Feuerwehrtraining

Erste Hilfe für Greifvögel

Die Schleiereule findet den Fotografen interessanter als Tierärztin, Falkner (2.v.l.) oder Wehrleute.

GEISLAR. Gleich mit fünf Fahrzeugen rückten die zwölf Mann von der Feuerwehrwache II bei Franz-Josef Becker in Geislar an. Diesmal ging es den Beuelern aber nicht darum zu helfen, sondern sich helfen lassen. Die Wehrleute informierten sich bei dem Falkner und Jäger über den richtigen Umgang mit verletzten oder kranken Greifvögeln.

Denn weil das Fahrzeug der Tierrettung bei der Beueler Wache stationiert ist, werden die Einsätze von dort aus gefahren. Und das passiert mehrmals täglich. "Gerade in den letzten Wochen sind wird auch oft zu verletzten Greifvögeln gerufen worden", sagt Brandoberinspektor Jan Horn.

Vor einiger Zeit hatten sie einen verletzten Turmfalken gerettet und wie üblich zu Becker in Pflege gebracht. Mit im Boot sitzt Tierärztin Elif Istemi, die den Vogel wenn nötig untersucht und behandelt.

Jetzt bat Horn den passionierten Greifvogelspezialisten um eine kleine Fortbildung für seine Leute: "Weil es so oft vorkommt, dass wir es mit Greifvögeln zu tun haben, ist es natürlich sinnvoll, mehr darüber zu wissen, wie wir schon Erste Hilfe leisten können." Es gebe wenige, aber wichtige Dinge, die man sich merken müsse, erklärte Tierärztin Istemi.

So solle man dem Tier nicht direkt in die Augen sehen, sondern an ihm vorbei und ihm dabei eine Decke oder Jacke überwerfen. So werde es quasi kampfunfähig und könne sich in der Dunkelheit beruhigen. "Falken können auch beißen, Bussarde und Habichte tun das nicht. Krähen schreien zwar fürchterlich, sind aber harmlos", führte Istemi weiter aus.

Und: "Wenn man das Tier an den Füßen gepackt hat, darf man es nicht auf den Rücken drehen, sonst kommt es zu gefährlichen Kreislaufstörungen. Am besten hält man das Tier aufrecht", so die Tierärztin.

Vor allem im Winter müsse das Tier warm gehalten werden. Denn wie alle Vögel haben auch Greifvögel kein Fettreserven, sondern brauchen Nahrung um Körperwärme zu produzieren. Das sei die wichtigste Erstversorgung, bis Becker das Tier übernehme.

Wie putzmuntere Greifvögel aussehen, zeigten den Wehrleuten anschließend die Waldohreule Alfia, die Schleiereule Krümel, der Wüstenbussard Harry sowie die Sakerfalken Schari und Diva. Mit ihnen geht er zur Jagd.

An den gesunden Tieren durften die Feuerwehrleute üben, einen Greifvogel zu halten. Hauptursache für verletzte und kranke Greifvögel sind Unfälle mit Autos, Flüge gegen Fenster, Vergiftungen oder auch Schussverletzungen.

"Im vergangenen Winter starben sehr viele Tiere, weil durch den vielen Schnee über eine lange Zeit keine Nahrung gefunden haben", sagt Becker. Seit 50 Jahren hat er als Falkner und Jäger Erfahrung und betreibt eine kleine Pflegestation für Greifvögel, ehrenamtlich genau wie das Engagement der Tierärztin.

Wer verletzte Greifvögel melden möchte, kann sich beim Falkner, Telefonnummer 01 73/9 51 86 94, melden.