Gemeindezentrum

In Vilich treffen sich zum 34. Mal Spieler zum Bonner Go-Turnier

Vertieft ins Chaos: Höchste Konzentration ist beim Go gefragt. Und dennoch sind sich viele Nachwuchsspieler einig: "Man kann das Spiel schneller lernen als Schach."

VILICH. "Go kann man schneller lernen als Schach", davon ist Lena überzeugt. Die Elfjährige gehörte zu den jüngsten Teilnehmern beim 34. Go-Turnier, zu dem sich am Wochenende im Vilicher Haus der Gemeinde 81 Spieler trafen.

Ihr Lehrer Heinrich Walter konnte dem nur zustimmen - man müsse sich zumindest nicht all die Züge merken, die man mit Schachfiguren machen kann. Dabei sei es aber alles andere als leicht zu meistern. "Man muss extrem groß denken: Wo ist es sinnvoll zu setzen", sagte Daniel (15), der seit zwei Jahren spielt. Lena ist seit anderthalb Jahren dabei. "Man kann seine Konzentration fördern", meinte sie. Leon (13) tüftelt und kombiniert gern. "Ich spiele das, weil man viel nachdenken kann."

Sie alle besuchen die Gesamtschule in Langerwehe bei Düren und wurden von ihrem Englischlehrer Walter motiviert, sich an dem wohl ältesten Brettspiel der Welt zu versuchen, dessen Ursprünge vor etwa 4000 Jahren in China liegen. Mit insgesamt sieben Schülern war er zum evangelischen Gemeindezentrum Vilich angereist, aber sie waren längst nicht die einzigen Jugendlichen.

Go hat in Deutschland zwar keinen besonders großen Spielerkreis, aber der Nachwuchs interessiert sich doch dafür, vielleicht auch, weil es sich auch gut online spielen lässt. Hilfreich sei, mathematisch begabt zu sein und logisch denken zu können, meinte Lehrer Walter. Er nimmt seine Go-Schüler regelmäßig mit auf Turniere, an ihrer Europaschule in Langerwehe wurden auch die deutschen Schul-Go-Meisterschaften ausgerichtet. Für seine Schützlinge seien das gute Möglichkeiten, sich zu verbessern und zu gucken, wo sie stehen: Sie alle gehören bislang noch zur Kyu-Gruppe, das sind die Schüler, und sind von der Meisterkategorie Dan noch weit entfernt.

Go sei faszinierend, weil die Regeln einfach, die Möglichkeiten aber unendlich seien, sagte Regina Quest, die das Turnier mit ihrem Mann Jens Vygen seit 20 Jahren in Bonn organisiert. "Jedes Spiel ist immer wieder anders." Heutzutage brauche man nicht einmal mehr unbedingt einen menschlichen Gegenspieler: Es gibt das Spiel als Computersoftware, im Internet und sogar als App auf dem Smartphone. Diese Programme hätten sich in den letzen Jahren sehr stark entwickelt, so Quest.

Das Turnier hat mit der Bundesliga, die es inzwischen gibt und die hauptsächlich übers Internet läuft, nichts zu tun. "Es geht nur um Spaß." Als Preise gab es Buchmaterial zum Spiel. Die 87 Teilnehmer stammten aus allen Teilen Deutschlands, hauptsächlich aber aus NRW. Daneben waren auch Spieler aus Luxemburg und Holland angereist. Einige Vorangemeldete hätten wegen des Schneefalls leider absagen müssen, so Quest. Den Sieg trug letztlich Platz Matthias Percey aus Münster davon. Zweiter wurde Lukas Krämer aus Bonn, Platz drei belegte Andreas Götzfried aus Luxemburg.