St. Adelheid am Pützchen

Die Kirchenmaus auf dem Altar

Pützchen. Barock trifft Moderne: Hier die üppige Prachtentfaltung des 18. Jahrhunderts, dort die schlichte Eleganz der 50er Jahre. Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Adelheid am Pützchen hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Die historischen Spuren lassen sich im Gotteshaus an ganz verschiedene Stellen ablesen und faszinieren den Betrachter. "Ja, hier ist alles etwas größer, als es in anderen Dorfkirchen üblich ist. Kein Wunder, dass schon die Menschen im Mittelalter begeistert waren", sagt Peter Jurgilewitsch, langjähriger Organist und Chorleiter an St. Adelheid und heutiger Kreuzfahrtdirektor.

Es ist taghell in der Wallfahrtskirche, der Mittelgang ist breit - sehr breit. Und an der Stirnseite ist ein mächtiger Chorraum, genug Platz für die vielen Karmelitermönche die bis ins 19. Jahrhundert im benachbarten Kloster lebten. Nachdem sie es aufgegeben hatten, zog eine Besserungsanstalt ein. Ein Feuer am Ende des 19. Jahrhunderts schließlich zerstörte die beliebte Wallfahrtskirche. "In den 50er Jahren wurde die Kirche in barocker Bauweise wieder errichtet. Die Ausstattung hingegen ist modern. Das verleiht der Kirche ihren ganz besonderen Charakter", erklärt Jurgilewitsch.

Ein echter Hingucker ist der Hauptaltar mit dem Retabel aus Savonnière-Stein des Künstlers Elmar Hillebrand. Der Bildhauer, der für die Dombauhütte arbeitete und an der RWTH Aachen lehrte, hat darauf die Schöpfungsgeschichte dargestellt. "Das war zu damaliger Zeit verpönt", erklärt Jurgilewitsch. Eingerahmt wird die Darstellung durch zahlreiche Heilige. Zu sehen sind unter anderem der Heilige Laurentius mit dem Rost, die Heilige Adelheid mit Kind und Eimer sowie die Heilige Elisabeth mit dem Korb. "Das Retabel war zunächst schlicht gehalten, zu schlicht, wie die Gemeinde fand. So hat Hillebrand Verzierungen mit farbiger Kreide aufgemalt, etwa die sieben Lilien", so der ehemalige Organist. "Auch ein Schmetterling und eine Spinne mit Netz sind zu sehen. Und auf der Rückseite hat der Bildhauer eine Kirchenmaus verewigt. Das ist die Handschrift eines Künstlers mit Humor", sagt Jurgilewitsch.

In der Kirche gebe es eine Ansammlung von Raritäten, wie etwa den Deckenspiegel, sagt Jurgilewitsch. "Hier wird in illusionistischer Kunst Stuck gezeigt, der gar nicht da ist." Und auch der Marmor ist nur aufgemalt. Zwei Seitenaltäre säumen den Chorraum. "Die Werke des Limburger Bildhauers Karl Matthäus Winter wurden in der Gemeinde als zu düster kritisiert. Der Künstler hingegen sagte, er wollte etwas Unauffälliges neben dem beeindruckenden Altarretabel schaffen", erklärt Jurgilewitsch. Dann leuchten die Augen des ehemaligen Organisten, als er sich der gewaltigen Orgel zuwendet: "Sie ist ein echter Schatz."

Die Orgel in der Wallfahrtskirche wurde 1962 von der Orgelbaufirma Rieger aus Vorarlberg erbaut. "Sie hat eine Klangfülle, die es eigentlich nur in einer Domkirche gibt. Dieses Klangerlebnis ist in Bonn einzigartig", schwärmt der Musiker. Und tatsächlich, als die Orgel erklingt, deren künstlerisches Prospekt an einen Tannenbaum erinnert, formt sich der Mund des Zuhörers zu einem Wort: gewaltig. "Es wurden nur zwei Instrumente in dieser Form gebaut - das andere steht in der Pfarrkirche St. Peter in Vilich", so Jurgilewitsch. Der Organist ist in seinem Element: "Die Orgel in St. Adelheid hat Stimmen, die nicht oft zu finden sind, wie Schalmei oder Rankett und nur ganz selten sind die Spanischen Trompeten. Eben echte Raritäten."

St. Adelheid am Pützchen

Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Adelheid am Pützchen wurde 1728 erbaut. Sie wurde errichtet an jenem Ort, an dem vor rund 1000 Jahren die Heilige Adelheid zur Zeit einer großen Dürre mit ihrem Stab in den Boden stach, und wo ein Wasserstrahl emporschoss. Das Wasser der Adelheidisquelle gilt als Heilmittel gegen Augenkrankheiten. Am 5. Februar im kommen den jährt sich der 1000. Todestag der Heiligen Adelheid und am 27. Januar 2016 der 50. Jahrestag ihrer Heiligsprechung.