14. Deutsche Meisterschaft der Männerballette

Durchtrainierte Männer auf Beueler Bühne

Die Sieger im Ring: Die Tornados erfüllen bei ihrer artistischen Aufführung alle Kriterien der Jury.

Die Sieger im Ring: Die Tornados erfüllen bei ihrer artistischen Aufführung alle Kriterien der Jury.

Beuel. Wenn Männerballette auftreten, hat dies so gar nichts mit rosafarbenen Tutus zu tun. Im Gegenteil: die Kerler sind richtig durchtrainiert. Wie bei der fast ausverkauften Deutschen Meisterschaft im Brückenforum.

„Wir bewerten die Präsentation, das Kostüm, das Make-up. Dann natürlich die Ausführung. Halten die Männer die Linie? Wie sieht die Choreographie aus?“, sagte Oliver Noweck, Vorsitzender der Jury, die am Wochenende die Tornados aus Weiler bei Bingen mit ihrer Show „Let's get ready to rumble“ zum Deutschen Meister des Männerballetts gekürt hat. Für den Juror und ehemaligen Europameister im Gardetanz waren auch Kraft und Technik sowie Kreativität, Humor und Originalität der Tornados mitentscheidend für ihren verdienten Sieg.

Alle Kriterien der Jury konnten die Tornados unter den 285 tanzenden Männern, die sich am Wochenende auf der Bühne des Brückenforums zwei Tage lang in 22 Formationen um den Meistertitel des Bonner Bundesverbands Deutscher Männerballette (BvDM e.V.) beworben hatten, für sich entscheiden. Schon die von den Juroren verwendeten Begriffe „Dreh- und Sprungvermögen“, „Balance“, „Schritttechnik“ oder „Flexibilität“ lassen die gängige Vorstellung von sich betont albern gebenden Männern in rosafarbenen Tutus schnell vergessen.

Alles was an Vorurteilen zum Thema „Männerballett“ einer Bestätigung standhalten könnte, ist nur noch in wenigen Namen von Tanztruppen wiederzufinden, die meist auf ihre Entstehung in Karnevalsvereinen zurückzuführen sind.

So traten an diesem Wochenende zwar Flotte Hosen, Bordsteinschwälbchen oder auch Schneeflöckchen auf, bildeten in ihrer Namensgebung jedoch eher die Ausnahme. Männerballette wie The Wild Boys, die Flying Energies oder eben die Tornados verrieten schon eher, warum das Beueler Brückenforum an zwei Tagen nahezu ausverkauft war und es sich bei den wenigen Männern im eher jungen weiblichen Publikum meist um auftretende Tänzer handelte.

Mit ihrer Präzision, Kraft und Dynamik überraschten die meisten Ballette ihr Publikum. Mit dem ursprünglichen Tanz von Männern in Frauenkleidern hatten die Wettbewerber also nichts mehr gemein. „Die meisten Männer bei uns tanzen schon seit ihrer Kindheit“, sagte Bärbel Habermann, eine von vier Trainerinnen und Choreographinnen, die mit den Tornados arbeiten.

„Die Akrobatik ist ein wichtiger Teil für unsere Jungs.“ Das bestätigte auch der 25-jährige Student David Stipp, der seit 16 Jahren bei den Tornados tanzt, die dem Weiler Carneval Verein (WCV) angehören. „Die Jungs sind alle sehr ehrgeizig und stehen den Mädchen in nichts nach“, sagte Habermann. „Es geht den meisten um Leistung, Akrobatik und Kraftsport.“ Arno Schatz erinnerte sich: „Niveauloses Rumgehopse wurde mal zu dem Sport gesagt“. Heute sei das ein Sport für durchtrainierte Männer, so der Erste Vorsitzende des Bonner BvDM.

Maria, Lea und Madeleine waren für ein Wochenende aus Leipzig nach Bonn gekommen und sind selbst aktive Tänzerinnen. „Für uns ist das hier alles recht locker“, sagte Lea und vermutete, dass ihr Verband, der Bund Deutscher Karneval (BDK), bei einer solchen Veranstaltung vielleicht ein härteres Regelwerk gehabt hätte. Eine Sitznachbarin schaltet sich ein und rief übermütig: „Aber es sind tolle Männer dabei!“

In den vergangenen Jahren fan die Meisterschaft immer anlässlich der Karnevalsmesse am Telekom Dome statt. Da aber längere Zeit nicht klar war, ob die Messe in diesem Jahr stattfinden würde, hatten die Organisatoren der Meisterschaft sich mit dem Brückenforum frühe genug nach einem alternativen Veranstaltungsort umgesehen.