Bürgersolaranlage in Bonn

Fritz Pieper war dabei, als die erste Anlage in Betrieb genommen wurde

Fritz Pieper auf dem Dach des Beueler Bioladens Momo. 88 Solarplatten produzieren hier rund 18 000 Kilowattstunden Strom im Jahr. FOTO: HORST MÜLLER

Fritz Pieper auf dem Dach des Beueler Bioladens Momo. 88 Solarplatten produzieren hier rund 18.000 Kilowattstunden Strom im Jahr.

BONN. Zwei Kuhfiguren blicken mit großen Augen vom Dach des Beueler Bioladens Momo auf die Hans-Böckler-Straße. Was die Einkäufer vom Boden aus nicht sehen können: Eine Ebene darüber liegen 88 Solarplatten, die rund 18.000 Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren.

Fritz Pieper war maßgeblich daran beteiligt, als die Anlage 2011 als erstes Bürgersolarkraftwerk Bonns aufgebaut wurde. Der 48-Jährige hat Biologie und Wirtschaftswissenschaften studiert und arbeitet schon sein Leben lang in Berufen, die etwas mit Umweltschutz zu tun haben.

Momentan wohnt er in Beuel und ist Finanzberater in der Branche für nachhaltige, faire Investitionen. In seinem Engagement verbindet er das Fachwissen aus Wirtschaft und Biologie.

"Auch wenn es der deutschen Wirtschaft gut geht, in Europa sieht das anders aus", sagt er, "Wirtschaft ist kein Selbstläufer." Außerdem sei seit Jahren zu beobachten, wie sich das Klima erwärmt. Investitionen in Energieeffizienz lohnen sich laut Pieper so gleich doppelt.

Deshalb engagiert er sich seit 2008 bei Solar Solutions, einem Netzwerk für erneuerbare Energien, in der Ortsgruppe "Solarzelle Bonn". Dabei entstand damals die Idee, das Bürgersolarkraftwerk aufzubauen. Unter anderem Pieper organisierte 2010 eine Filmvorführung von "Die 4. Revolution", einem Dokumentarfilm über die Energiewende, in Bonn. Bei der anschließenden Diskussion fragte einer der Besucher: "Wieso machen wir das nicht selbst?"

Zusammen mit zwei Studenten der Alanus-Hochschule ging bald die Planung los. Das Ziel: "Wir wollen Energiewende selbst machen, in der Gemeinschaft mit anpacken." Zunächst ging es also darum, Mitstreiter zu finden. Nach einem Blick ins Solardachkataster traf man sich mit Interessenten im Bioladen.

"Dort standen sofort alle Türen offen", sagt Pieper. Alle Besucher seien von der Idee begeistert gewesen, inklusive dem Besitzer des Hauses an der Hans-Böckler-Straße. Er ist nun Betreiber der Anlage und trägt damit das unternehmerische Risiko. Die Planer holten Angebote ein, ließen das Dach sanieren, tauschten sich mit anderen Vereinen aus. Der Aufbau dauerte dann nur eine Woche.

"Die Motivation war nicht, reich zu werden, sondern etwas für die Energiewende zu tun", sagt Pieper. Maximal 5 000 Euro durfte jeder Teilhaber investieren. Ob es sich gelohnt hat? Laut Pieper schon: "Die Anlage produziert sogar etwas mehr als gedacht." 4,5 Prozent Zinsen bekommen die Investoren momentan ausgezahlt.

Einmal aufgebaut, ist eine Solaranlage auf dem Dach ein Selbstläufer: "Wir haben etwas ins Leben gerufen und jetzt lebt es", sagt Pieper. Der Bioladen nutzt den Strom für Kühlung und Beleuchtung fast alleine. Bleibt etwas übrig, wird der Rest, durch das EEG auf zwanzig Jahre garantiert, ins Netz eingespeist und vom Stromanbieter für rund 29 Cent die Kilowattstunde gekauft.

Neben dem Bioladen gibt es zwei weitere Bürgersolarkraftwerke auf Bonner Schuldächern und damit auf städtischen Gebäuden. "Das ist eine ganz andere Struktur", sagt Pieper dazu, "das Brett wäre mir zu dick." Trotzdem freut er sich darüber, dass die Anlagen weiter verbreitet werden: "Dass alles so gemeinschaftlich gemacht wird, ist der Kick daran - dann ist die Chance, andere anzustecken, am größten."

Wie gründe ich ein Bürgerkraftwerk?

Das sind laut Fritz Pieper die ersten Schritte:

  1. Drei bis fünf Mitstreiter für die Planung und Organisation suchen.
  2. Einen Dachgeber finden.
  3. Das Dach über das Solardachkataster prüfen. Der entsprechende Plan für Bonn ist online einsehbar unter stadtplan.bonn.de/solardachkataster.html
  4. Circa drei verschiedene Angebote für den Aufbau und eine eventuelle Sanierung einholen und auf Wirtschaftlichkeit prüfen.
  5. Geldgeber finden.