Kultur in Beuel

Eine Schule für Pop- und Rockmusik

Mehr Wertschätzung und Raum für Pop- und Rockmusik wünscht sich Popfarm-Geschäftsführer Michael Kernbach.

Mehr Wertschätzung und Raum für Pop- und Rockmusik wünscht sich Popfarm-Geschäftsführer Michael Kernbach.

BEUEL. Die Popfarm unterstützt Musiker auf ihrem Weg auf die Bühne und in die Selbstständigkeit.

Popmusik hat keine Lobby. So sieht es Michael Kernbach. Der digitale Wandel und Filesharing-Plattformen wie Napster im Internet haben die Branche im vergangenen Jahrzehnt ins Wanken gebracht. Wer als Musiker seinen Lebensunterhalt mit Pop und Rock bestreiten will, braucht heute ganz andere Voraussetzungen. Um Musiker zu unterstützen, haben er und seine Frau Anke Beuth 2007 in der ehemaligen Tapetenfabrik an der Auguststraße die Popfarm gegründet - eine Schule für Pop- und Rockmusik.

Was verbirgt sich hinter der Popfarm?

Die Popfarm ist eine Akademie für Künstler, die in der Musikbranche arbeiten wollen. Die Musikschule bietet in den Proberäumen in der ehemaligen Tapetenfabrik Einzelunterricht für Gesang, Gitarre, Bass, Klavier, Schlagzeug, Trompete und Saxofon an. Außerdem gibt es Workshops und Coachings für Bands. Ziel ist es aber, nicht nur Musikunterricht zu geben, sondern die von den Dozenten gemachten Erfahrungen in der Branche in all ihren Facetten weiterzugeben. Um auf eine freiberufliche Musikertätigkeit vorzubereiten, geht es auch um ganz praktische Fragen wie Akquise und Bewerbung, rechtliche Themen oder den Vertrieb. "Wir verstehen uns auch als Vernetzungsplattform für Musiker, bringen Bands zusammen oder vermitteln Bühnen, auf denen die Künstler auftreten können", sagt Mitgeschäftsführer Michael Kernbach.

Wer sind die Macher und was wollen sie?

Die Popfarm-Initiatoren haben selbst Erfolge in der Musikbranche vorzuweisen. Michael Kernbach begann seine Laufbahn als Autor und Bassist von Guildo Horn und ist unter anderem mit einem Echo, einem Bambi und mehreren Gold- und Platin-Platten ausgezeichnet. Anke Beuth ist Sängerin, Sprecherin, Autorin, Produzentin, Dozentin und Leiterin von musikalischen Projekten in Jugendeinrichtungen. Sie ist Stammmitglied der "RTL Allstars" und hat mit Künstlern wie Joe Cocker, Ronan Keating und Herbert Grönemeyer zusammengearbeitet. "Von diesen Erfahrungen sollen die Schüler profitieren", sagt Michael Kernbach.

Wie finanziert sich das Angebot?

Die Popfarm ist komplett privat finanziert. Einnahmen generiert sie über die Gebühren für den Unterricht. Zwar bewerbe sich die Schule auch für Förderprogramme und könne öffentliche Unterstützung gut gebrauchen, so Kernbach. "Gerade in Zeiten, wo gespart wird, ist es für uns auf der anderen Seite natürlich gut, dass man bei uns gar nichts kürzen kann."

Wer nutzt das Angebot?

Ob sechs oder 66 Jahre alt: Für den Zugang zur Popfarm gibt es keine Begrenzung. Derzeit werden rund 250 Musiker unterrichtet. "Jeder, der den Wunsch verspürt, Musik machen zu wollen, ist willkommen", sagt Kernbach. Und was für Musik das sein soll, bestimmt der Schüler selbst. "Wenn jemand so Gitarrespielen können möchte, wie Metallica, dann ist das unser Ziel." Denn jede Art von Musik brauche dasselbe Handwerkszeug. "Ob ich anhand von Etüden übe oder anhand eines Metallica-Lieds ist dabei ganz egal."

Woran hapert es?

"Ich vermisse auch in Bonn das Engagement für die Popmusik", sagt Kernbach. Für die junge und freie Szene gebe es kein nachhaltiges Konzept. Zwar hat die Stadt inzwischen einen Beauftragten für Rock- und Popmusik im Kulturamt installiert. Doch der verfüge über keinerlei Budget und sei daher ein "König ohne Land".

 

Beueler Treff am Montag

Um die Zukunft der Beueler Kultureinrichtungen geht es beim GA-Dialog "Beueler Treff" am Montag, 1. Dezember. Die Podiumsdiskussion beginnt um 19 Uhr im großen Saal der Brotfabrik, Kreuzstraße 16. Der Eintritt ist frei.

Auf dem Podium werden diskutieren: Moritz Seibert, Intendant Junges Theater, Brotfabrik-Geschäftsführer Jürgen Becker, Sigrid Limprecht vom Traumpalast, Claus Overkamp vom Theater Marabu, Michael Kernbach von der Popfarm und Kulturdezernent Martin Schumacher. Moderiert wird die Veranstaltung von GA-Redakteur Holger Willcke.

Mit Blick auf die Diskussion stellt der GA in einer Serie Beueler Kulturstätten und Kulturschaffende vor.