Nicht nur Orte für Trauer

Friedhöfe in Beuel sind stille Oasen mitten in der Stadt

Beuel. Friedhöfe sind mehr als nur Begräbnisstätten. Sind sind stille Oasen mitten in der Stadt - wie die Friedhöfe in Vilich, Oberkassel und am Platanenweg

Friedhöfe sind nicht nur Orte für Trauer und Besinnung, sondern sie sind immer auch wertvolle Ruheoasen und unersetzliche Grünanlagen inmitten der Stadt. Zusätzlich haben sie wichtige soziale, ökologische und klimatologische Funktionen. Sie spiegeln Kunst und Kultur längst vergangener Zeiten wider und tragen somit auch zur Identität einer Gesellschaft bei.

Anders als andere Großstädte leistet sich Bonn eine Vielzahl kleinerer Begräbnisstätten, damit Hinterbliebene ihre Angehörigen in der Nähe ihres Wohnortes bestatten lassen können. Mehr als 40 kommunale und weitere konfessionelle Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von rund 1,2 Millionen Quadratmetern und etwa 14.500 Bäumen gibt es in der Stadt. Elf davon befinden sich in Beuel. Einige stehen ganz oder teilweise unter Denkmalschutz, andere sind wegen der außergewöhnlichen Gestaltung der Gräber über die Grenzen der Bundesstadt hinaus bekannt.

Friedhof Vilich: Ein unersetzliches Abbild längst vergangener Zeiten ist der Friedhof Vilich. 1905 wurde in Schwarzrheindorf nahe der Kirche ein fränkisches Gräberfeld aus dem siebten Jahrhundert entdeckt. Der Friedhof an der Adelheidisstraße ist damit einer der ältesten christlichen Begräbnisplätze im Rechtsrheinischen.

Die Anlage befindet sich auf dem früheren Kirchberg des ehemaligen Benediktinerinnen-Klosters. Nach einer Karte von 1703 dehnte sich der Friedhof in Richtung Norden bis an das Ufer der Sieg aus, die östliche Begrenzung war der Burgweg, die heutige Adelheidisstraße. Bestattet wurden in Vilich auch Verstorbene aus Beuel, Combahn, Vilich-Rheindorf und Schwarzrheindorf, Pützchen und Geislar. Im 19. Jahrhundert erhielt die Begräbnisstätte eine Begrenzung aus Feldbrandziegel, in die alte Grabkreuze eingelassen wurden. Heute sind noch 243 Kreuze aus dem 16. bis 18. Jahrhundert vorhanden, auf dem ältesten ist die Jahreszahl 1590 zu erkennen. Der gesamte Friedhof steht unter Denkmalschutz.

Friedhof Oberkassel: Protestanten auf dem katholischen Friedhof? Das war im Oberkassel des 19. Jahrhunderts undenkbar. Damals gab es im Ort zwei Friedhöfe: Der Kirchhof von St. Cäcilia für die Katholiken sowie der Friedhof an der evangelischen Kapelle. In der Nähe seines Wohnhauses hatte der Oberkasseler Industrielle Gabriel Adrian ein Stück Land als Friedhof für Protestanten gestiftet. Von 1855 bis 1888 wurde dieses Feld für Begräbnisse genutzt, denn es gab einen Streit darüber, ob Protestanten auf dem katholischen Friedhof beigesetzt werden dürfen.

1888 kaufte die evangelische Kirchengemeinde das Grundstück an der Langemarckstraße für einen neuen Friedhof. Dieser wurde schließlich 1905 zum Gemeindefriedhof ernannt und die konfessionellen Begräbnisstätten im Ort geschlossen. Heute steht der Friedhof in Oberkassel teilweise unter Denkmalschutz. In der Mitte steht eine Kapelle von 1959. Viele bekannte Persönlichkeiten aus Oberkassel fanden dort ihre letzte Ruhe. Beispielsweise die Unternehmerfamilien Adrian, Hüser, Uhrmacher und Bleibtreu. Zudem gibt es die Gräber verschiedener Oberkasseler Pfarrer.

Friedhof Platanenweg: Nicht nur durch seine einzigartige Struktur, sondern vor allem durch die außergewöhnlichen Grabstätten ist der Friedhof Platanenweg weit über die Grenzen Bonns hinaus bekannt. Durch eine öffentliche Straße in einen größeren und einen kleiner Bereich eingeteilt, hat die Anlage jedoch vor allem wegen der aufwendig gestalteten Sinti- und Roma-Gräber Berühmtheit erlangt. Lebensgroße Porträts auf den Grabsteinen erinnern an den Verstorbenen und geben einen Einblick in sein Leben und seinen Wohlstand. Auch Blumenschmuck ist stets üppig vorhanden. Einzigartig ist das Grab des Sinti- und Roma-Königs Ferko Czori. Aus indischem Granit gestaltet spiegelt das Grabmal seine gesellschaftliche Stellung wider.

Eine lebensgroße Figur und seine Krone auf dem Podest halten die Erinnerung an ihn wach. Neben einer Andachtsbank gibt es einen Tisch und einen Sitzplatz. Denn schließlich muss die Seele, die nach dem Glauben der Familie nachts aus dem Grab kommt, einen Platz zum Essen und Trinken haben. Zudem bietet sein Grab Platz für ein Heiligenhäuschen mit einer Madonna. Die moderne Kapelle steht auf dem kleineren Teil des Friedhofs und stammt aus dem Jahr 1971. Neben den imposanten Sinti- und Roma-Gräbern hebt sich die Anlage am Beueler Platanenweg auch durch viele hohe Bäume ab.