Bonn-Rhein-Sieg-Fairbindet

Inklusion: Südkoreaner nehmen Deutschland als Vorbild

Die Delegation des Arbeitsministeriums aus Südkorea zeigte sich beeindruckt von der deutschen Inklusionsarbeit.

Die Delegation des Arbeitsministeriums aus Südkorea zeigte sich beeindruckt von der deutschen Inklusionsarbeit.

Beuel. Das Goethe-Institut in Südkorea hat eine Delegation des dortigen Arbeitsministeriums nach Deutschland geschickt. In Köln und Bonn zeigten sich die Gäste beeindruckt vom deutschen Umgang mit dem Thema Inklusion.

Die erfolgreiche Netzwerkarbeit der Initiative „Bonn-Rhein-Sieg-Fairbindet“ (BRSF) bei der betrieblichen Inklusion muss sich bis nach Südkorea herumgesprochen haben. Zumindest bis zum dort ansässigen Goethe-Institut, denn dieses organisierte für eine Delegation des südkoreanischen Arbeitsministeriums eine Informationsreise nach und durch Deutschland. Dabei besuchten die Gäste am Dienstag auch Köln und Bonn. Der Umgang mit dem Thema Inklusion in Deutschland wird in Korea mit großem Interesse verfolgt, er gilt als vorbildlich.

Mit dem BRSF lernten die Besucher in Beuel keine Firma oder kein staatliches Amt kennen, sondern ein gemeinsames Netzwerk aus Gebietskörperschaften und regionalen Unternehmen, die sich aktiv für das Thema „Inklusion am Arbeitsmarkt“ in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis einsetzen. „Gemeinsam arbeiten wir an dem Ziel“, so der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Pütz, „einen inklusiven Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Region zu schaffen und zu etablieren.“ Pütz stellte den Gästen das Zusammenspiel von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in dieser Initiative vor.

Bereits zahlreiche Unternehmen und Arbeitnehmer mit einer Behinderung konnten bisher von den Angeboten des Netzwerks profitieren, sei es durch die Vermittlung von Jobs oder Praktika oder im Rahmen einer der zahlreichen betriebsinternen oder öffentlichen Informationsveranstaltungen. Anhand von Beispielen der Partner „Kinopolis“ und von „BonBas“, besser bekannt als Telekom Baskets Bonn, konnten er und Jan-Philipp Buchheister vom Bonner Verein für gemeindenahe Psychiatrie „die fairnetzer“ aufzeigen, wie das Modell in der Praxis funktioniert. Sei es mit Benefizveranstaltungen, um Aufmerksamkeit zu generieren, oder sei es mit konkreten Arbeitsstellen. „Die Menschen mit Behinderung“, so Buchheister, „sind für den Markt wertvolle Arbeitskräfte.“ Erfolg durch Öffentlichkeitsarbeit lautet sein Credo.

Südkoreaner erhoffen sich neue Impulse

In Südkorea, so war von den Gästen zu erfahren, liegt die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung bei 20 Prozent. Die Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung seien immer noch groß, so ein Vertreter der Delegation. Eine konkrete, vergleichbare Zahl gäbe es bei uns nicht, lautete die deutsche Erkenntnis. Doch man war sich sicher, dass die Zahl deutlich höher liegen müsse.

Von ihrer Deutschlandreise erhofft sich die südkoreanische Delegation wertvolle Impulse im Hinblick auf die erfolgreiche Inklusion von Menschen mit Behinderung auf den heimischen Arbeitsmarkt. Vieles sei dort ähnlich wie bei uns in Deutschland, war zu hören. Es gibt in Südkorea eine staatliche Steuerungsstelle im Arbeitsministerium, es gibt eine Arbeitsagentur für Behinderte, aber es gibt keine regionalen Verbände oder Interessensgemeinschaften, die mit den unsrigen vergleichbar wären. Genau das, so lautete das Fazit der Delegation, wolle man zu Hause möglichst schnell auf den Weg bringen.