Friedhof Platanenweg

Ein Mausoleum für den Clan-Chef

BEUEL. Dass an Allerheiligen viele Menschen auf den Friedhöfen ihrer verstorbenen Familienmitglieder und Freunde gedenken, ist nichts Außergewöhnliches. Auf dem Friedhof Platanenweg in Beuel findet jedoch an diesem Gedenktag immer etwas ganz Besonderes statt.

Alljährlich treffen sich am 1. November Roma-Familien, um an den Gräbern ihrer Familienmitglieder würdevoll zu feiern und ihnen die Dinge mitzubringen, die für sie zeitlebens eine wichtige Rolle gespielt haben - und das kann dann auch schon mal eine Zigarre sein.

In diesem Jahr wird nach längerer Zeit wieder einmal ein Mausoleum für einen Clan-Chef feierlich eingeweiht. Die Roma-Familie Goman aus Köln hat vor Monaten für den 2013 im Alter von nur 55 Jahren verstorbenen Josef Goman beim Steinmetzbetrieb Naundorf und Krautien GmbH ein Mausoleum für das Familienoberhaupt in Auftrag gegeben. Dieser Beueler Fachbetrieb, der seinen Sitz direkt neben dem Friedhof hat, hat sich in den vergangenen 50 Jahren auf die Anfertigung solcher Gedenkstätten spezialisiert.

Der Entwurf für das 2,50 Meter hohe Mausoleum stammt von der Familie Goman. Danach wurden vier Säulen, ein Dach und eine Rückwand aus indischem Granit gebaut. "Die Rückwand ziert ein Ganzkörperporträt von Josef Goman - mit Rolex-Uhr und Brillantring. Die künstlerische Ausgestaltung wurde von Michael Keuer übernommen", sagte Steinmetz Michael Naundorf. Vier Wochen Arbeit stecken in dem tonnenschweren Mausoleum. Nach Auskunft von Naundorf haben die Mausoleen nichts mit Protz und Prunk zu tun: "Roma wollen ihren Verstorbenen damit etwas Gutes tun, damit sie sich auch nach dem Tode wohlfühlen. Sie haben eine ganz andere Grabkultur als wir."

1997 fand die bislang größte Bestattungsfeier der Roma auf dem Friedhof Platanenweg statt. Mehr als 1000 Gäste nahmen damals an der Beisetzung des "Roma-Königs" Ferko Czori teil. Sein anschließend angefertigtes Mausoleum ist das größte seiner Art in Beuel. 25 Tonnen indischen Granits wurden seinerzeit dafür verarbeitet.

Ein Künstler fertigte damals eine überlebensgroße Statue von Ferko Czori mit Stock und Hut an, die heute noch auf dem Grab zu sehen ist. Czori war ein vielbeachtetes und verehrtes Familienoberhaupt. Sein Grab spiegelt diese gesellschaftliche Stellung wider. Er ruht auf einer mehr als 100 Quadratmeter großen Fläche. Schon Ferkos Vater und sein Bruder sind direkt neben dem Haupteingang des Friedhofs begraben worden. Jedes Jahr reist sein Clan an Allerheiligen aus Mülheim an der Ruhr an und trifft sich am Grab von Czori.