Lyrik-Wettbewerbs "Postpoetry"

Die Sieger stellten ihre Kunst in der Bibliothek der Gesamtschule

Poetry-Slam-Gewinner Lina Hacker und Thorsten Krämer.

BEUEL. Junge Menschen für Gedichte begeistern und Lyrikern eine Plattform für ihre Werke bieten: Das sind die Ziele des landesweiten Lyrikwettbewerbs "Postpoetry", den die Gesellschaft für Literatur in NRW vor drei Jahren zusammen mit dem Verein Aura 09 ins Leben gerufen hat.

Derzeit reisen die Organisatoren mit den Siegern des Wettbewerbs 2012 durch Nordrhein-Westfalen und stellten jetzt zwei Preisträger in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Beuel vor: Die 21-jährige Lina Hacker ist eine der fünf Gewinner der Kategorie "Nachwuchsautoren", hat bisher insgesamt 20 bis 30 Gedichte geschrieben und erstmals an einem Poetry-Wettbewerb teilgenommen.

Der Kölner Schriftsteller Thorsten Krämer, Jahrgang 1971, schreibt seit 25 Jahren Gedichte und ist seit über zehn Jahren als freier Autor unterwegs. Beide gewährten den Schülern einen Einblick in ihr lyrisches Werk und verrieten, woher sie ihre Inspirationen holen.

 "Mein erstes Gedicht habe ich vor zwei Jahren für meinen Bruder geschrieben, der in der Schule einen Poetry Slam verfassen sollte", sagte Hacker. Von da an hatte es die gebürtige Münsteranerin gepackt: Über Leben, Tod und Vergänglichkeit, über die Anonymität der Menschen und eine kurze Sommerliebe hat sie bereits Gedichte verfasst. "Es ist wichtig, dass man über etwas schreibt, was einen emotional beschäftigt", erklärt die heute in Bonn lebende Studentin der molekularen Biomedizin.

In ihrem Gedicht "Cyberspice", das in der Kategorie "Nachwuchskünstler" zu den fünf besten Einsendungen beim Postpoetry-Wettbewerb gekürt wurde, taucht Lina Hacker in die virtuelle Welt des Internets ein: "Komm/ Nimm meine Hand/ Steig mit mir durchs Bildschirmfenster/ In eine Galaxie/ Wo Himmelslichter Traumfeuerwerke sind", fordert das lyrische Ich. Dass Lina Hacker zwei Jahre nach Verfassen ihres ersten Gedichts einen bedeutenden, landesweiten Lyrikwettbewerb gewinnt, hätte sie sich vorher kaum vorstellen können. Ihrem naturwissenschaftlichen Studium möchte sie aber trotz des Erfolgs treu bleiben.

Der Kölner Autor Thorsten Krämer ist während seines Studiums der Allgemeinen Sprachwissenschaften in die japanische Grammatik eingetaucht und war fortan in Grammatik und Kultur Japans verliebt. Diese Liebe scheint in vielen seiner Werke durch - in seinem bekanntesten Text, dem Roman "Neue Musik aus Japan", ebenso wie in dem Gedicht "Zazen in der Metro", mit dem Krämer beim "Postpoetry"-Wettbewerb in der Kategorie "Lyriker NRW" mit dem 1500 Euro dotierten Preis ausgezeichnet wurde.

Zazen ist der Name für eine japanische Sitzmeditation, dessen Ausübung in dem Gedicht mit dem U-Bahn-Fahren gleichgesetzt wird. Auch Krämer beschäftigt sich nicht nur mit dem Schreiben, sondern hat vor zwei Jahren eine Ausbildung zum Gestalttherapeuten begonnen. Krämers "Zazen in der Metro" wurde wie Hacker's "Cyberspice" und die übrigen acht Siegergedichte auf großformatige Postkarten gedruckt, die landesweit in Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen zur kostenlosen Mitnahme ausgelegt werden.