Das Festival von nebenan

Die Geschichte des Green Juice Festival

VILICH-MÜLDORF. Begonnen hat das Green Juice Festival als Nachbarschaftsfest und ist es ein Stück weit immer noch. Anwohner unterstützen die jungen Organisatoren und stellen ihre Parkplätze für Bandbusse zur Verfügung.

Vor zwölf Jahren hatten die beiden damals 13 und 15 Jahre alten Brüder Julian und Simon Reininger einen Traum: Ein Rockkonzert direkt vor ihrer Haustür! Die Nachbarschaft unterstützte die Idee und verband diese mit der Organisation eines Dorffestes, zu dem rund 200 Leute kamen. Das Line-up für das Konzert auf dem Fest war schnell zusammengestellt: "Wir sind selbst zusammen mit vier befreundeten Bands aufgetreten", erinnern sich die beiden heute 25 und 27 Jahre alten Brüder. Damals ahnte noch keiner, dass aus diesem, als einmalige Aktion geplanten Fest eines Tages ein Musikfestival wachsen würde, auf dem internationale Künstler auftreten würden und die beiden Reininger-Brüder als Geschäftsführer ihrer eigenen Veranstaltungsfirma dieses Festival selbst auch noch hoch professionell organisieren würden.

Das ganze Jahr über sind die beiden mittlerweile mit der Planung des alljährlichen zweitägigen Spektakels beschäftigt, doch Julian und Simon Reininger wissen, dass sie sich ohne die Unterstützung der Anwohner ihren Traum niemals hätten erfüllen können. Auch heute noch trägt die Nachbarschaft maßgeblich zum Erfolg des Festivals bei.

Die Premiere des Green Juice Festivals war ein Nachbarschaftsfest und ein Stück weit ist es das auch heute noch: "Hier hatte schon immer jeder Anwohner zum Gelingen des Festivals beigetragen. Es war eigentlich immer selbstverständlich, dass alle ihre Aufgaben hatten", berichtet Anwohner Rudi Große und erinnert sich noch sehr gut an das erste Green-Juice-Jahr: "Ich stand am Grill und hatte die Bratwürstchen gegrillt", blickt er zurück.

Pommes verkauft und Kuchen gebacken

Anwohnerin Uta Völlmecke hatte damals Kuchen gebacken und sich in den darauffolgenden Jahren mit weiteren Nachbarn beim Pommes-Verkauf abgewechselt. "Wir hatten unglaublichen Spaß", sagt sie lachend. Auch Detlev Klein erinnert sich sehr gut an die Anfänge des Green-Juice- Festivals: "Ich hatte damals die elektrischen Leitungen für den Strom verlegt", weiß er noch heute. In den darauffolgenden Jahren, als das Festival von Jahr zu Jahr größer wurde, freuten sich die Nachbarn stets, Teil des Helferteams zu sein, verkauften Getränke oder unterstützten den Auf- und Abbau.

Über all die Jahre ist das Green- Juice-Festival professioneller und vor allem über die Region hinaus bekannter geworden. Die meisten Anwohner sind heute Besucher, fühlen sich aber nach wie vor wie auf einem Nachbarschaftsfest: "Es sind ja immer noch unsere Jungs, die das organisieren", sagt Völlmecke. "Es ist der Nachbarschaftsjunge, der das macht und da gehört viel Engagement dazu, das muss man einfach unterstützen", sagt Große.

Während andernorts Besucher von Open-Air-Konzerten aufgrund von Beschwerden seitens einzelner Anwohner mit Sperrstunden und Lautstärke-Dämmung leben müssen, steigt die Party beim Green Juice Festival inmitten eines Wohngebiets schon seit Jahren ohne auch nur eine einzelne Beschwerde. Ganz im Gegenteil: Die Anwohner der Maria-Montessori-Allee, die unmittelbar am Konzertgelände entlangführt, stellen sogar ihre Parkplätze für die Bandbusse zur Verfügung. Dabei kam es auch schon mal vor, dass so manche Künstler von den Nachbarn mit Getränken und Snacks versorgt wurden.

Viel Engagement

Viel Engagement zeigen die Nachbarn auch vor und nach den Festivaltagen: Detlev Klein erinnert sich noch gut daran, dass sich nach einem Unwetter LKWs in Fahrmatten festgefahren hatten und nicht abreisen konnten: "Die Matten waren versunken, wir hatten sie daraufhin am Sonntagmorgen gemeinsam sechs Stunden lang aus dem Dreck gezogen", berichtet Klein, der noch heute seinen Urlaub so plant, dass er am Green-Juice-Wochenende zu Hause ist und auch dieses Jahr wieder im Getränkewagen stehen wird.

In den vergangenen zwei Jahren erlebten die Festivalbesucher zum krönenden Abschluss ein Feuerwerk – da kam Rudi Große wieder ins Spiel: "Unser Haus befindet sich unmittelbar am Konzertgelände. Auf Anfrage der Jungs hatten wir zugestimmt, dass das Feuerwerk bei uns im Garten abgefeuert wird", berichtet Große, der sich ebenso wie Völlmecke und Klein schon sehr auf den Festivalstart freut. "Ich finde es schön, wenn es im Laufe der Festivalwoche langsam lauter wird und die ersten Besucher und Bands anreisen. Endlich ist mal was los hier", sagt Völlmecke.