Interview

"Geld ist genug da"

Christian Testorf leitet die SPD Beuel. FOTO: HEINZ

Christian Testorf leitet die SPD Beuel.

Der 33 Jahre alte Christian Testorf ist seit Anfang März Vorsitzender der SPD Beuel.

Über seine Ziele und die Rolle der SPD sprach er mit Johanna Heinz.

Sie haben bei Ihrer Wahl gesagt, dass Sie sich als Vorsitzender gerne mit der Rolle der SPD auseinandersetzen würden. Was bedeutet das?

Christian Testorf: Ich denke, dass es ganz wichtig ist, dass wir uns als SPD darüber unterhalten, für wen wir im Jahr 2015 eigentlich Politik machen. Das müssen auch die Leute sein, die morgens arbeiten gehen und abends nach Hause kommen, die nicht unbedingt einen Zugang zu Politik haben, die aber auch ihre Interessen vertreten sehen wollen - und diese Interessen sind vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Pflege, ein Bereich, der uns in Zukunft noch viel stärker beschäftigen wird.

Die vielbeschworene Mitte der Gesellschaft also ...

Testorf: Genau, die vielbeschworene Mitte. Man muss natürlich zusehen, dass das keinen falschen Zungenschlag bekommt. Ich bin nicht dafür, dass die SPD der Betriebsrat der Nation wird. Natürlich haben wir auch die sozial Schwächeren zu vertreten. Wir sollten aber die Fragen zu beantworten versuchen, die in Zukunft wichtig werden: Wie werden wir arbeiten? Wie werden wir Familie und Arbeit vereinbaren? Welche Möglichkeiten bietet dabei die Digitalisierung?

Diese Richtung wird aber nicht auf Ebene der Ortsvereine bestimmt ...

Testorf: Der Ortsverein ist die kleinste Basis der Partei. Dort müssen solche Diskussionen geführt werden. Wir sind eine Plattform für den Austausch, sowohl mit interessierten Bürgern als auch im Ortsverein selbst.

Böse gesagt eine Nabelschau. Ist das für den Wähler relevant?

Testorf: Parteiinterne Debatten sind ja nichts Schlimmes. Ich halte diesen Austausch gerade für eine Partei wie die SPD für unglaublich notwendig.

Notwendig auch, wenn man sich die bundesweiten Umfrageergebnisse von rund 25 Prozent oder das Ergebnis der Kommunalwahl in Bonn anschaut, oder?

Testorf: Absolut. Wobei: Der Bundestrend stagniert zwar, aber in den Ländern und in den Kommunen sind wir stark - wenn wir uns auch in Bonn bei der letzten Kommunalwahl ein besseres Ergebnis gewünscht haben. Dass die SPD das Lebensgefühl der Mensch nur schwer treffen kann, liegt unter anderem an einem gesellschaftlichen Zufriedenheitsgefühl, das alltäglich greifbar ist. Vielen von uns geht es ja auch gut, nicht zuletzt aufgrund der Politik der SPD. Daraus kann aber nur schwer ein Veränderungswille entstehen.

In Beuel regiert die SPD auf Bezirksebene mit: Wie bewerten Sie die Arbeit Ihrer Parteikollegen?

Testorf: Wir sind als Ortsverein mit der Arbeit zufrieden. Zwischen Bonn und Beuel gibt es eine gewisse Diskrepanz: Man hat den Eindruck, in Bonn passiert nicht viel. Ich wohne seit zehn Jahren in Beuel. Wenn man sich anschaut, was dort alles passiert ist. Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass in Beuel ein kooperativeres Miteinander herrscht.

Was sind in Ihren Augen die drängendsten Fragen in Beuel?

Testorf: Der Bau der S 13 ist eine Frage, die geklärt werden muss, wobei das ja schon sehr gut vorbereitet ist. Wir müssen außerdem Wohnraum schaffen. Diese Stadt hat einen Zuzug, eine enorme Attraktivität, und die gilt es zu nutzen. Man muss dabei in den Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern treten, aber man muss auch, salopp formuliert, der x-hundertsten Bürgerinitiative sagen: Die Stadt gehört nicht nur denen, die hier wohnen, sondern auch denen, die hier wohnen möchten. Wichtig sind auch die Fragen der Kinderbetreuung und OGS. Ich bin auch Befürworter der Dezentralisierung. Wir sollten in Beuel und den anderen Stadtbezirken ein gewisses Angebot aufrechterhalten, beispielsweise bei den Bibliotheken.

Was heißt das konkret?

Testorf: Ich teile die bereits vorgebrachten Vorschläge, die Bibliotheken unter Beteiligung von Ehrenamtlichen fortzuführen. Dabei denke ich vor allem an die Bibliothek in der Integrierten Gesamtschule Beuel.

Wie soll es mit den Beueler Bädern weitergehen?

Testorf: Ich bin selbst Schwimmer und mich stört seit Jahren, dass die Diskussion um die Bäder in Bonn fast ausschließlich unter dem Aspekt des Sparens geführt wird. Ich meine, man sollte gerade in Zeiten knapper Kassen über eine Steigerung der Attraktivität nachdenken. Längere und flexible Öffnungszeiten oder ein Kurzschwimmertarif könnten dazu beitragen, dass mehr Menschen die Bäder nutzen. In Beuel stehen die zwei modernsten Bäder in Bonn. Die zu schließen, erscheint mir wenig sinnvoll.

Wo sehen Sie dann Sparpotenzial im Stadtbezirk?

Testorf: Bei den originären Zuständigkeiten sehe ich wenig Möglichkeiten. Die strittigen Positionen liegen auch nicht im Budget der Bezirke. Wichtig ist: Streichungen dürfen nicht einseitig zulasten einzelner Bezirke erfolgen. Insgesamt sehe ich im Bereich der Kultur das größte Potenzial. Grundsätzlich müssen wir als SPD aber weiter über die Vermögensverteilung insgesamt sprechen. Geld ist schließlich genug da.

Zur Person

Christian Testorf wurde 1981 in Nordhorn geboren und wohnt seit zwölf Jahren in Beuel. Er hat in Bonn Geschichte und Politikwissenschaft studiert und steht kurz vor der Promotion. Testorf arbeitet als Referent bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.