Pützchens Markt

In diesem Jahr gibt's kein Bayern-Zelt auf den Wiesen

Festsaal im XXL-Format: Das Bayern-Zelt gehört zu den Wahrzeichen von Pützchens Markt. In diesem Jahr wird es fehlen.

PÜTZCHEN. Zwei der drei Wahrzeichen von Pützchens Markt werden in diesem Jahr fehlen: Die Achterbahn Fünfer-Looping kann wieder einmal wegen Terminüberschneidung mit dem Münchner Oktoberfest nicht aufgebaut werden, und die Betreiber der Bayern-Festhalle haben Insolvenz angemeldet.

Einzig das Riesenrad wird vom 6. bis 11. September auf seinem Stammplatz stehen. Die Nachricht von der angeblichen Firmenpleite der Festzelt-Familie Hölzgen sorgte am Montag für Unruhe in Bonn. Mit großer Sorge reagierten viele Kirmesfreunde und Schausteller auf die Botschaft.

  • Event-Veranstalter Rico Fenoglio, der seit zwei Jahren zur Eröffnung der Kirmes im Festzelt mit großem Erfolg seine After-Job-Party ausrichtet, sagte: "Das ist eine schlechte Nachricht. Das Bayernzelt ist die Seele von Pützchens Markt. Ich hoffe auf eine Lösung des Problems, denn sonst müssten viele Bonner ihre Lederhosen und Dirndl im Schrank lassen."
     
  • Günter Dederichs, Vorsitzender des Freundeskreises Pützchens Markt, sagte am Montag: "Wenn es so kommt, ist das traurig für alle Kirmesfreunde. Pützchens Markt ohne Festzelt ist wie Karneval ohne Kamelle. Beides ist fast unzertrennlich. Eine Ära ist beendet."
     
  • Peter Barth, Vorsitzender des Deutschen Schaustellerbunds für die Region Bonn/Rhein-Sieg: "Ich kann das gar nicht glauben. Ich habe diese Woche ein Gespräch mit der Stadt, um beide Seiten noch einmal an den Verhandlungstisch zu bringen. Ich habe von der Familie Hölzgen die Information erhalten, dass sie trotz des Insolvenzverfahrens weiter macht."

Über Monate hielt sich das Gerücht vom drohenden Insolvenzverfahren hartnäckig. Jetzt ist es offiziell: Am 22. März wurde das Verfahren am Amtsgericht Goslar eröffnet. Als Insolvenzverwalter fungiert Rechtsanwalt Moritz Sponagel aus Bremen. Die Stadt hatte mit ihm über den Aufbau der Festhalle verhandelt und ihn schriftlich aufgefordert, eine schriftliche Erklärung abzugeben.

Trotz Fristsetzung äußerte sich Sponagel nicht. Deshalb schreibt die Stadt den Platz für das Festzelt jetzt neu aus. Die Ausschreibung wird am 20. April in den Fachmedien veröffentlicht. Jeanette Hölzgen, Familienoberhaupt der Festzelt-Dynastie, sagte am Montag: "Meine Kinder und ich machen weiter. Wir werden uns auf die Ausschreibung der Stadt bewerben. Auf den Jahrmärkten in Herne, Bremen und Bocholt sind wir auch am Start."

Sie hatte keine Erklärung dafür, warum der Insolvenzverwalter sich nicht rechtzeitig bei der Stadt Bonn gemeldet hat. Die Kanzlei in Bremen erklärte am Montag, sie wisse nichts von einer Frist und werde Kontakt mit der Stadt aufnehmen. Weil die Eigentumsverhältnisse so schwierig seien, könne man derzeit keine Zusage für Pützchens Markt geben. Am 6. Juni würde die Gläubigerversammlung über die Zukunft des Unternehmens entscheiden, hieß es aus Bremen.

Infos zur Riesen-Kirmes unter www.puetzchens-markt.de