Kommentar zum Skatepark

Ins Rollen bringen

Die Planung des Skateparks an der ehemaligen Jugendverkehrsschule.

Die Planung des Skateparks an der ehemaligen Jugendverkehrsschule.

Beuel. Viel spricht dafür, den Skatepark auf dem Gelände der alten Jugendverkehrsschule anzusiedeln. Trotzdem wäre eine erkennbare Linie bei den vielen Bauprojekten in der Stadt wünschenswert.

So schnell ändern sich die Zeiten: Erst vor zwei Jahren war die Jugendverkehrsschule in der rechtsrheinischen Rheinaue geschlossen worden, weil der Ratsmehrheit die Betriebskosten von 25.000 Euro angesichts des Schuldenbergs zu teuer erschienen. Kaum zwei Jahre später soll statt Verkehrserziehung dort nun Trendsport stattfinden - von der Stadt jährlich unterstützt mit 70.000 Euro. Dazu kommen für die Stadt Investitionskosten allein für den ersten Bauteil von rund einer Viertelmillion Euro. Eine Ratsmehrheit in der Novembersitzung scheint realistisch. Sparsam ist das nicht, denn ein Skatpark gehört nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommune.

Neben dieser grundsätzlichen gibt es aber auch die praktische Sichtweise: Nachdem die Flüchtlinge ausgezogen sind, ist das Areal der Jugendverkehrsschule derzeit ungenutzt. Dabei liegt es verkehrsgünstig, ist eingezäunt und weit genug weg von Nachbarn, die sich an rollenden Boards und johlenden Youngstern stören könnten. Eine Rückkehr zur alten Verkehrserziehung will offenbar niemand. Die Stadt hatte die Grundschulen seinerzeit vor allem damit von der Einrichtung entwöhnt, dass sie den Bustransport dorthin nicht mehr finanzierte. Allerdings erscheint Verkehrserziehung fernab vom echten Verkehr auch nicht mehr wirklich zeitgemäß. Und das Kombi-Bad kommt auch nicht hierher, sondern ins Wasserland.

Es spricht also viel dafür, den Skatepark hier anzusiedeln. Bonn punktet damit bei seinen jungen Einwohnern, schafft Freizeitwert für Familien und für Leute, die zum Sport nicht in einen Verein wollen. Und dass ein Verein die Sache selbst in die Hand nimmt, spricht für eine rasche Umsetzung und gute Betreuung der Anlage im Interesse ihrer Nutzer. Der Vergangenheit sollte man in diesem Fall nicht nachtrauern, sondern die Chance auf ein gutes Ende für eine schon zehnjährige Standortsuche nutzen. Aber für die Zukunft wäre es doch wünschenswert, wenn Politik und Verwaltung bei anderen Baustellen - Stichwort Oper, Stadthalle Bad Godesberg, Viktoria-Karree oder Stadtmuseum - eine erkennbare Linie verfolgen und sich in ihrer Beschlussfassung nicht ständig vom Tagesgeschehen leiten lassen.