Denkmäler in Beuel

Ein Palais im Dorf Combahn

Beuel. Wenn man über Denkmäler in Beuel schreibt, dann kommt man an bestimmter Literatur nicht vorbei. Schreibt man über das Haus Mehlem nahe dem Beueler Rheinufer, dann gehört das Werk "Das Mehlem'sche Haus in Beuel", ein Gemeinschaftswerk von Johannes Bücher, Ruth Hieronymi, Helmut Hahn und Diethard Wucher, zur Pflichtlektüre.

Außerdem ist ein Gespräch mit Carl J. Bachem, dem Vorsitzenden des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch ein Muss. Bachem zuhören heißt, von Bachem lernen. Beim Mehlem'schen Haus gilt das im Besonderen. Denn sein Verein ist 1975 unter dem Namen "Verein Haus Mehlem" eigens zur Rettung eben dieses Bauwerks gegründet worden, womit der Bogen zwischen beiden geschlagen wäre.

Seit 1979 präsentiert sich das Haus Mehlem in der Rheinaustraße, südlich der Kennedybrücke, in seiner vollen Pracht als eines der schönsten Häuser in Beuel - ein Palais im ehemaligen Dorf Combahn. Dem Verein Haus Mehlem ist es zu verdanken, dass sich das Gebäude heute derart repräsentativ zeigt. Denn jahrelang ließ man es mehr oder weniger verfallen.

Die Stadt Bonn hatte es bereits 1917 erworben, weil sie schon damals an eine Verbreiterung der Brücke dachte und das Haus im Weg stand. In den 1960er Jahren spielte man sogar mit dem Gedanken, es abzureißen. Schließlich half nur eine Kernsanierung. Um das Haus überhaupt noch nutzen zu können, mussten neue Zwischendecken aus Beton gegossen werden. Der Keller und die kompletten Außenmauern sind original geblieben, auch am Treppenhaus wurde kaum etwas verändert.

Haus Mehlem wurde erst 2007 in die Denkmalliste aufgenommen

Dennoch dauerte es bis 2007, bevor das Haus in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Heute dient es als Beueler Standort der städtischen Musikschule. Im südlichen der beiden Torbogen steht die Jahreszahl 1785. Sie wird deshalb in der Literatur als das Jahr der Grundsteinlegung gedeutet. Bachem ist hier allerdings ganz anderer Meinung: "Im Jahre 1784 war ein Jahrtausendhochwasser, dem sämtliche rheinnahen Häuser zum Opfer gefallen sind, alles kleine Fachwerkbauten.

Darunter waren sicher auch die Wirtschaftsgebäude der Familie Mehlem, nicht aber das aus Ziegelstein gemauerte Mehlem'sche Wohnhaus. Anschließend, wohl 1785, sind die Stallungen und Lager neu errichtet worden und in diesem Zuge auch die beiden Torbogen. Das Wohnhaus dagegen stand damals bereits seit 30 Jahren." Der angebliche Bauherr von 1785, Johannes Paul Mehlem, war beim Hochwasser schon mehrere Jahre tot, wie seine Vilicher Grabplatte bezeugt, die heute an der Hauswand steht.

Nahe liegt vielmehr die Annahme, dass Mehlem mit seiner Frau Elisabeth das Haus bei ihrer Hochzeit 1747 erbaut hat. Zudem zieht Bachem zur Begründung einen baustilistischen Vergleich mit dem Fürstenbergischen und dem Metternichschen Palais, das bis zum Brückenbau das gegenüberliegende Ufer schmückte. Für Bachem gibt es an einem Baujahr "um 1750" keinerlei Zweifel.

Paul Mehlem hatte mit der Einheirat in die Familie Stammel eine "Lizenz zum Gelddrucken", wie man heutzutage sagen würde, erworben. Denn der Schwiegervater war Inhaber der Fährrechte über den Rhein. Er war der Meister der "Fliegenden Brücke", also der Gierseilfähre zwischen Bonn und Combahn. Diese ist vergleichbar mit der Fähre, die heutzutage noch zwischen Geislar und Bergheim auf der Sieg verkehrt. Nur war ihr Gierseil nicht wie an der Sieg über den Fluss gespannt, sondern strömungsparallel im Rheinbett verankert. Auf der Beueler Fähre konnten auch Fuhrwerke übergesetzt werden.

Drei Etagen mit sechs Zimmern

Im Mehlem'schen Haus gab es auf drei Etagen jeweils sechs Zimmer, hinzu kam ein ausgebautes Dachgeschoss. Reichlich Platz nicht nur für eine Familie mit 13 Kindern, die alle ohne Nachkommen starben, sondern auch für Vermietungszwecke. 1843 bezog Johann Wilhelm Windgassen, der Gründer der Friedrich-Wilhelms-Hütte bei Troisdorf, das Haus. Auch der Fabrikant und Gründer einer Teerproduktionsanlage in Beuel, August Wilhelm Andernach, lebte hier.

Für Bonner Studenten war das Haus ebenfalls ein beliebtes Quartier. Wie eine Tafel im Eingangsbereich bezeugt, war Percy Gothein darunter, Humanist und Schüler von Stefan George. Was jedoch nicht ausgewiesen ist, wovon Carl J. Bachem jedoch überzeugt ist: Heinrich Heine soll hier als Student gelebt haben. "Wo sonst auf der rechten Rheinseite?", fragt Bachem. "Es gab in der ärmlichen Umgebung kein vergleichbares Quartier."

Wenn man das Haus betritt, fallen die hohen Decken und das großzügige Treppenhaus mit dem original kunstschmiedeeisernen Barockgeländer sofort auf. Auch wenn die Fußböden mit Holz belegt sind, geben sie nicht die Geräusche alter Holzdecken von sich. Die Treppe hingegen knarrt, wie man es von alten Holztreppen her kennt. Einfach herrlich, nicht nur der Anblick, sondern auch die Akustik.

Wer das Haus einmal genauer betrachtet hat, der muss einfach all jenen Dank sagen, die sich um den Erhalt eines solchen Schmuckstücks in Beuel verdient gemacht haben.