Aktionsgruppe "Mütter für Rentengerechtigkeit"

Die Protestwelle schwappt über

Die Aktionsgruppe mit Quotenmann vor dem Beueler Brückenforum (von links): Rita Fazli, Ulrike Kahlert, Gisela Müller-Prinzhorn, Rosemarie Frommer, Edmund Neuß, Ursula Adler, Ursula Gervers und Brigitte Neuß.

BEUEL. In den nächsten Tagen wird Frauenrechtlerin Alice Schwarzer Post aus Beuel erhalten. Der Absender ist die Aktionsgruppe "Mütter für Rentengerechtigkeit", die schon zum Weltfrauentag auf dem Bonner Marktplatz auf sich aufmerksam gemacht hatte.

"Frau Schwarzer könnte ein wichtiger Multiplikator für uns sein", sagte die dreifache Mutter Brigitte Neuß aus Swisttal am Donnerstagabend bei einem Treffen in Beuel. Denn von hier aus wird der Protest organisiert.

Wie berichtet, wehrt sich ein Team von mittlerweile zehn Frauen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis dagegen, dass der Staat die Kindererziehungszeiten auf die Rente unterschiedlich anrechnet. "Warum erhalten wir nur einen Rentenentgeltpunkt pro Kind, Mütter von Kindern die nach 1992 auf die Welt gekommen sind, aber drei?", fragt sich nicht nur Ulrike Adler aus Beuel, die drei Kinder hat.

Deshalb hätten sie Anfang März auch demonstriert. "Aber seit den Berichten im General-Anzeiger haben wir soviel Unterstützung erfahren, dass wir weiter machen wollen", sagt die zweifache Mutter Ulrike Kahlert aus Bonn. Und zwar in Form von neuen Demonstrationen.

"Die nächste findet am 10. Mai in Bad Honnef statt, da sich dort drei Frauen dafür stark gemacht haben", erzählte Adler. Das sind Ursula Gervers (ein Kind), Barbara Keller (ein Kind) und Ilona Ernst (zwei Kinder). "Bad Honnef ist ein sehr interessantes Feld, da wir viele Frauen in dem passenden Alter haben", meint Gervers.

Den Kontakt stellte die Bonnerin Rosemarie Frommer her, selbst vierfache Mutter. Nach Bad Honnef soll der Protest am 11. Mai nach Köln überschwappen. Und Euskirchener Frauen haben selbstständig 430 Unterschriften gesammelt.

"Als 68er waren wir dauernd auf der Straße, warum nicht jetzt auch", sagt die zweifache Mutter Rita Fazli aus Swisttal fest entschlossen. Und die Beuelerin Gisela Müller-Prinzhorn, die fünf Kinder hat, freut sich, dass man in der Demokratie diese Form des Protests nutzen kann.

Vor allem da viele Frauen nicht ausreichend informiert seien. Dazu zählte bis vor kurzem auch Gerlinde Kirse aus Königswinter. "Das Thema war gar nicht so richtig bei mir angekommen", gesteht die zweifache Mutter, die am Mittwoch erstmals dabei war. Dabei hätten doch sie die Vorarbeit, zum Beispiel in Sachen Kinderbetreuung, für die jungen Mütter von heute geleistet. "Viele, die ich zum Mitkommen bewegen wollte, sind jedoch resigniert und meinen, dass man sowieso nichts erreichen könne", so Kirse.

Das sehen die Gruppenmitglieder anders, so wie die 1400 Menschen, die den Frauen bereits ihre Unterschrift gegeben haben. "1000 Unterschriften sind schon an die Bundeskanzlerin und die Arbeitsministerin gegangen", sagte Adler. Aus dem Bundeskanzleramt sei trotz zwei Briefen keine Antwort gekommen.

Ursula von der Leyen immerhin ließ gerade einen Mitarbeiter ihres zweiten Dienstsitzes an der Rochusstraße antworten. "Der Tenor ist, dass man unsere Situation versteht, aber kein Geld da ist", so Adler. Deshalb wollen die Frauen weitermachen - bis die Besserstellung älterer Mütter gesetzlich verankert ist.

Kontakt: Aktionsgruppe "Mütter für Rentengerechtigkeit", Postfach 1117, 53910 Swisttal oder über die Homepage www.muetter-fuer-rentengerechtigkeit.de/contact.

Die nächsten Demos:

Die Polizei hat der Aktionsgruppe zwei weitere Demonstrationen genehmigt. Beide finden im Vorfeld des Muttertages statt. Am Freitag, 10. Mai, stehen die Frauen aus Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Euskirchen in Bad Honnef ab 11 Uhr am Vogelbrunnen in der Fußgängerzone, Hauptstraße (in Höhe Nummer 60). Am Samstag, 11. Mai, ziehen die Mütter nach Köln. Dort legen sie, ebenfalls um 11 Uhr, ihre Informationen und Unterschriftenlisten an der Schildergasse/Ecke Neumarkt aus.