An der S-13-Strecke

Fußgängertunnel soll Vilich und Müldorf verbinden

Vilich. Ein 250 Tonnen schweres Betonmodul ist in Vilich unter die S-13-Eisenbahnstrecke geschoben worden. Es ist ein Tunnel für Fußgänger und Radfahrer, der die Ortsteile Vilich und Vilich-Müldorf verbindet.

Es war schon nach Mitternacht, als die Maschinen endlich schwiegen und sich auch die meisten Arbeiter eine Pause gönnen konnten. Denn auf den Verschubbahnen, die zuvor ausgelegt wurden, nahm endlich der Koloss Fahrt auf, für den all der Aufwand betrieben wurde. 250 Tonnen Beton und Stein, die scheinbar schwerelos dahinglitten, ihrem Bestimmungsort entgegen, um als Fußgänger- und Radfahrertunnel künftig eine Passage unter den bereits bestehenden Bahngleisen für die künftige S 13 zu bieten.

Es war eine von mehreren Maßnahmen, für die der Bahnverkehr zwischen Troisdorf und Beuel am Wochenende bis einschließlich Montagnachmittag ruhte. Denn es musste ein nahe der Beueler Straße gelegenes Loch in den Bahndamm gerissen werden, dafür hatten die Arbeiter zuvor die Schienen und den alten Tunnel entfernt. Die neue Fußgängerunterführung hatte man etwas abseits vor Ort angefertigt – das fertige Bauwerk wartete auf den Verschubbahnen, die am Wochenende letztlich verlängert wurden.

Teller werden hydraulisch mit Stickstoffgemisch angehoben

Dafür musste der Untergrund entsprechend beschaffen sein. Feiner Kies wurde auf dem Boden der Bresche im Bahndamm verteilt, planiert, eingeebnet – erst dann konnten die Bahnen verlegt werden, in denen die Teller eingebettet waren, auf denen der Tunnel aufgebockt war. Diese Teller wurden hydraulisch angehoben, mit einem Stickstoffgemisch, „wie bei einem Luftkissenboot“, versuchte es Projektleiter Hans-Olaf Jähn bildlich zu erklären. Dabei entstand ein enormer Druck, der nicht entweichen durfte. Deshalb wurden zuvor Unebenheiten in den Verschubbahnen mit dem Schleifgerät beseitigt und ein spezielles Gemisch aufgetragen, das auch als Gleitmittel funktionierte.

Hektik und Zeitdruck würden da nur bedeuten, dass am Ende nicht alles perfekt sitzt, und Fehler will sich bei so einem Projekt niemand erlauben. Als Beobachter, der auf den großen Augenblick wartet, braucht man deshalb Geduld und kann sich das alles anschauen: wie im Licht großer Scheinwerfer der Kies mit einem langen Holz eben verteilt wird; wie der Kran die einzelnen Elemente der Verschubbahn auf dem Kiesbett ablegt, dann die Ketten einzieht, sie zwischen den Oberleitungen wieder ablässt, die Bahnen ein Stück weiter trägt, dann das Ganze noch einmal auf der anderen Seite der Oberleitungen; wie der Bagger, der den Kies zum Verteilen aufgeschüttet hat, bei der Feinjustierung hilft, um diese schweren Bahnen letztlich an ihren Zielort zu schieben.

Unterführung verbindet bestehende Fußwege

Das dauert, der Tunnel setzte sich erst zwei Stunden nach der anvisierten Uhrzeit in Bewegung. Das hielt einige Zaungäste nicht ab, sich außerhalb des Baustellenbereichs aufzuhalten. Einer war sowieso mit den Hunden unterwegs, ein anderer einfach interessiert und machte Fotos, als der Tunnel zu schweben begann.

„Das ist die schnellste Methode, sofern man den Platz dafür hat“, sagte Jähn zu dieser Vorgehensweise. Die Alternative zum Verschieben eines fertigen Bauteils sei der Zusammenbau der Tunnelelemente direkt an der Stelle, wo der Tunnel hin soll. Dafür hätte man aber eine Hilfsbrücke anfertigen müssen, das wäre eine sehr langfristige Angelegenheit gewesen.

Nachdem der Tunnel abgesetzt war, wurde noch ein Teil an die Ausfahrt Richtung Vilich-Müldorf angebaut. Die Unterführung verbindet zwei Fußwege, die es bereits gibt, und schafft so eine Verbindung zwischen Vilich- und Vilich-Müldorf abseits der Beueler Straße. Die soll auch irgendwann mal saniert werden, ob es dann eine Verbindung zwischen Straße und Weg geben wird, wusste Jähn nicht.

Über dem Tunnel wurde wieder der Bahndamm aufgeschüttet und das Gleis wieder verlegt, jetzt fahren die Züge darauf wieder. Die Streckensperrung wurde auch genutzt, um andere Arbeiten entlang der Strecke zu erledigen. Dazu gehörte der Umbau einer Feldwegbrücke, außerdem wurden Verankerungen für Lärmschutzwände in den Boden gerammt.