Pützchens Markt

Heimatforscher suchen Kirmesbilder

Pützchen. Geografie-Professor Karl-Heinz Erdmann und Kulturwissenschaftler Michael Faber wollen ein Buch herausgeben. Dafür kramen zahlreiche Beueler nach alten Aufnahmen von Pützchens Markt.

„Das hier ist ein von zwei Pferden gezogenes Doppelkarussell“, erzählt Hubert Barth, als er ein kleines, verblichenes Schwarz-Weiß-Foto aus einer Mappe zieht: „Das Bild muss so um die hundert Jahre alt sein, aber ich bin mir nicht sicher, ob es auch hier aus dem Ort ist“, sagt der 79-jährige Rentner.

„Alte Fotos und Dokumente vom Pützchens Markt gesucht“, heißt es am Samstagmorgen im Pfarrzentrum des Ortsteils. Zahlreiche Bürger sind der Einladung des Bonner Geografie-Professors Karl-Heinz Erdmann und des Kulturwissenschaftlers Michael Faber gefolgt und haben ihre Fotoalben oder wie Barth Umschläge mit ausgewählten Bildern oder alten Postkarten mitgebracht.

Für ein Buch zur Geschichte des Traditionsmarkts suchen die beiden Herausgeber noch dringend historische Fotos und andere Dokumente vom Jahrmarktgeschehen aus der Anfangszeit bis in die 50er Jahre. Das Werk soll zum 650. Jubiläum der Kirmes im Auftrag der Stadt Bonn erscheinen und stellt mit Beiträgen weiterer Wissenschaftler eine völlige Neubearbeitung der Geschichte des Marktes am Adelheidis-Pützchen dar.

Über zu wenige Bilder können sich die beiden Autoren nun jedenfalls nicht mehr beklagen; ständig ist die Frage „Bin ich hier richtig zum Fotozeigen?“ von neu eintreffenden, vornehmlich älteren Bürgern zu hören. Sie sind es und können ihre Fotos sogar später wieder mitnehmen: Zur Archivierung hat das Team nämlich einen hochauflösenden Scanner mitgebracht, der die Zeitzeugnisse sicherte. „So muss uns niemand etwas ausleihen, jeder kann seine Schätze direkt wieder mit nach Hause nehmen“, so Erdmann. Extra für diese Aufgabe haben die beiden Wissenschaftler Unterstützung von Erdmanns Schwester Waltraud Zimmermann erhalten, die professionelle Layouterin ist.

Familie Markmann steuert alte Dokumente bei

Weitere Unterstützung kommt von Lilo Patt-Krahe, die die eintreffenden Gäste mit frischem Kaffee bewirtete und auch selber Bilder und Geschichten beisteuert: Patt-Krahes Eltern Gertrud und Hans Patt betrieben jahrelang eine Hauswirtschaft während der Markttage, bevor die Familie einen festen Imbissbetrieb und später die Gaststätte Bürgerstube eröffnete. „Etwas ganz Besonderes sind auch diese Postkarten aus der Kaiserzeit“, erläutert Faber und zeigt einige farbige Lithografien. Denen wolle man wegen ihrer speziellen Bedeutung ein eigenes Kapitel des Buches widmen.

Ein ganz eigenes Kapitel Pützchens Markt-Geschichte hat auch die Familie Markmann geschrieben: Die Brüder Hubert und Hans-Peter betreiben neben der legendären Schaukel „Nessy“ weitere Fahrgeschäfte sowie einen Ausschank und gehören zu den Gründern des Freundeskreises Pützchens Markt. Bereits ihre Eltern waren durch ihre nostalgische Schiffschaukel und eine alte Raupenbahn bekannt. Hubert und sein Sohn Marcel steuerten daher nicht nur Bilder, sondern auch alte Dokumente bei.

Über den Besuch von knapp 20 Bürgern können sich die beiden Heimatforscher am Ende des Tages freuen: „Rund 200 Scans habe ich heute gemacht“, so Zimmermann gegen Ende der Aktion am Mittag. Auch das Foto des Doppelkarussells stammt übrigens höchstwahrscheinlich vom Pützchens Markt: „Ich bin mir recht sicher, aber hundertprozentig ist es nicht“, erklärt Erdmann während er Barths Bild einscannt.