Gespräch zur 1. Bonner Buchmesse in Beuel

Die richtige Idee zum passenden Zeitpunkt

Bücher gehören für die Initiatoren der 1. Bonner Buchmesse, Jürgen Becker (links) und Hans Weingartz, zum Leben. Sie freuen sich auf viele Besucher an diesem Sonntag in der Brotfabrik.

Bücher gehören für die Initiatoren der 1. Bonner Buchmesse, Jürgen Becker (links) und Hans Weingartz, zum Leben. Sie freuen sich auf viele Besucher an diesem Sonntag in der Brotfabrik.

Beuel. Im Scheinwerferlicht der Frankfurter Buchmesse rücken zwei Beueler Macher heimischen Lesestoff in den Fokus: Prosa, Gedichte sowie Geschichten aus der Feder hiesiger Autoren und Bücher regionaler Verlage.

Die beiden Organisatoren sprechen über die Idee, ihre Erwartungen und ihre Beziehung zu Büchern.

Welche Beziehung haben Sie zu Büchern?

Jürgen Becker: Sie begleiten mich mein ganzes Leben lang. Sie regen mich an oder auf, sie inspirieren mich. Gute Bücher möchte ich weiterreichen. Da ich aber weder guter Vorleser noch guter Schauspieler bin, bringe ich in der Brotfabrik die Leute zusammen – Vorleser und Zuhörer. Da bekommt Literatur noch eine ganz andere Qualität. Die Geschichte beginnt zu leben.

Hans Weingartz: Bücher sind Teil meines Lebens. Als Leser und als Verleger. Bücher, die ich produziert habe, sind so etwas wie Kinder für mich. Jürgen Becker veranstaltet in der Brotfabrik Lesungen, ich bin Verleger. Das ist eine tragfähige Basis, eine Buchmesse zu organisieren.

Endlich eine Bonner Buchmesse. Warum hat das so lange gedauert?

Weingartz: Das frage ich mich auch. Eben hat sich der NRW-Börsenverein des Buchhandels bei uns gemeldet und will die Aktion als Vorbild in anderen Städten vorstellen.

Becker: Die richtige Idee, der richtige Zeitpunkt und die richtigen Menschen mussten zusammenkommen. So etwas muss sich ergeben. Dazu gehört natürlich auch, dass die wirtschaftliche Kalkulation stimmt und die Lust da ist, eine solche Messe vorzubereiten.

Und jetzt wollen Sie direkt in Konkurrenz mit der Frankfurter Buchmesse treten?

Weingartz: Sicher nicht. Uns geht es um das lokale Literaturschaffen. Wir organisieren das Projekt ehrenamtlich. Aber die Frankfurter Buchmesse gibt den perfekten Zeitpunkt für eine Bonner Buchmesse vor. Denn Frankfurt lenkt das allgemeine Interesse auf Bücher. Wir lenken das Interesse auf die Literatur, die hier vor der Haustür entsteht. Leser, Autoren, Verlage und Literatur-Institutionen können in direkten Kontakt miteinander treten. Wer weiß, welche Manuskripte noch in Schubladen schlummern, für die große Verlage kein Interesse haben, die hiesigen schon? Unsere lokale Buchmesse soll Literaturschaffen fördern.

Becker: Frankfurt ist das Vorbild, wie eine Messe funktioniert. Es geht um die vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation, Kontakte zu knüpfen, Ideen umzusetzen. Dort eher im großen, bei uns im kleinen, lokalen Rahmen. Aber da ist nicht weniger produktiv. Das Interesse von Autoren und Verlagen an der Teilnahme war so groß, dass wir den Veranstaltungsraum verdoppelt haben und am Ende sogar einigen absagen mussten.

Was versprechen Sie sich von der Bonner Buchmesse?

Becker: Als Geschäftsführer einer Kultureinrichtung habe ich Interesse an Kommunikation und auch an Formaten, die Überraschungen bergen. Das ist bei eine konventionelle Aufführung eher nicht der Fall. Für mich interessant sind daher auch die zwanglosen Formen. Schließlich ist die Brotfabrik angetreten, niederschwellig Kultur anzubieten. Das gilt am Sonntag auch für „BonnBuch“ – der Eintritt ist frei. Die Bonner Buchmesse soll anregen und unterhalten. Das Ende ist offen. Ich biete das Haus an und warte, was passiert.

Weingartz: Als Verleger habe ich guten Einblick in die lokale Autorenszene gewonnen. Bei der Messe treffen Autoren und Leser zusammen. Eine ihrer Gemeinsamkeiten ist der lokale Bezug. Und aus dem Zusammentreffen können sich wiederum neue Aktionen entwickeln. Ich beobachte, dass Buchhandlungen in der Umgebung mit Lesungen mit regionalen Autoren viel Publikum anziehen. Die Menschen haben Lust, die Autoren kennenzulernen. Das wollen wir unterstützen. Ziel der Bonner Buchmesse ist, zum breiteren Austausch zu motivieren.

Und was kommt nach der 1. Buchmesse?

Weingartz: Wenn sie gut angenommen wird, gibt es eine zweite.

Becker: Das Projekt bündelt lokales Literaturschaffen. Die Messe ist ein Konzentrationspunkt. Sie gibt den Startschuss für ein möglicherweise größeres, noch vielschichtigeres Konzept. Beispielsweise mit einer Reihe Bonner Literatur in der Brotfabrik oder eine Internetplattform unter dem Label “BonnBuch“.