Wissenswertes über den berühmten Oberkasseler

Gottfried Kinkels Jugenderinnerungen

Hermann Rösch (2.v.l), Klaus Großjohann (Mitte) und Klaus Busch geben Gottfried Kinkels Kindheitsaufzeichnungen neu heraus.

Hermann Rösch (2.v.l), Klaus Großjohann (Mitte) und Klaus Busch geben Gottfried Kinkels Kindheitsaufzeichnungen neu heraus.

OBERKASSEL. Er war Theologe, Kunsthistoriker, Dichter und zu seiner Zeit ein sehr bekannter demokratischer Politiker: Gottfried Kinkel wurde am 11. August 1815 in Oberkassel geboren. Grund genug für Klaus Busch und Klaus Großjohann kurz vor diesem Jubiläum die Projektgruppe Kinkel200 ins Leben zu rufen und eine von Hermann Rösch eingeleitete und kommentierte Neuauflage von Kinkels Jugenderinnerungen herauszugeben.

"Man erfährt aus den Aufzeichnungen unglaublich viele Details aus dem Alltag einer evangelischen Pfarrersfamilie im Rheinland", erklärte Rösch. "Zum Beispiel durfte der junge Kinkel nicht mit den anderen Kindern spielen, durfte aber schon jeden Tag ein Glas Wein trinken", erläuterte er mit einem Schmunzeln.

"Meine Kindheit" ist als 36. Band in der Reihe "Beiträge zur Geschichte von Oberkassel" erschienen und wurde der Öffentlichkeit am vergangenen Freitagabend stilgerecht im Weinhaus Kinkelstuben an der Oberkasseler Kinkelstraße vorgestellt. "Seine eigenen Gedanken zu seiner Kindheit in unserem Ort sind ein wichtiger Baustein, um diesen berühmten Oberkasseler näher kennenzulernen", betonte Großjohann bei der Präsentation.

Der Sohn des evangelischen Pfarrers in Oberkassel wurde zunächst Theologe, verliebte sich dann aber in Johanna, die Tochter seines früheren Lehrers Peter Mockel. Sie war verheiratet, konvertierte aber, da ihr als Katholikin eine Scheidung verboten war, zum Protestantismus und heiratete Kinkel drei Jahre später. "Damit war seine Karriere als Theologe an der Bonner Universität natürlich zu Ende", erläutert Rösch. "Da er aber zugleich ein begnadeter Kunsthistoriker war, wechselte er zunächst die Fakultät, bevor er sich politisch betätigte und nach den Wirren der 48er Revolution ins Exil nach London ging. 1866 nahm er eine Professur für Kunstgeschichte am Polytechnikum in Zürich an, wo er im Jahr 1892 starb."

Bereits zum 100. Todestag Kinkels im Jahr 1982 waren seine Jugenderinnerungen vom Oberkasseler Heimatverein verlegt worden: "Der Band war allerdings in Fraktur gedruckt und ist heute nur noch antiquarisch erhältlich", erzählte Busch.

"Die Namensgleichheit mit Klaus Kinkel ist übrigens Zufall." Großjohann und Rösch als gute Kenner des berühmten Oberkasselers wussten auch zu berichten, dass der frühere Bundesaußenminister und FDP-Vorsitzende zwar ein Bewunderer, aber kein Verwandter des Kunsthistorikers ist.

Ab sofort ist die Neuauflage von Gottfried Kinkels "Meine Kindheit", eingeleitet und kommentiert von Hermann Rösch als Nummer 36 der Beiträge zur Geschichte von Oberkassel und seiner Umgebung in der Buchhandlung Max und Moritz in der Adrianstraße 163 in Oberkassel erhältlich.