100 Liter Ladevolumen

In Beuel gibt es jetzt ein Lastenrad zum Ausleihen

Uli Kindermann trifft mit dem neuem Lastenrad Bonnie nach einer 300-Kilometer-Tour in Beuel ein.

Uli Kindermann trifft mit dem neuem Lastenrad Bonnie nach einer 300-Kilometer-Tour in Beuel ein.

BEUEL. Uli Kindermann und 90 Unterstützer haben für Beuel ein Lastenfahrrad zum Ausleihen finanziert. Im Interview spricht er über das Projekt.

Dass in Uli Kindermanns Lastenrad „eine Menge reinpasst“, hört der Beueler immer wieder. Im Juni ist er damit 300 Kilometer von Amsterdam bis nach Bonn gefahren. Dank einer Ladefläche mit aufklappbarem Korb hat das schwarze Gefährt 100 Liter Ladevolumen. Mit eingeklapptem Korb fährt es sich jedoch wie ein normales Fahrrad. Dank seiner Crowdfunding-Kampagne „Kaffeefahrt“ konnte das Rad gekauft werden und ist seit Kurzem als „freies Lastenrad“ in Beuel ausleihbar. Mit dem Diplom-Geografen sprach über Motivation, Mitmachen und Mulis.

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrer Lastenrad-Aktion?

Uli Kindermann: Alle reden über den Klimaschutz und beklagen die Situation. Gerade beim Verkehr steigen die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland, obwohl sie eigentlich sinken sollen. Ich wollte nicht länger von der Krise reden, sondern einen aktiven Beitrag leisten, in und für Bonn. Zum Beispiel mit einem neuen, frei ausleihbaren Lastenrad eine konkrete Alternative zum Auto anbieten. Und ich wollte andere zum Mitmachen einladen. Es als Gruppe gemeinsam finanzieren, daher die Crowdfunding-Kampagne.

Wie konnte man konkret mitmachen?

Kindermann: Als Erstes hat die Firma Muli-Cycles aus Driedorf in Hessen mitgemacht und mir ein Lastenrad geliehen. Die haben letztes Jahr ihre Firmengründung mit Crowdfunding finanziert und waren sofort dabei. Dann habe ich Kilometer-Paten gesucht, die symbolisch ihr Kleingeld – zwei, fünf, zehn oder 20 Cent und mehr für jeden gefahrenen Kilometer – für den Kauf des Lastenrades spenden. Bonn im Wandel e.V., zu denen die „Bolle“-Lastenräder gehören, der ADFC und viele andere haben dafür Werbung gemacht. Und natürlich sollen nun alle mitmachen, indem sie das Lastenrad oft und gerne ausleihen!

Warum ging es von Amsterdam nach Bonn?

Kindermann: Amsterdam ist Sitz der Firma „Fair Transport“, deren Segelschiff „Tres Hombres“ transportiert klimaneutral Güter zwischen Europa und dem amerikanischen Kontinent. Anfang Juni war das Schiff gerade nach acht Monaten zurück. Hin hatte es Hilfsgüter für Wirbelsturm-Opfer in die Karibik gebracht, auf dem Rückweg Fairtrade-Kaffee aus Kolumbien, Kakaobohnen und Rum an Bord. Schon zwei Tage nach der Ankunft des Segelschiffs, am 4. Juni, konnte ich das „Muli“ mit 30 Kilo Fairtrade-Kaffee und Rum beladen und die 300 Kilometer zurück nach Bonn antreten. Ohne Motor, mit null Gramm CO2- Emissionen.

Wie lief das Crowdfunding?

Kindermann: Die ersten Tage waren sehr erfolgreich, tausend Euro waren zusammen, noch bevor ich wieder in Beuel war. Nach Ankunft war zunächst Flaute, es lief sehr schleppend. Einige Bonner haben dann sehr großzügig unterstützt, so wurde zum Kampagnenende am 21. Juli das Ziel sogar übertroffen, das wurde am 23. zusammen mit Bonn im Wandel gefeiert. Dazu muss gesagt werden: das Lastenrad selbst kostet 2500 Euro. Aber es kamen noch Ausgaben für Kaffee und Rum, Zugtickets, Ausrüstung, Gebühren und vieles andere dazu, insgesamt 3750 Euro. Am Ende kamen mithilfe von 90 Unterstützern genau 3890 Euro zusammen. Hundert Euro packe ich nun aus eigener Tasche drauf, sodass auch noch ein Kindersitz angeschafft werden kann.

Wo kann Bonnie ausgeliehen werden?

Kindermann: Bonnie ist das dritte ausleihbare Lastenrad im Projekt „Bolle Bonn“. Die Ausleihe dieser freien Lastenräder ist gegen eine Spende möglich, jeder gibt so viel er kann und möchte. Damit werden Versicherung, Ersatzteile und Wartung finanziert. Über das Internet kann man die aktuelle Ausleihstation finden und das Rad buchen. Nach der Buchung bekommt man dann per E-Mail alle Kontaktdaten der Station und vereinbart einen Übergabetermin. Für das neue, sehr kompakte Rad würde ich mir eine Zusammenarbeit mit Geschäftsleuten wünschen, sodass Bonnie jeweils eine Woche vor einem Lebensmittelladen oder einem Getränkemarkt stehen könnte, für deren Kunden.

Wie viele Lastenräder zum Ausleihen gibt es in Bonn?

Kindermann: Viel mehr als man denkt, ich kenne mindestens 15. Über „Bolle Bonn“ sind nun drei ausleihbar, bald vier, ein Rad wird gerade im „Velowerft“-Projekt hier in Beuel gebaut. Gegen Gebühr kann man Lastenräder zudem bei Knauber, Obi und mindestens drei Fahrradläden leihen, aber kaum jemand weiß davon. Ich habe daher auf Facebook die Gruppe „Lastenrad Fans Bonn“ gegründet, um bestehende Angebote bekannter zu machen. Meine Motivation ist es, dass die Leute ihr Problemwissen in Handlungswissen umwandeln und die Möglichkeiten der Nachhaltigkeit in der Mobilität erkennen. Wir müssen den Klimaschutz ins Lokale holen und in den Städten so für Veränderung sorgen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Menschen Spaß haben, Bonnie zu testen.

Ausleihen kann man das Lastenrad unter bolle-bonn.de/ausleihen.