Naturbauprojekt am Bonner Bogen

Deshalb stocken die Bauarbeiten für das Rhein-Palais

Beuel. Der Investor will für den geplanten Bau des Rhein-Palais 700 Pfähle in den Boden rammen. Seit zwei Jahren geht es nicht weiter wegen Auseinandersetzungen der Stadt.

Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten für das Rhein-Palais am Bonner Bogen fortgesetzt werden. Bauherr und Investor Ewald Hohr drängt darauf, den mehr als zweijährigen Baustopp zu beenden: „Mir ist daran gelegen, dass ich mit der Stadt Bonn zeitnah eine Übereinkunft erziele, damit wir mit dem zweiten Bauabschnitt an der Joseph-Schumpeter-Allee endlich beginnen können. Ich will das Thema in bestem Einvernehmen mit der Stadt Bonn regeln“, sagte Hohr dem GA auf Nachfrage. Stadt und Investor sind nach wie vor uneins in der Frage, wer die Kosten für die Altlastensanierung übernimmt und wie teuer der Abtransport des Deponie-Mülls tatsächlich ist.

Nach eigener Auskunft hat Hohr in jüngster Zeit mehrere Gespräche mit positivem Verlauf mit Vertretern der Stadt geführt. „Es besteht kein Zweifel mehr, dass die Stadt Bonn die Entsorgungskosten tragen muss. Ich habe 2015 einen entsprechenden Vertrag mit der Stadt Bonn als Grundstückseigentümerin abgeschlossen, der mir ein bebaubares, von Schadstoffen befreites Grundstück zusichert“, erklärte Hohr.

Die Stadt Bonn will sich bezüglich einer Einigung noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann sagte dazu: „Das Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus steht in ständigem Kontakt mit dem Investor. Bezüglich der Kostenübernahme für den zweiten Bauabschnitt konnte noch keine Einigung erzielt werden, da die Prüfung des vorgelegten Gutachtens durch ein von der Stadtverwaltung beauftragtes Büro noch nicht abgeschlossen ist. Die Baugenehmigung für den zweiten Bauabschnitt liegt bereits seit Längerem vor und läuft Ende des Jahres aus. Der Investor hat gegenüber der Verwaltung angekündigt, die Baugenehmigung verlängern zu lassen.“

20 Millionen für Altlastenentsorgung

Nach Berechnungen des von Hohr beauftragten Gutachters würde eine Altlastenentsorgung im zweiten und dritten Bauabschnitt inklusive der Wiederverfüllung und Verdichtungen der Deponie bis zu 20 Millionen Euro kosten. Die Stadt Bonn hat daraufhin vor Wochen einen weiteren Gutachter mit der Überprüfung der Angaben beauftragt.

Der Kölner Bauherr hat zwischenzeitlich seine ursprünglich geplante Vorgehensweise auf der Baustelle geändert: Statt den Altmüll zu entsorgen und den Baugrund aus statischer Sicht wieder so vorzubereiten, dass er bebaubar ist, will er bis zu 700 Bohrpfähle in den Untergrund rammen, die mit Beton verfüllt werden sollen. Darauf wird dann die Bodenplatte verankert. Diese Strategie soll nach Hohrs Berechnungen deutlich preiswerter sein.

Für den zweiten Bauabschnitt hat er 2,5 Millionen Euro ausgerechnet. „Sollte eine Einigung bezüglich der Kostenübernahme nicht kurzfristig erzielt werden können, werde ich diese Summe vorstrecken. Bis zum Jahresende haben wir die Bohrpfähle gesetzt“, versichert Hohr. Nach dem aktuellen Verfahrensstand für den dritten Bauabschnitt gefragt, antwortete Hohr: „Die Unterlagen liegen noch bei der Stadt Bonn.“

Keine Kostenübernahme gegen Grundstücktausch

Hohrs aus dem Frühjahr stammender Vorschlag an die Stadt, auf die Sanierungskosten zu verzichten und dafür von der Stadt Bonn das an das Rhein-Palais angrenzende nördliche Grundstück kostenlos zu erhalten, um dort einen 100 Meter hohen Büroturm namens Sunny-Side-Tower zu bauen, ist vorerst vom Tisch. „Ich habe aus Politik und Verwaltung Signale erhalten, das Bauvorhaben vorerst zurückzustellen“, sagte Hohr dem GA.

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan erklärte dazu: „Nach derzeitigem Planungsrecht ist ein Hochhaus am Bonner Bogen an der Stelle, die Herr Hohr in Betracht zieht, nicht möglich. Wenn er dort etwas errichten will, müsste er einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan bei der Stadt beantragen. Ich persönlich kann mir ein solches Hochhaus dort nicht vorstellen. Es würde die Silhouette des Siebengebirges, von Bonn aus betrachtet, nach meinem Dafürhalten nachhaltig beeinträchtigen. Einen hundert Meter hohen Turm mit drei Gebäudekörpern auf der rechten Rheinseite stelle ich mir störend vor. Wenn ein solches Vorhaben beantragt wird, werden wir das in die politischen Gremien bringen, und der Rat entscheidet.“

Ähnlich stuft Bonns Baudezernent Helmut Wiesner das Thema Hochhaus ein. Bei seinem Antrittsbesuch in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Beuel sagte der Stadtplaner: „ Die Verknüpfung des Altlastenproblems mit dem Grundstückstausch für das Hochhaus ist rechtlich nicht korrekt und somit nicht durchführbar. Außerdem kann ich mir an dieser Stelle kein Hochhaus vorstellen.“