Verein "Lebenswerte Siebengebirgsregion"

Gegner des Ennertaufstiegs formieren sich

Auf dem Burghof in Oberholtorf treffen sich mehr als 250 Bürger, um den aktuellen Stand der Diskussion über die umstrittene Südtangente zu erfahren. FOTOS: MAX MALSCH

Auf dem Burghof in Oberholtorf treffen sich mehr als 250 Bürger, um den aktuellen Stand der Diskussion über die umstrittene Südtangente zu erfahren. FOTOS: MAX MALSCH

BEUEL. Verein "Lebenswerte Siebengebirgsregion" diskutiert mit Bürgern und Politikern über den Autobahnnetzschluss.

"Im Naturpark Siebengebirge darf der Verkehr keine dominante Rolle spielen", sagte Franz-Friedrich Rohmer, zweiter Vorsitzender des Vereins Lebenswerte Siebengebirgsregion, Mit diesem Satz beendete er am Samstag seine Begrüßungsrede auf dem Burghof in Oberholtorf und eröffnete gleichzeitig einen regen Meinungsaustausch zur seit Jahrzehnten umstrittenen Südtangente (Autobahnnetzschluss zwischen A 3 und A 565). Mehr als 250 Bürger aus Bonn, Königswinter und Sankt Augustin waren auf Einladung des Vereins und der Bürgerinitiative "Ennertaufstieg Nein!" zu einer Informationsveranstaltung mit politischen Vertretern aus Bund, Land, Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn erschienen. Die Gastgeber erinnerten gleich zu Beginn daran, dass sie die Trasse aus ökologischen Gründen ablehnen und äußerten ihr Unverständnis darüber, dass die Südtangente wieder auf ihre Notwendigkeit hin untersucht wird, obwohl sie erst 2003 aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen worden ist.

Auf die Frage eines Bürgers, was sich denn seit 2003 geändert habe, antwortete der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann, der auch Mitglied des Verkehrsausschusses in Berlin ist: "Die Verkehrsbelastung in der Region hat zugenommen, und die Prüfverfahren haben sich geändert." Hartmann, der auch SPD-Vorsitzender des Rhein-Sieg-Kreises ist, bezeichnete die erneute Überprüfung der Trasse als Gewinn, um ein für alle Mal belastbare Ergebnisse zu erhalten, dass diese Straßenverbindung nicht das erwünschte Entlastungsziel erreichen könne. Hartmann rechnet nicht damit, dass die Südtangente am Ende der Untersuchungen einen Kosten-Nutzen-Faktor vorweisen wird, der bei den knappen Finanzmitteln des Bundes für den Straßenneubau einen Bau rechtfertigen wird.

Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber bewertet die aktuelle Situation ähnlich: "Der Wettstreit der Bundesländer um die knappen Finanzmittel verbietet eigentlich den Bau der Südtangente. Denn eins ist klar: Für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ist der Ausbau der Nordbrücken-Autobahn und der Neubau des Tausendfüßlers viel wichtiger. Diese Projekte müssen im Bundesverkehrswegeplan verankert werden.

Die Diskussion um die Südtangente gefährdet das alles." Kelber forderte alle Bürger und verantwortungsbewussten Politiker auf, ein "breites Bündnis" gegen die Trasse zu bilden. Der CDU-Stadtverordnete Reiner Burgunder, der die erkrankte CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel entschuldigte, sagte, das seine Partei nach Wegen suchen wolle, um die an den Durchgangsstraßen wohnenden Bürger zu entlasten: "Durch Niederholtorf fahren täglich mehr als 15 000 Autos. Die Menschen, die dort an der Löwenburgstraße leben, haben es verdient, dass wir Lösungen präsentieren." Martin Metz, verkehrspolitischer Sprecher der Rhein-Sieg-Kreis-Grünen, verglich die Südtangente mit einem "Zombie", der - als tot geglaubt - stets wieder aufersteht. "Wir Grünen lehnen die Trasse auf allen politischen Ebenen ab, weil sie umweltpolitisch unverantwortlich ist." Außerdem verhindere die Südtangente seit Jahrzehnten die Diskussion über "vernünftige verkehrspolitische Lösungen".

Metz sprach von einem Irrglauben, dass sich die Bedeutung einer Region nur über die verkehrliche Erschließung definiere: "Heutzutage spielt für die Standortentscheidung von Unternehmen die Wertigkeit der Natur- und Kulturlandschaft eine ebenso wichtige Rolle." Der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg sagte: "Der Bau der Südtangente macht überhaupt nur dann Sinn, wenn sowohl der Ennertaufstieg als auch der Venusbergtunnel gebaut werden." Dafür fehle aber definitiv das Geld, denn allein der Ennertaufstieg würde mehr als 500 Millionen Euro kosten. "Außerdem würde eine Südtangente nicht die innerstädtischen Verkehrsprobleme lösen, stattdessen aber noch mehr Durchgangsverkehr in die Region anziehen. Die Südbrücke ist und bleibt das Nadelöhr - egal ob mit oder ohne Südtangente", betonte der Landespolitiker.