. Aber auch, wenn er nicht mehr im Amt ist, werden wir weiter daran arbeiten und uns neue Bündnispartner suchen.

Was planen Sie in nächster Zukunft?

Steimer: Am 3. Oktober wird das Pantheon 30 Jahre alt. Wir überlegen, ob wir diesen Anlass vielleicht mit einem Tag der offenen Tür feiern sollen. Wir werden auf jeden Fall etwas auf die Beine stellen.

Die Stadt Bonn beabsichtigt, auf einem Nachbargelände an der Röhfeldstraße einen Wertstoffhof einzurichten. Was halten Sie von der Idee?

Steimer: Wir haben davon gehört und lehnen diese Idee natürlich ab. Es ist doch ein Unding, dass wir mit der Aussicht auf eine Quartiersentwicklung nach Beuel gelockt wurden, aber das einzige, was in Angriff genommen wird, ist eine bessere Müllkippe in unserer direkten Nachbarschaft. Ist das Stadtentwicklung à la Bonn?