Aus Marnie wurde Honey

Geschichte der ausgebüxten Hündin berührte viele Leser

Honey genießt ihr Nickerchen im Garten FOTO: ANNA-LENA LOTTER

Honey genießt ihr Nickerchen im Garten

Bonn. Als der General-Anzeiger Anfang des Jahres von der verzweifelten Suche nach der im Westerwald entlaufenen Marnie berichtete, berührte das viele Leser. Auch viele Spaziergänger und Hundebesitzer kannten die Suchplakate, die am Beueler Rheinufer auf das Schicksal der extrem scheuen Podenco-Hündin aufmerksam machten.

Der Verein Apariv hatte sie im Herbst 2014 von Spanien aus in den Westerwald vermittelt. Marnie konnte sich dort aber schon nach wenigen Tagen losreißen und war sieben Monate lang auf der Flucht, bis sie schließlich im Juni mit einem Betäubungsschuss in der Beueler Rheinaue gefangen werden konnte.

Bei der Suche immer mit dabei war Anna-Lena Lotter - eine Studentin aus Beuel und zweite Vorsitzende des Vereins, der Marnie am Flughafen ihren neuen Besitzern übergeben hatte. Ihre Hartnäckigkeit und wohl auch eine ganz besondere Beziehung zwischen ihr und dem Hund, waren die Gründe dafür, warum sich so viele Menschen für Marnie interessierten. Denn obwohl die Hündin nie in Beuel war, schien sie bei ihrer Odyssee vom Westerwald aus gezielt Kurs dorthin genommen zu haben.

Inzwischen ist fast ein halbes Jahr vergangen, und aus Marnie wurde Honey. "Für diesen Namen haben wir uns entschieden, weil ihre Augen die Farbe von Honig haben. Ich fand das irgendwie passend. Und sie scheint den Namen zu mögen. Von Anfang hat sie super darauf gehört. Außerdem war Marnie einfach zu vorbelastet, darauf wollte sie auch nie richtig hören", erklärte Lotter dem GA.

Honey lebt inzwischen mit drei weiteren Hunden in Lotters Familie und hat in diesem Umfeld ihre Panik und Scheu abgelegt. Lotter: "Honey ist ein ausgesprochen intelligenter und wachsamer Hund. Sie lernt enorm schnell und achtet auf jedes Geräusch. Sie ist die erste, die lautstark bellt und meldet, wenn sie ein fremdes Geräusch hört. Kommt einer von uns nach Hause, steht sie mitten im Rudel, bellt wie wild vor Freude und wedelt mit dem Schwanz."

Sie lässt sich von ihrer Familie streicheln und kraulen und geht auch problemlos spazieren. Allerdings nie ohne Sicherheitsgeschirr und Leine. Im Garten läuft sie ohne Leine, nachts schläft sie auch ohne Geschirr. "Draußen bin ich ihre Leitfigur, sie folgt mir auf Schritt und Tritt. Sie hat kein einziges Mal versucht, zu fliehen. Wenn sie sich vor etwas erschrickt, sucht sie Schutz bei mir". fügt Lotter hinzu.

Nicht nur für die Hündin hat sich der Einsatz gelohnt. Lotter: "Ich bin Honey von Herzen dankbar. Sie hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, für etwas zu kämpfen und dass man nie aufgeben sollte - ganz egal, wie steinig der Weg auch sein mag. Honey hat mir geholfen, zu erkennen, wie stark ich sein kann. Und eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Ich liebe diesen Hund von ganzem Herzen, und ich würde es jederzeit wieder für sie tun! Ich danke allen Helfern und Sichtungsmeldern und kann euch sagen: Marnie ist angekommen!"

Für Honey hatte diese Geschichte ein Happy End. Aber es gibt viele Hundeschicksale wie ihres in Deutschland. Oft sind es Tiere, die wie Marnie aus dem Ausland direkt nach Deutschland vermittelt und von den Besitzern zu früh ohne Sicherheitsgeschirr von der Leine gelassen wurden. Da sie oft sehr scheu sind, ist es extrem schwierig, sie wieder einzufangen. Immer wieder passiert es auch, dass eigentlich zahme Tiere ausbüxen, weil sie sich erschrecken oder sich fremd fühlen. Für die Besitzer ist die Suche oft sehr langwierig und manchmal leider auch vergebens.