Green Juice Festival

Familiäre Punkrock-Party

Pützchen. Das inzwischen neunte Green Juice Festival am Rande von Pützchen zog am Samstag rund 7000 bestens gelaunte Besucher an.

Ein Festival in einem Wohngebiet ist schon etwas Besonderes. Dass dies nun schon seit neun Jahren gut geht, fast schon ein Wunder. Und dass die Headliner immer größer werden, die Besucherzahlen beständig steigen und trotzdem das familiäre Flair bestehen bleibt, ist wahrscheinlich einzigartig. So etwas schafft wohl wirklich nur das Green Juice.

Am Samstag lockte das Festival wieder gut 7000 vorwiegend junge Menschen in den Beueler Norden, lud ein zu einer großen Punkrock-Party bei strahlendem Sonnenschein und sorgte einmal mehr für einen weiteren Höhepunkt der Bonner Open-Air-Saison.

Dabei nahmen die Besucher mitunter auch einen etwas längeren Anreiseweg in Kauf. Kein Wunder, immerhin spielten mit den Donots eine der derzeit populärsten Punk- und Alternative-Bands Deutschlands – und das für gerade einmal 13 Euro.

„Ich bin extra wegen dieser Band aus Leverkusen angereist“, sagte etwa Jörg Meyer. „Ich finde es auch gut, dass das Festival nicht so groß ist, dann spürt man wenigstens was. Die Atmosphäre ist großartig, die Musik klasse, was will man mehr?“ Eine Aussage, die viele gerne unterschrieben. „Man spürt, dass das Green Juice organisch gewachsen ist. Das macht es so charmant“, erklärte ein Mann, der sich als Raki vorstellte. „Ich bin zum ersten Mal hier, finde es aber super und unterstützenswert.“

Und auch Miriam Kreuser aus Mainz und Tabea Schlandt aus Koblenz, die schon im vergangenen Jahr extra für den Konzert-Marathon nach Beuel gekommen waren, zeigen sich begeistert. „Meiner Meinung nach ist das Line-Up besser als jemals zuvor. Einfach klasse“, sagte erstere.

Gerade für die Jugendlichen aus der Region erwies sich das Green Juice einmal mehr als Treff- und Partypunkt. Überall Cliquen und Horden, jung, enthusiastisch und in Feierlaune. Dem trugen die Bands denn auch Rechnung: Vor allem Schmutzki und Le Fly brachten die Menge zum Toben und Tanzen. Zugegeben, erstere blieben in ihrer Mischung aus Postpunk und wildem Indierock musikalisch überschaubar, besaßen aber nichts desto trotz ein Talent dafür, ihr Publikum in Ekstase zu versetzen.

Und Le Fly, die „Tanzmusikkapelle“ aus St. Pauli mit ihrem fantastischen Gute-Laune-Ska, erwies sich ebenso wie die zuvor herrlich kraftvoll aufspielenden Jungs von The Intersphere als perfekte Wegbereiter für die Donots. Deren Auftritt um 21.40 Uhr stand allerdings, unbemerkt vom Publikum, kurzzeitig auf der Kippe, da im nahe gelegenen Ennertbad eine automatische Warnanlage einen Gasalarm ausgelöst hatte.

Feuerwehr rückt nach Gasalarm zum Ennertbad aus

„Die Feuerwehr gab jedoch schnell Entwarnung, so dass wir problemlos unser Programm durchziehen konnten“, erzählte Pressesprecher Johannes Klockenbring am nächsten Morgen. Gut so: Immerhin war zu diesem Zeitpunkt die Stimmung auf dem Höhepunkt. 7000 verlangte es nach der finalen Dröhnung – und die Donots lieferten. Die Band um die Knollmann-Brüder Ingo und Guido bot krachenden Rock im Dauerfeuer, ließ die Menge im Takt springen, sah ein Meer aus Armen und nutzte zugleich die Gelegenheit, um so wie schon andere Bands zuvor ein deutliches Zeichen gegen Nazis zu setzen. Die Menge genoss – und blieb offenbar brav. Der Polizei lagen zumindest am Sonntagmorgen keine Meldungen vor.