Denkmäler in Beuel

Ein Zuhause für Beuels Geschichte - Heimatmuseum besticht mit Fachwerkromantik

Lieblingsplatz: Unter der alten Linde im Innenhof genießt Museumsleiter Hans Lennarz eine kurze Auszeit. FOTO: MAX MALSCH

Lieblingsplatz: Unter der alten Linde im Innenhof genießt Museumsleiter Hans Lennarz eine kurze Auszeit.

BEUEL. Wer kennt nicht das Heimatmuseum mitten in Beuel an der Hermannstraße. Genauer gesagt zwischen Hermannstraße, Steinerstraße und Wagnergasse. Ein schöneres Häuserensemble kann man sich für ein solches Museum fast nicht vorstellen. Backsteine und Fachwerk dominieren, ein großes Schild, wie an einem Bahnhof, weist von außen darauf hin, was drinne ist: das Heimatmuseum des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein.

Am 7. Juni 1986 wurde das Museum in dem ältesten noch stehenden Fachwerkhaus Beuels in der Wagnergasse 2, ehemals Steinerstraße 36, eröffnet. Heute liegt dieses Haus, vom Eingangstor des Areals aus betrachtet, hinten links. Rechts davon befindet sich die alte Scheune, vorne rechts ein altes Backsteinhaus. Links vom Eingang wurde das Verwaltungsgebäude gebaut; davon links findet man Schuppen mit Stallungen und alten Gewerken. Die Mitte der Anlage ist geprägt durch eine alte Linde, im Sommer ein willkommener Schattenspender.

Das alte Fachwerkhaus, das erste dieser Anlage, das unter Denkmalschutz gestellt wurde, wird urkundlich erstmals 1726 erwähnt. In ihm können die Besucher sehen, wie man in vergangenen Zeiten gelebt hat, und man kann nur erahnen, wie klein die Menschen damals gewesen sein müssen.

Küche, Schlafstube und die "gute Stube", wie man das Wohnzimmer früher genannt hatte, sind so erhalten, als wären die Bewohner erst vor Kurzem ausgezogen. Eine Frisierstube, Spielsachen der Kinder und die Schulstube sind circa 100 Jahre alt. Der ein oder andere mag sich noch an solche Schulbänke erinnern.

"Dieses Haus", berichtet Museumsleiter Hans Lennarz, "ist das einzige Haus im Beueler Bereich, das das Hochwasser 1784 überlebt hat." Pegelstand damals: über 14 Meter oder Oberkante Eingangstür in dieses Haus. Weitaus höher als bei den Hochwassern in den 90er Jahren. Das Haus habe nur deshalb überlebt, weil es eine Grundmauer aus Stein hatte. "Wer solch ein Haus hatte, der war steinreich" - so erklärt Lennarz die Redensart "steinreich".

Haus urkundlich erstmals 1726 erwähnt

Dass dieses Haus und somit die gesamte Anlage überhaupt erhalten geblieben ist, ist Dieter Haese zu verdanken, einem ehemaligen Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins. Er schaffte es, das Ensemble unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Damit verlor das benachbarte St.-Josef-Krankenhaus jegliches Interesse, dieses Eckgrundstück zu erwerben.

Es wird vermutet, so Lennarz weiter, dass sich eine Scheune an das Gebäude anschloss, die damals weggespült wurde. Heute beherbergt eine Scheune, die aus dem Jahr 1662 stammt und die in Wachtberg zu Hause war, die Exponate der wirtschaftlichen Anfänge.

Wäscherei, Fischerei, Schifffahrt, alles typisch für Beuel, sind hier zu Hause. Geschickt ist in diese Scheune ein Zwischenboden eingezogen, der auf Trägern gelagert ist, so dass man sich die Informationen sowie Sonderausstellungen auf zwei Etagen anschauen kann. Der findige Architekt hierzu war der Bonner Ernst van Dorp. Die Scheune findet so viel Anklang, dass hier auch standesamtlich geheiratet wird.

Das Hochwasser 1784 als einziges Gebäude in Beuel überstanden

Das Backsteinhaus, ein Feldbrandziegelbau, ist das zweite Gebäude dieses Ensembles, das unter Denkmalschutz steht. Es stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde dem Heimatmuseum am 15. September 1989 renoviert von der Stadt Bonn zur Verfügung gestellt. In ihm wird die geschichtliche Entwicklung des Beueler Raumes von der Vorgeschichte bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre 1969 dargestellt, als Beuel Stadtbezirk von Bonn wurde.

Das Heimatmuseum, Wagnergasse 2-4, ist mittwochs, samstags und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 0228/47 08 53) geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos auf www.hgv-beuel.de