Stadt kündigt Mietvertrag mit dem TSV

Fünf Monate kein Schulsport in Schwarzrheindorf

Achim Büsch in der Halle des TSV Bonn rrh. in Schwarz-Rheindorf.

Achim Büsch in der Halle des TSV Bonn rrh. in Schwarz-Rheindorf.

Schwarzrheindorf. Die Arnold-von-Wied-Schule in Schwarzrheindorf verzichtet auf Nutzung der Turnhalle des TSV Bonn-rechtsrheinisch wegen Baumängel. Doch die Marktschule in Pützchen nutzt sie ab Freitag.

Die TSV Bonn-rechtsrheinisch, Beuels größter Sportverein, hat die vereinseigene Halle in den vergangenen Jahren für mehr als 50.000 Euro sanieren und modernisieren lassen. Bis auf einige kleinere Arbeiten, die in diesem Jahr noch erledigt werden sollen, ist die Halle jetzt wieder voll belastbar: Täglich tummeln sich dort bis in die Abendstunden junge und ältere Vereinsmitglieder und treiben Sport. Der städtische Schulsport hat sich allerdings bereits im Sommer 2017 aus der Halle verabschiedet und den Mietvertrag gekündigt.

TSV-Vorsitzender Achim Büsch hat die schriftliche Kündigung überrascht: „Ich kann die Entscheidung des Sport- und Bäderamts nicht nachvollziehen – besonders vor dem Hintergrund, dass in Beuel mehrere Turnhallen wegen Reparaturarbeiten nicht zur Verfügung stehen und dadurch Schulen Probleme haben, einen ordnungsgemäßen Sportunterricht durchzuführen. Unsere Halle könnte Abhilfe schaffen.“

Bis zu den Sommerferien nutzte die Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Arnold-von-Wied-Schule montags und freitags die TSV-Turnhalle an der Stiftsstraße. Dafür zahlte die Stadt Bonn 5,59 Euro pro Unterrichtsstunde an den Verein. „Es geht uns wirklich nicht um die Mieteinnahmen. Wir können aber eine Halle anbieten, die die angespannte Sporthallensituation in Beuel entlasten würde“, so Büsch im Gespräch mit dem GA.

Größe der Turnhalle nicht ausreichend

Gefragt, warum die Stadt Bonn von der Hallennutzung Abstand genommen hat, antwortete das städtische Presseamt: „Die Schulleiterin der Arnold-von-Wied-Grundschule hatte sich im Mai 2017 an das Schulamt und das Sport- und Bäderamt gewandt und darauf hingewiesen, dass sie eine Durchführung des Sportunterrichtes in dem vereinseigenen Turnerheim des TSV Bonn aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel nicht weiter verantworten könne. Außerdem sei die Größe der Turnhalle für Lerngruppen bis zu 30 Kindern inklusive Kindern mit Förderbedarf im gemeinsamen Lernen nicht ausreichend.“

Deshalb habe die Notwendigkeit bestanden, den Schulsportunterricht der Arnold-von-Wied-Grundschule zu verlegen. In Zusammenarbeit mit dem Schulamt, der Realschule Beuel und der Arnold-von-Wied-Grundschule sei eine Lösung erarbeitet worden, wonach sich die Realschule und die Grundschule die Nutzung der Turnhalle der ehemaligen Anne-Frank-Schule und der „alten“ Turnhalle der Realschule jeweils teilten. „Beide Schulen müssen jeweils fahren“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Allerdings sagte die Stadt zu, dass die Sportverwaltung vor Ort prüfen werde, ob das vereinseigene Turnerheim der TSV Bonn-rechtsrheinisch künftig für schulsportliche Zwecke wieder genutzt werden könne. Dazu werde sie Gespräche mit dem Verein und den in Betracht kommenden Schulen führen. Voraussetzung sei jedoch, dass die baulichen Mängel im Turnerheim beseitigt würden.

Zu wenig Busse im Einsatz

Achim Büsch ist von einer Beschwerde bezüglich baulicher Mängel allerdings nichts bekannt: „Sicherlich gab es bei uns einige Stellen, die in die Jahre gekommen waren. Aber der Stadt war unser Sanierungsprogramm bekannt, zumal sie uns einen Baukostenzuschuss von 5300 Euro gewährt hat. Das ist mir völlig unverständlich.“

Mittlerweile ist die GGS Marktschule in Pützchen von sich aus aktiv geworden und hat die Halle in Schwarzrheindorf besichtigt. „Für uns ist das Turnerheim klasse und ausreichend“, erklärte Schulleiterin Sabine Brögger. Das habe sie auch dem Sport- und Bäderamt mitgeteilt. „Mit der Stadt haben wir gemeinsam schnell eine Lösung gefunden. Ab diesem Freitag steht uns die Halle zur Verfügung. Wir haben zwei Hallenzeiten bekommen, sechs hätten wir haben können. Das ist aber leider an dem erforderlichen Bustransport der Schüler gescheitert, weil nicht genug Busse zur Verfügung stehen“, sagte die Schulleiterin.

Die Turnhalle der Marktschule ist seit Ende des vergangenen Schuljahres (Sommerferien 2017) geschlossen. Der Fertigstellungstermin hat sich wiederholt verschoben, erst kürzlich noch einmal. „Derzeit kann die Stadt mir keinen Termin nennen. Das ist für uns eine ganz schwierige Situation. Wir haben keine eigene Halle für den Sportunterricht und können zudem keinen Schwimmunterricht anbieten, weil die Beueler Bütt wegen eines Schadenfalls für viele Monate geschlossen ist. Hätten wir vorher gewusst, dass wir so lange keine eigene Halle haben werden, hätten wir uns eine mittelfristige Lösung als Ausweichquartier gesucht“, erklärte Brögger.

In den vergangenen Monaten hätten die Lehrer den Schulhof, die Marktwiesen in Pützchen und den Ennert als alternative Sportstätten genutzt. Jetzt in den Wintermonaten könne die Marktschule Unterricht in der Gymnastikhalle in der Beueler Bütt durchführen und hat Übungszeiten in der Gottfried-Kinkel-Schule in Oberkassel von der Stadt zugewiesen bekommen. „Ganz aktuell hat uns jetzt auch noch das benachbarte St. Adelheid-Gymnasium geholfen. Dort können wir an fünf Tagen Hallenstunden nutzen“, so Brögger. Dadurch würde sich die Situation für die 16 Schulklassen einigermaßen entspannen.