Roman Zednicek

Holzlarer entwickelt GyrocopterCam für Luftbilder

Startklar: Roman Zednicek am Steuer des Gyrocopters. Ganz vorne an der Spitze hängt das von ihm entwickelte vibrationsfreie Kamerasystem.

26.09.2013 Holzlar. Es ist rot, ökologisch, leicht und sehr beweglich - und eine Revolution in der Luftbildproduktion. GyrocopterCam ist das weltweit erste vollkreiselstabilisierte und vibrationsfrei aufgehängte Kamerasystem, das an einen Gyrocopter (zu deutsch Tragschrauber) installiert ist.

"Ich habe das System etwa vier Jahre lang entwickelt. Nach erfolgreichen Tests haben wir das Kamerasystem zum ersten Mal zum Start der neuen Bundesligasaison über der Münchener Allianz Arena im Live-Betrieb eingesetzt", sagt Roman Zednicek.

Der Kameramann und Fotograf aus Holzlar hat trotz strömenden Regens und Windstärke acht sensationelle Luftbilder der in rot erstrahlenden Arena für die Deutsche Fußballliga (DFL) produziert. DFL- und Fernsehzuschauer waren begeistert und so hat Zednicek schon eine große Nachfrage nach der Weltneuheit zu verzeichnen.

Sein Geschäftsmodell soll denn auch auf zwei Säulen ruhen: der eigenen Produktion von Luftbildern und dem Bau des kompletten Gyrocopters mit Kamerasystem, der GyrocopterCam. Die Erfindung ist mehr oder weniger aus der Situation geboren. Zednicek war Steadicam-Operator, das heißt, er hat eine stabilisierte rund 45 Kilo schwere Kamera am Körper getragen und damit für internationale Auftraggeber Aufnahmen für Werbung, Kino und Fernsehen gemacht.

"Das ist wie Hochleistungssport, man ist immer in Bewegung, joggt und springt mit der Kamera am Körper", sagt der Kameramann. Er gehöre zu den Top 10 seiner Branche in Europa und habe sich schon immer für Bildgestaltung interessiert, sagt Zednicek.

Schon als Elfjähriger habe er in der Schule ein Fotolabor aufgebaut. Dann kam es 2003 zu einem tragischen Unfall. Der Kameramann stürzte in voller Action schwer und konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. "Die Leidenschaft für die Bildgestaltung zieht sich durch mein ganzes Leben. So war es sehr schmerzhaft für mich - nicht nur körperlich", sagt Zednicek.

Er musste sich beruflich neu orientieren. 2007 habe er dann den Gyrocopter entdeckt, und die Idee war da: ein kostengünstiges Kamerasystem für Gyrocopter zu entwickeln, das absolut wackelfreie Bilder liefert. Zednicek experimentierte jahrelang. Dabei ging es auf und ab. "2009 gelang dann der Durchbruch. Ich hatte eine zum Gyrocopter passende, leichte und professionelle Lösung entwickelt, die bereits zum Patent und Markenschutz angemeldet ist", sagt der Unternehmer.

Dass er in eine Marktlücke stößt, ist das Ergebnis seiner langen Berufserfahrung. "GyrocopterCam ist die professionelle, ökologische, kostengünstige Alternative zum Hubschrauber", sagt der Kameramann. Produzenten, Veranstalter und Fernsehsender haben die Chancen des neuen Systems bereits erkannt, und auch die Polizei und Überwachungsorgane sind von den Möglichkeiten beeindruckt. Zednicek hat schon zahlreiche Anfragen und bereits konkrete Aufträge aus aller Welt erhalten.

"GyrocopterCam revolutioniert die Luftbildproduktion. Im Gegensatz zum Einsatz eines Hubschraubers ist das System eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative", weiß der Kameramann. Eine Hubschrauberstunde koste gerne rund 5000 Euro die Stunde. "Wir können bis zu 70 Prozent darunter bleiben", sagt Zednicek, der mit einer britischen Firma zusammenarbeitet.

Da das Interesse bereits so groß ist, sucht Zednicek derzeit einen Standort für die Expansion seines Unternehmens. "In Hangelar bekomme ich leider keine Unterstützung, dafür stoße ich in Mendig in Rheinland-Pfalz offene Türen auf. Dort sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr gut, ich werde dort neue Arbeitsplätze schaffen", sagt der Holzlarer, der nun über einen Umzug nachdenkt. (Anke Vehmeier)