Informationsabend im Rathaus Beuel

Großes Interesse an urbaner Seilbahn für Bonn

Die Gondeln der urbanen Seilbahn Miocable in Cali (Kolumbien) gleiten über die Häuser der Stadt hinweg. Eine ähnliche Konstruktion, wie sie auch in Bonn möglich wäre.

Die Gondeln der urbanen Seilbahn Miocable in Cali (Kolumbien) gleiten über die Häuser der Stadt hinweg. Eine ähnliche Konstruktion, wie sie auch in Bonn möglich wäre.

BEUEL. Caracas und Portland haben eine, Koblenz auch und La Paz in Bolivien sogar drei: urbane Seilbahnen. Schweben bald auch Kabinen einer Seilbahn fast lautlos über Beuel, den Rhein und bis zum Venusberg?

Wenn es nach dem Verkehrsexperten Heiner Monheim und Bonner Umweltorganisationen und Verkehrsverbände geht, könnte das Realität werden. Die Institutionen haben nun die Seilbahn beim NRW-Verkehrsministerium zum ÖPNV-Bedarfsplan angemeldet.

„Dieses Projekt, integriert in den Öffentlichen Verkehr, wäre einmalig in Deutschland und hat unglaubliches Potenzial, die Verkehrsprobleme in Bonn zu lösen“, sagte Monheim im Beueler Rathaus. Zur Veranstaltung der SPD-Ortsvereine (OV) Beuel, Holzlar-Hoholz und Küdinghoven-Ramersdorf-Oberkassel kamen rund 120 Bürger.

„Wenn man zum ersten Mal von einer Seilbahn über Beuel hört, klingt das sehr ungewöhnlich und man stutzt. Bei intensiverem Nachdenken verströmt die Idee jedoch eine Faszination“, sagte Rainer Bohnet, Vorsitzender im OV Holzlar-Hoholz. Die Bahn über den Rhein würde eine Menge Druck aus der verkehrspolitischen Diskussion in Bonn nehmen und wäre ein hochmodernes Angebot – nicht nur unter touristischem Aspekt, so Bohnet.

Monheim berichtete, dass das Thema Elektromobilität in unseren Nachbarländern eine Renaissance erlebe. „Wir tun uns in Deutschland damit noch etwas schwer.“ Dabei sei eine Seilbahn förderungsfähig, wenn sie in den Nahverkehr integriert ist.

Beim Land und im Bundesverkehrsministerium habe man eine positive Resonanz auf die Vorschläge erhalten. Die vom Stadtrat in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie erwartet Monheim Ende des Jahres. Dann sei es wichtig, die Bürger mit ins Boot zu holen.

Die Bahn könnte vier Haltestellen haben und so vom Venusberg über die Museumsmeile, den UN-Campus, über den Rhein zu T-Mobile bis hinauf zum Ennert verlaufen. Monheim: „Mit 35er Kabinen könnten rund 5000 Menschen pro Stunde und Richtung transportiert werden“ – alles barrierefrei. Die Baukosten wären geringer und die Bauzeit kürzer als beim Schienenverkehr.

Die geschätzten Kosten lägen bei 150 bis 200 Millionen Euro, sagte Monheim. Das Thema urbane Seilbahn werde derzeit auch in Städten wie Wuppertal, Siegen, Trier und Frankfurt am Main diskutiert.