Polizeipräsidium in Oberkassel

Flugrost ärgert Polizisten - Partikel von Bahntrasse gelangen ins Parkhaus

Direkt an der Bahntrasse gelegen: das Parkhaus des Polizeipräsidiums in Oberkassel.

BONN. Flugrost, der durch die nahe gelegene Bahntrasse in das Parkhaus neben dem Polizeipräsidium in Oberkassel eindringt, verärgert derzeit die Beamten der Bonner Behörde. Und zwar auf zweierlei Ebenen: So stelle sich die Frage, warum in Schienennähe ein offenes Parkhaus gebaut worden sei, sagt Udo Schott, Bonner Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit Blick auf den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, der als Eigentümer des Parkhauses für den Bau zuständig ist.

Hinzu komme, dass Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa beschlossen habe, dass die Dienstwagen der Polizei nur noch auf den Parkplätzen in den oberen Geschossen beziehungsweise auf den bahnabgewandten Plätzen stehen dürfen, ist auf der Internetseite der GdP zu lesen. Somit bleiben für die Privatfahrzeuge der Beamten jene Plätze übrig, auf denen das Flugrostrisiko höher ist.

Der Flugrost könne "unter bestimmten Bedingungen zu Lackschäden an geparkten Fahrzeugen führen", sagt Schott. Das größte Risiko bestehe bei Autos, die "länger unbewegt und an der Bahnseite des Parkhauses stehen". Es sei zu kritisieren, "dass der BLB NRW nach wie vor ein nicht betriebssicheres Parkhaus betreibt und dabei in Kauf nimmt, dass Dienst- und Privatfahrzeuge zu Schaden kommen".

Die Lösung des Problems ist laut Schott nicht die Umwidmung der Pakplätze: Man wünsche sich vom BLB "wirksame Initiativen" "zur Behebung des ursächlichen Problems durch entsprechende bauliche Maßnahmen am Parkhaus". Eine Plane, die der BLB aufgehängt hatte, um für Abhilfe zu sorgen, musste nämlich wieder abgenommen werden - aus Brandschutzgründen.

Man prüfe derzeit Alternativen "zum Schutz der Autos vor dem von der Bahn ausgehenden Flugrost", teilte ein BLB-Sprecher dem GA auf Anfrage mit. Zu bedenken sei, dass man Schutzmechanismen installieren und gleichzeitig weiterhin die natürliche Be- und Entlüftung gewährleisten müsse.

Eine Möglichkeit könnten metallische Gitter- oder Lamellenkonstruktionen sein, sagte der Sprecher. Die Planung müsse mit der Deutschen Bahn und dem Bauordnungsamt abgestimmt, ein Baugenehmigungsverfahren eingeleitet werden. Planung, Genehmigung und Ausschreibung "werden einen Zeitraum von circa zehn bis zwölf Monaten in Anspruch nehmen, so dass mit der Ausführung frühestens im Mai 2014 begonnen werden kann", erklärte der Sprecher. Zu den Kosten könne man zurzeit noch keine Angaben machen.

Fakt ist, dass der BLB bereits finanzielle Einbußen hat: Bis zur Umsetzung der Maßnahmen zum Schutz der Autos hat die Bonner Behörde seit dem 1. Februar die Miete für das Parkhaus gekürzt. Laut Polizei wurde dies seitens des BLB akzeptiert.

Dass der Flugrost tatsächlich Schaden anrichtet, hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt: Nach Auskunft der Polizei kam es durch die Partikel "vereinzelt zu Beschädigungen an den im Parkhaus geparkten Dienstwagen". Seit Mitte vergangenen Jahres - damals mussten die Planen beseitigt werden - seien keine neuen Schäden bekannt geworden. Man wolle das Problem nicht abwälzen.

"Private Pkw waren auch bisher einer Gefährdung durch Flugrost ausgesetzt", so die Behörde. Und weiter: "Wir prüfen derzeit alle möglichen Alternativen zur Vermeidung von Beschädigung an privaten Kfz durch Flugrost." Man sei sicher, eine Lösung zu finden, "die allen Belangen gerecht wird".

Flugrost
Die Bezeichnung Flugrost geht zurück auf feine Eisenstäube, die an der Luft rosten und sich auf Gegenständen niederschlagen. Sie entstanden beispielsweise am Bremssystem alter Eisenbahnen. Häufig kann man ihn mit einer einfachen Politur entfernen. Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte bei Autos allerdings auf Flugrostentferner zurückgegriffen werden.

Laut Wolfgang Partz vom TÜV Rheinland sollte Flugrost an neuen Wagen aber kein Thema mehr sein. "Viele Fahrzeuge sind verzinkt und rosten deswegen nicht mehr." Es sei somit unwahrscheinlich, dass die Polizeifahrzeuge durch den Flugrost geschädigt würden. Ein Problem allerdings sei die Verschmutzung der Autos durch den Abrieb, den die Eisenbahnen verursachen.