Wissenschaftsredakteur beim WDR

Ein Job mit Folgen bis ins Privatleben

Achtet auf gesundes Essen und liebt Fußball: Wissenschaftsredakteur Lorenz S. Beckhardt im Beueler Biobistro Momo.

Bonn. Ein Frühstück mit Lorenz S. Beckhardt in Momos Biobistro in Beuel. Der 51-jährige Beueler arbeitet beim WDR unter anderem für Quarks & Co.

Wer an Quarks & Co denkt, hat Ranga Yogeshwar vor Augen. Der Hennefer ist der Frontmann der beliebten Wissenschaftssendung. Doch hinter den Kulissen der Sendung erklären bei Quarks & Co auch einige Bonner Wunder aus Technik und Wissenschaft. Darunter sind Autoren, aber auch Redakteure wie der in Beuel lebende Chemiker Lorenz S. Beckhardt.

Lorenz S. Beckhardt: Als Programmgruppe Wissenschaft und Umwelt betreuen wir verschiedene Sendungen. Quarks & Co ist das Flaggschiff. Hinzu kommen aber auch noch W wie Wissen, Kopfball oder Nano.

Der 51-jährige Beckhardt arbeitet schon seit 20 Jahren beim WDR, seit sieben Jahren für Quarks & Co. Nach seinem Chemiestudium in Bonn hatte der gebürtige Wiesbadener zunächst zehn Jahre als Reporter beim Morgenmagazin gearbeitet.

Beckhardt: Auch damals haben schon Wissenschaftsthemen eine Rolle gespielt. Aber eben nicht in diesem Maße.

Auch viele seiner Kollegen bei Quarks & Co haben Naturwissenschaften studiert, sind Biologen. Physiker oder Chemiker wie Beckhardt. Aber eben auch Journalisten. Sie kennen sich aus, mit den Inhalten, aber auch mit der fernsehgerechten Aufarbeitung von Wissenschaftsthemen.

Beckhardt: Gegen Ende des Studiums ist mir peu à peu klar geworden, dass ich nicht in die Industrie gehen wollte. Und außerdem habe ich immer gerne geschrieben.

Also macht er sich fieberhaft auf die Suche nach einem Praktikumsplatz, um Arbeitsproben vorweisen zu können. Als er den Gedanken fast schon wieder beerdigt hatte, kam Post von Radio Bremen. Dort war ein Praktikant kurzfristig abgesprungen. Schicksal für Lorenz S. Beckhardt, der sich in Momos Biobistro in Beuel Butter auf sein Brötchen schmiert. Neben dem Teller liegt das Handy, darauf ein Aufkleber von Eintracht Frankfurt. In seiner Freizeit kickt der Dauerkarteninhaber, der nach dem Volontariat bei der Deutschen Welle beim WDR landete, auch selbst.

Beckhardt: Der WDR, das war immer mein Traum. Und das ist auch heute noch klasse. Mit dem Bildungsfernsehen, das wir machen, stehen wir im Zentrum des Programmauftrags. Es ist außerdem auch so, dass man selbst immer noch viel lernt.

Spannend, wenn er erzählt, dass sich die Zuschauer von Quarks & Co noch mal deutlich von den im Vergleich jüngeren Freunden auf Facebook unterscheiden, die Sendung zwar immer über dem WDR-Schnitt liegt, was die Quote bei den 30- bis 40-Jährigen angeht, aber eben beileibe kein Kinderprogramm ist. Vier Sendungen für Quarks & Co verantwortet Beckhardt im Jahr plus zahlreiche für die anderen Wissenschaftsformate.

Zwei bis drei Monate vergehen von der Idee bis zur fertigen Quarks-Sendung. Wie alle anderen muss Beckhardt seine Themenideen zunächst in einer Konferenz anpreisen. Die Runde wählt drei mal im Jahr aus, was umgesetzt wird. Manche Themen wie den Vulkanpark Eifel muss Beckhardt auf Wiedervorlage legen, bis sie sich durchsetzen. Nach einem Betriebsausflug dorthin hat die Eifel inklusive ihrer Vulkane bessere Chancen. Nun folgt das Brainstorming mit den freien Autoren.

Beckhardt: Viele von ihnen leben in Bonn, ein halbes Dutzend bestimmt, eher sogar ein Dutzend.

Sein Lieblingsthema? Da kann Beckhardt sein zweites Hobby neben dem Fußball und den Beruf verbinden. Der Mann trinkt gerne Wein - und manchmal berichtet er auch darüber.

Kein Wunder also, dass seine Sendung über Wein zu den vielgesehenen zählt. Ganz anders die Folge im Frühjahr über Verbrechen. Was sonst als Quotenbringer gilt, ist bei Quarks & Co ein Flop. Hier will das Publikum eben etwas anderes. Und auch der Redakteur zehrt von anderen Themen, die ihm unvergessliche Erlebnisse einbrachten. Wie den Besuch mit Ranga Yogeshwar bei Forschern des Alfred-Wegener-Instituts in der Arktis. Religion. Organtransplantation oder Ernährung - die Bandbreite bei Quarks & Co, seit 20 Jahren auf Sendung, ist riesig. Und manchmal hat der Job für Beckhardt und seine Frau Folgen bis ins Privatleben.

Beckhardt: Wer Sendungen "Wie rund um das Schwein" gemacht hat, der achtet auf die Qualität von Nahrungsmitteln. Da kann man gar nicht mehr anders.

Quarks & Co feiert

Unter dem Motto "20 Jahre - 20 Sendungen - eine Nacht" zeigt das Team der wohl bekanntesten Wissenschaftssendung im deutschen Fernsehen am heutigen Samstag ab 23.30 Uhr im WDR eine Zeitreise durch die eigene Geschichte. In acht Stunden sehen die Fans aus jedem der 20 Jahre eine Sendung, die besonders gewesen ist, in einer gekürzten Fassung. Da geht es um den Kölner Dom, aber auch um Elektrosmog.