Sarwahn Singh Dhinsa ist Bonns ältester Bürger

Ein Freiheitskämpfer wird 107

BEUEL. In den 1940er Jahren war Sarwahn Singh Dhinsa Freiheitskämpfer für sein Vaterland Indien, 1970 ging er in Rente, seit April lebt er in Bonn. Seinen 107. Geburtstag feierte er vergangenen Dienstag, im engen Familienkreis in Limperich. Damit ist er zurzeit der älteste Bonner Bürger.

Als Dhinsa am 10. Dezember 1906 in der nordindischen Provinz Panjab geboren wurde, war die Welt noch eine ganz andere. "In unserem kleinen Dorf gab es keinen Strom, keine befestigten Straßen und erst recht keine Autos", erzählt er. Als einer der wenigen lernte er in einem Sikh-Tempel Lesen und Schreiben. Damals kritzelte er noch mit den Finger Zahlen und Buchstaben in den Sand. Als junger Mann wollte Dhinsa seinem Vater nacheifern: Der war Polizist und für vier Direktionen im chinesischen Shanghai verantwortlich. Die Kolonialmacht England rekrutierte ihre Ordnungshüter aus der indischen Bevölkerung. Und so kam auch Sarwahn Singh Dhinsa 1936 nach China und wurde Polizist. Während er und sein Vater im Ausland waren, blieb die Familie in Indien und bewirtschaftete den eigenen Bauernhof.

Die Liebe zu seinem Vaterland blieb dennoch erhalten. Als sich das indische Volk während des Zweiten Weltkriegs gegen die englische Besatzung auflehnte, trat er einer Gruppe von Freiheitskämpfern bei, der "Azad Hind Fauj". "Wir verweigerten unseren Dienst und stellten uns gegen die Engländer, auch in China", sagt Dhinsa. Mit den Japanern kämpften die Soldaten Seite an Seite gegen die Engländer. 1945 kehrte er nach Hause zurück. In seinem Land gingen die Menschen für ihre Freiheit auf die Straße, oft wurde die Proteste mit Gewalt niedergeschlagen. Als sich die Kolonialmacht 1947 zurückzog, wurde von Indien das muslimische geprägte Pakistan abgespalten. "Das war ein kompliziertes Gefühl, zwar hatten wir unsere Freiheit gewonnenen, aber unsere vorherigen Brüder waren plötzlich Feinde geworden", erzählt Sarwan Singh Dhinsa.

Von da an baute er als Ausbilder die Polizei auf und trainierte mit dem Nachwuchs täglich in verschiedenen Dörfern. "Deshalb bin ich heute so alt." Noch heute versucht er sich so fit wie möglich zu halten. "Er ist schwach geworden, ist aber trotzdem motiviert", sagt sein 56-jähriger Sohn Sukhdev Singh Dhinsa. Im Ruhestand las er den Alten auf dem Dorfplatz aus der Zeitung vor und führte die Geschäfte des eigenen Hofes. Bis 2012 reiste er noch jedes Jahr zu seinen Kindern in New York, London und Bonn. "Das ist nun zu anstrengend, deshalb verbringt er seinen Lebensabend nun hier, auch wegen des Klimas", sagt sein Sohn, der sich mit seiner Frau, vier Enkeln und einer Nichte um ihn kümmert. Die Zeitung liest er noch immer täglich.