Pantheon in Beuel

Die neue Spielstätte kommt gut an

Beuel. Seit 100 Tagen spielt das Pantheon in Beuel: Die Zuschauer sind begeistert von der neuen Spielstätte, das Team hat sich aber noch nicht ganz eingelebt.

Es war eher Zufall, dass Rainer Pause und Norbert Alich vor kurzem den Abriss des alten Pantheons mitbekamen. „Ich kam da gerade vorbei, bin mit Norbert ausgestiegen und habe Fotos gemacht“, sagt Pause. Die letzte Erinnerung an 29 Jahre in den Katakomben des Bonn-Centers. Jetzt ist es genau 100 Tage her, dass Dave Davis die Premiere in der ehemaligen Schauspielhalle Beuel bestritt. Beim Publikum ist das neue Pantheon schon angekommen. Das Team lebt sich noch weiter ein.

Das liegt auch daran, dass noch nicht alles fertig ist. Hier und da fehlt noch Licht, ein für Veranstaltungen nutzbarer Saal ist noch Abstellraum für Requisiten und Aufbauten. Die neue Kantine für Mitarbeiter und Künstler muss noch eingerichtet werden. Nur Harald Kirsch, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, fühlt sich in seinem Büro schon richtig wohl: Es hat nur wenige Wochen gedauert, da stapelte sich in allen Ecken das Papier wie in seinem Reich an der B 9.

Auch wenn es mit 85 Parkplätzen nur halb so viele gibt wie früher, lassen sich die Besucher nicht abschrecken. 30 Prozent mehr Leute als früher wollen Pink Punk Pantheon sehen. Kein Problem, denn mit Tribünennutzung passen 430 Zuschauer in den Saal. Damals waren es 280. Theaterleiter Pause spielt mittlerweile gern vor so vielen. 20 Minuten vor der Vorstellung huscht er noch durch die Reihen, sodass Gäste ihn fragen: „Machen Sie heute nicht mit?“ Da kontert er: „Ne, ich hab' heute frei.“ Die Verwandlung in Fritz Litzmann geht in Windeseile. Der 69-Jährige erledigt kurz vor dem Auftritt noch ein paar E-Mails, während andere gegen ihr Lampenfieber kämpfen und Alich in der Rauchergarderobe noch eine qualmt. Erst auf der Bühne schießt Pause dann das Adrenalin ins Blut.

„Ich bin positiv überrascht, dass die Leute so zahlreich hierher kommen. Ich frage auf der Bühne auch immer nach den Beuelern. Die freuen sich und sind nett.“ Sein „Schiss“, ob auch die Bonner den Weg über den Rhein finden, ist bislang unbegründet gewesen. Litzmann fordert alle zum „Saufen für die Kultur“ auf, denn nur über den Getränkeverkauf kommt genügend Geld rein. Von den Eintrittskarten blieben gerade mal 20 Cent beim Theater hängen, so Steimer. Man hoffe noch immer, noch das alte Lampenlager auf dem Gelände nutzen zu können, damit auch Auftritte vor kleinerem Publikum – wie im alten Casino – möglich sind.

Ursprünglich war in Beuel ein Saal mit Balkon und gebogener Rückwand geplant – für zwei Millionen Euro. Bis Juli hatten sich die Politiker mit einer Entscheidung für das Theater in Beuel dann Zeit gelassen. „Da sagten die Architekten, dass wir die große Lösung nicht mehr schaffen. Es war zu spät. Da hatte ich erst mal Nein gesagt“, meint Pause. So suchte und fand man eine provisorische Lösung, in die es sich auch lohnen musste, zu investieren.

Jetzt wünscht Pause sich, dass die Politik den Weg frei macht für eine kulturelle Quartiersentwicklung am Pantheon. Und dass die abgefackelte Halle vor dem Eingang verschwindet, da derzeit ein großer gemieteter Streifen aus Sicherheitsgründen nicht nutzbar ist. Im März oder April soll es einen Tag der offenen Tür geben.

Der Abschied auf der linken Rheinseite fiel am Ende durch das Ausräumen leicht. Das Pantheon-Team und der Pförtner des Bonn-Centers waren die letzten Mohikaner auf dem Gelände. Von der Abrissbaustelle wurden Alich und Pause übrigens bei ihrer Knipserei weggejagt. Es war zu gefährlich, als sie dort rumturnten.