Ennertförster informiert über Regeln

Der heimische Wald ist Tabuzone fürs Pilze sammeln

BEUEL. An einem Sonntagnachmittag im Herbst klingelt ein Waldbesucher an der Haustür von Revierförster Bernd Sommerhäuser. Der Mann hält einen großen Korb voller Pilze in den Händen und fragt den vermeintlichen Fachmann: "Welche Pilze darf ich essen, welche sind giftig?"

Sommerhäuser, der seit 1987 den Forstbetriebsbezirk Hardt im Ennertwald leitet, atmet erst einmal tief durch und antwortet dem Pilzsammler in der ihm eigenen, besonnen Art: "Das kann und will ich Ihnen nicht sagen. Außerdem ist das Sammeln von Pilzen im Naturschutzgebiet Siebengebirge grundsätzlich verboten." Von einer Ordnungsstrafe hat Sommerhäuser abgesehen, und auch die Pilze hat er ihm nicht abgenommen.

"So ein Aufeinandertreffen ist im Ennertwald und im übrigen Siebengebirge eher selten. In meiner gesamten Berufszeit bin ich bislang noch nie auf einen gewerblichen Sammler oder gar auf eine Sammlerkolonne getroffen", berichtete Sommerhäuser. Aber das kann seiner Ansicht nach durchaus Zufall gewesen sein, denn grundsätzlich gibt es zahlreiche Pilzarten in den rechtsrheinischen Wäldern der Region.

"Viele Menschen, denen die Natur am Herzen liegt, wissen allerdings, dass das Sammeln von Pilzen in Schutzzonen verboten ist. Und der etwa 5000 Hektar große Wald zwischen Beuel und der Landesgrenze in Bad Honnef zählt komplett zum Naturschutzgebiet Siebengebirge", erklärte Sommerhäuser. Und auch auf der anderen Rheinseite sieht es für Pilzsammler nicht besser aus: 2457 Hektar Wald zählen zum Naturschutzgebiet Kottenforst. Hiesige Pilzfreunde müssen also eine längere Anfahrt bis Eifel oder Westerwald in Kauf nehmen, um legal Pilze sammeln zu können.

Pilze haben laut Förster Sommerhäuser eine große Bedeutung für die Artenvielfalt im Wald. Baum und Pilz gehen sehr oft eine Art Lebensgemeinschaft (Symbiose) ein. Pilze überziehen die Wurzeln der Bäume mit ihren Fäden (Myzel) und versorgen sie darüber mit Wasser und Nährsubstanzen aus dem Waldboden. "Pilze können das besser als Bäume selbst, weil sie bei dieser Funktion wie ein Schwamm wirken", sagte der Förster. Im Gegenzug versorgen Bäume Pilze mit Kohlenhydraten, die sie selbst nicht bilden können.

Das Pilzesammeln im Siebengebirge ist auch deshalb nicht zulässig, weil im Naturschutzgebiet ein Betretungsverbot des Walds existiert. "Die Spaziergänger dürfen die Wege nicht verlassen", so Sommerhäuser. Und wenn er nun doch mal einen Sammler im Wald antrifft?

"Das ist eine Ermessensentscheidung. Wenn in dem Korb nicht mehr als ein bis zwei Kilogramm Pilze liegen und man den Sammler nicht ständig antrifft, dann kann man durchaus auch mal ein Auge zudrücken", äußerst sich der Revierförster. Dadurch würde die Artenvielfalt im heimischen Wald nicht gefährdet. Aber Sommerhäuser warnt: "Sammler müssen sich mit Pilzen auskennen, sonst kann der Verzehr sehr unschön enden, bestenfalls mit Bauchschmerzen und Übelkeit."

Zahlen, Daten, Fakten

An die 5000 Arten von Großpilzen gibt es in Mitteleuropa, davon sind nur an die 300 genießbar. Was der Laie als Pilz bezeichnet sind nur die Fruchtkörper. Eigentlich leben Pilze in Form eines weit verzweigten Geflechts aus feinen Fäden, dem Myzel, unauffällig im Untergrund des Waldbodens. Laut Bundesartenschutzverordnung dürfen fast alle genießbaren Pilze nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gepflückt werden.

Sammler werden immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob sie Pilze besser mit einem Messer abschneiden oder mit den Fingern abdrehen. Selbst Fachleute wollen sich nicht festlegen. Für das Herausdrehen spricht, dass hin und wieder wichtige Bestimmungsmerkmale an der Basis der Pilze zu finden sind