Grundschule in Roleber

Elterntaxis sorgen für Verkehrschaos in Beuel

Roleber. Vor einem Jahr wurde extra eine Zone für Elterntaxis an der Grundschule "Om Berg" eingerichtet - doch sie wird kaum angenommen. Die Eltern fahren weiter in die Sackgasse hinein.

Joachim Haas kennt alle Ausreden aus dem Effeff. „Wir sind spät dran“, entschuldigt sich eine Mutter und lässt ihre sechsjährige Tochter direkt vor der Grundschule „Om Berg“ in Roleber aussteigen. Doch Haas, Verkehrssicherheitsberater der Bonner Polizei, lässt nicht locker und appelliert an die Autofahrerin. „Sehen Sie mal wie viele mit ihrem Pkw in die Pützhecke fahren, obwohl das eine Sackgasse ist“, argumentiert er.

Wer hineinfährt, der muss also auf dem gleichen Weg wieder hinaus. Das bedeutet, dass unzählige Autos rangieren, zurücksetzen und nahe am Bürgersteig entlang fahren. Schnell macht sich an diesem Morgen kurz vor Unterrichtsbeginn wieder das alltägliche Chaos breit: Vorne geht gar nichts mehr, von hinten blicken ungeduldig die ersten Scheinwerfer auf.

Dabei könnte die Verkehrssituation vor der städtischen Gemeinschaftsgrundschule in Beuel seit Monaten deutlich entspannter sein. Seit fast einem Jahr gibt es nur wenige Schritte vom Schultor entfernt im Veilchenweg die sogenannte Küss- und Tschüsszone. Dort sollen Eltern etwas abseits ihr Fahrzeug anhalten, ihre Kinder gefahrenlos ein- oder aussteigen lassen und weiterfahren. Damit die Schüler sicher die andere Straßenseite erreichen, wurde der Bordstein abgesenkt und als Orientierungshilfe markiert. Verkehrshelfer der Schule sowie Hauptkommissar Joachim Haas stehen am Straßenrand und geleiten die Kinder sicher auf die andere Seite. Die Einrichtung dieses speziellen Haltebereichs für Elterntaxis war allerdings mit viel Arbeit verbunden.

Schild am Straßenrand weist auf die Zone hin

„Die Planung ging über mehrere Monate. Gemeinsam mit dem Tiefbauamt, der Stadt, der Verkehrswacht und der Polizei haben wir unsere „Hol- und Bringzone Grundschule“ geplant“, erzählt Marisa Linnenbecker, Rektorin der GGS Om Berg, die an diesem eiskalten Morgen mit Mutter Islam Abuqaiyas den Lotsendienst übernommen hat. Jetzt steht eigens ein Schild am Straßenrand des Veilchenweges in Fahrtrichtung Siebengebirgsstraße, das es Autofahrern erlaubt, dort für einen kurzen Augenblick anzuhalten. „Wir hoffen, dass möglichst viele diese Elternhaltestelle nutzen und nicht mehr automatisch in die Sackgasse hineinfahren. Selbst diejenigen, die nicht auf das Auto verzichten können oder wollen, haben die Möglichkeit, ihre Kinder wenigstens ein Stück laufen zu lassen“, wünscht sich die Schulleiterin.

Doch noch fahren viele an der „Küss- und Tschüsszone“ vorbei direkt in die Pützhecke. „Das kann ich wirklich nicht verstehen“, schüttelt Daniela Behr den Kopf, als sie das Chaos vor der Schule betrachtet. Sie hält bereits seit Wochen an der neuen Elternhaltestelle. „Das ist nicht nur sehr praktisch, sondern vor allem sicher“, erklärt sie. Auch wenn Sohn Benjamin an diesem Morgen den obligatorischen Kuss verweigert. Anne Ballerstedt würde ebenfalls auf keinen Fall mehr bis zur Schule vorfahren. „Ich bin wirklich sehr zufrieden, dass Henk hier bequem und sicher aussteigen kann und von den Verkehrshelfern über die Straße geleitet wird“.

Mehr Freiraum für Kinder

Im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ hat die Stadt im April gemeinsam mit der Polizei, dem ADFC und anderen Institutionen einen Leitfaden zur Einrichtung von Hol- und Bringzonen an Bonner Schulen entwickelt. „Grundsätzlich gilt das Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege“, wonach Grundschulkinder nach Möglichkeit den Schulweg zu Fuß gehen sollten“, erklärt Markus Schmitz vom Presseamt. Dennoch gebe es an vielen Schulen Probleme mit den „Elterntaxis“. Mittlerweile hätten auch andere Schulen (unter anderem Astrid-Lindgren-Schule und die Servatiusschule) solche Haltebereiche eingerichtet.

„Eine einheitliche Beschilderung der Haltezonen soll den Wiedererkennungswert steigern und mit der Zeit dazu führen, dass diese Zonen zu den Hol- und Bringzeiten auch nicht mehr zugeparkt werden“, führt Schmitz weiter aus. Dazu wurde eine einheitliche Beschilderung stadtintern abgestimmt. Wichtig sei allerdings: „Die Einrichtung alleine reicht nicht aus, die Verkehrssituation zu verbessern. Der Leitfaden enthält deshalb Anregungen, wie die Elternschaft informiert und überzeugt werden kann. Am günstigsten ist es, wenn die Kinder selber nicht mehr direkt bis vor die Schule gefahren werden wollen“, erklärt Schmitz.