Vom Fahrradgeschäft zum Roller-Händler

Familienbetrieb Zweirad Kübler ist Kult seit 1948

Drei Generationen der Familie Kübler (v. l.): Stefan, Bernhard und Günther Kübler.

Drei Generationen der Familie Kübler (v. l.): Stefan, Bernhard und Günther Kübler.

BEUEL. Drei Brüder arbeiten im Unternehmen Zweirad Kübler. Die Eröffnung war 1948. Die vierte Generation des Familienbetriebs ist schon in Stellung gebracht.

1948 – es war ein aufregendes Jahr und eines, in dem die Weichen für die wirtschaftliche Zukunft des Nachkriegsdeutschlands gestellt wurden. Denn am 3. April 1948 unterzeichnete der US-Präsident Harry S. Truman den Marschallplan, der in den drei deutschen Westzonen in Kraft trat. 550 Millionen Dollar stellten die USA in Form von Krediten und Rohstoffen für den Wiederaufbau zur Verfügung.

Zwar sind die Folgen des Plans bis heute umstritten, aber ohne ihn hätte der Aufbau sicher länger gedauert. Und die Welt schaute auf Berlin. Die sowjetische Besatzungsmacht errichtete eine Blockade, um die Versorgung Westberlins über Autobahnen und Wasserstraßen zu verhindern. Woraufhin die Alliierten eine Luftbrücke errichteten, um die Stadt aus der Luft zu versorgen. In Deutschland herrschte Aufbruchsstimmung, Unternehmen nahmen wieder ihren Betrieb auf, neue Betriebe wurden eröffnet. So auch in Beuel, wo Paul Kübler 1948 sein Geschäft: Zweirad Kübler gründete. „Heute besteht der Betrieb bereits in der dritten Generation. Und die vierte ist auch schon auf dem Sprung“, sagt Bernhard Kübler. Der Firmengründer Paul Kübler reparierte und verkaufte Fahrräder und Nähmaschinen.

1958 wurde das Haus gebaut, in dem sich das Geschäft Zweirad Kübler bis heute befindet, nämlich an der Königswinterer Straße 1. „In den 50er Jahren hat mein Großvater dann auch Mopeds in das Sortiment aufgenommen. Und seit 1960 sind wir Vespa-Händler“, sagt Kübler. Der Roller der Firma Piaggio wurde im April 1946 als neues, innovatives Fahrzeug im Golfclub in Rom der Öffentlichkeit präsentiert. Die Vespa trug den Spitznamen „Paperino“ (Entchen). Anfang der 50er Jahre wurde die Vespa dann auch nördlich der Alpen verkauft. Seither hat es zig unterschiedliche Modelle gegeben, sie zählt wohl weltweit zu den bekanntesten und beliebtesten Rollertypen. „Und damals wie heute hat die Vespa eine Stahlblechkarosserie“, sagt Kübler. Die ersten Vespa-Clubs wurden bereits Ende der 40er Jahre gegründet, in Bonn war es 1958.

Im Januar 1974 übernahm dann Günther Kübler den Betrieb von seinem Vater. Seit 1993 ist Bernhard Kübler Chef. Auch seine beiden Brüder Werner und Günther sind im Traditionsbetrieb tätig. „Ich bin der Älteste, und für mich war die Übernahme des Betriebs eigentlich eine logische Sache. Denn ich hatte immer Freude an den Fahrzeugen und habe mich schon zu Kindertagen in Werkstatt und Geschäft aufgehalten“, sagt Kübler. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung, war fünf Jahre als Geselle tätig und hat schließlich die Meisterschule absolviert. Sohn Stefan will seinem Vater eines Tages nachfolgen.

„Für mich ist das Unternehmen Traditionsbetrieb und Hobby zugleich. Ich bin ein großer Vespa-Fan und mit den Fahrzeugen schon durch ganz Europa gefahren“, sagt der Geschäftsinhaber. Seit 1993 ist er Mitglied im Bonner Vespa-Club. „Damals trafen sich dort viele junge Leute, und es war eine Möglichkeit, gemeinsam rauszukommen und neue Regionen zu besuchen. Wir sind sogar bis nach Italien gefahren. Im Club haben sich Freundschaften geschlossen, die bis heute halten“, sagt Bernhard Kübler.

Die Vespa hatte zwar seit den 50er Jahren ihren Siegeszug durch Deutschland begonnen, aber es gab auch schwere Zeiten für Händler. „1984 kam der Einbruch. Da verkaufte sich der Roller nicht mehr gut. Ab Anfang der 90er ging es dann aber wieder stetig bergauf, und heute hat die Vespa Kultstatus“, sagt der Beueler.

Zweirad Kübler beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter. Der Roller diene vielen Fahrern als Transportmittel zur Arbeit oder in der Freizeit. Bernhard Kübler blickt deshalb optimistisch in die Zukunft: „Das Fahrzeug bleibt am Markt bestehen, und Handwerk hat goldenen Boden.“