Carl Jakob Bachem im Interview

"Denkmäler sind Zeugen der Geschichte"

Für seine Arbeit an historischen Publikationen muss Carl Jakob Bachem natürlich die einschlägigen Quellen studieren.

BEUEL. Denkmäler erzählen Geschichte und Geschichten. Sie zu bewahren ist eine kulturhistorische und gesellschaftliche Aufgabe, meint Carl Jakob Bachem, Vorsitzender im Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch. Der Limpericher über Herausforderungen und verpasste Chancen der Denkmalpflege sowie über die Bedeutung von Heimat.

Warum ist Denkmalpflege heute wichtig?
Carl Jakob Bachem: Denkmäler sind sichtbare Zeugen der Geschichte. Und Geschichte ist wichtig für unser Leben, um uns selbst zu finden und die eigene Identität zu gestalten. Darum kümmert es mich, dass das Thema "Geschichte und Denkmal" im rechtsrheinischen Bonn einen nach wie vor unzureichenden Stellenwert besitzt. Ich bin in Beuel geboren und aufgewachsen. Deshalb bemühe ich mich auch besonders um das kulturelle Erbe in diesem Stadtbezirk.

Wie kamen Sie dazu, sich zu engagieren?
Bachem: Gemeinnütziges Handeln in Staat und Gesellschaft war mir durch das Vorbild meiner Eltern Gebot von Kindesbeinen an. Mein Vater war unter anderem Kommunalpolitiker, Stadtrat in Beuel. Mir wurde schon sehr früh klar, dass es für Geschichtsforschung und Denkmalpflege in Beuel einen besonderen Bedarf gab.

So bin ich schon mit 35 Jahren Mitglied im Beueler Heimatverein geworden, wo ich sehr bald als stellvertretender Vorsitzender tätig wurde. In dieser Zeit wurde der Grundstein für das Heimatmuseum gelegt. Ich wollte mich aber auch passioniert in der aktiven Denkmalpflege und der wissenschaftlichen Geschichtsforschung engagieren, was aber in dem Verein seinerzeit nicht angesagt war, zumal es mir ja auch um den Stadtbezirk in seiner Gesamtheit ging.

So wurde konsequenterweise 1975 der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch gegründet. Zunächst um das Mehlemsche Haus in Beuel zu retten und anschließend das Stroofsche Haus in Vilich. Das Schlüsselerlebnis für mein Engagement war 1970, als in Vilich mit dem Abriss des alten Dorfgasthauses Düsterwald eine klaffende Lücke im historisch-idyllischen Ortsbild entstand. Die nachfolgende Bebauung ist eine städtebauliche Todsünde, offensichtlich irreparabel.

Welchen Beruf haben Sie vor Ihrer Pensionierung ausgeübt, und hat der etwas mit Geschichte zu tun?
Bachem: Geschichte war in der Schule eines meiner Lieblingsfächer, und ihr galt darum auch an der Uni mein besonderes Interesse. Da ich aber nicht Lehrer werden wollte, habe ich mich schließlich für die Nationalökonomie entschieden. Beruflich war ich dann der Hauptgeschäftsführer eines Industrieverbandes - bis zu meiner Pensionierung. Allerdings habe ich mich auch bei meiner Berufstätigkeit immer mit Geschichte beschäftigt.

So habe ich als erstes meinen Verband, es war der Bundesverband der Deutschen Erfrischungsgetränke-Industrie, einer der ältesten in Deutschland, vom Bonner Hofgarten bewusst nach Beuel in ein natürlich denkmalgeschütztes Gebäude verlagert. Vor allem aber habe ich mich intensiv mit der Geschichte dieser Branche beschäftigt, was dann in einer ganzen Reihe von Publikationen seinen Niederschlag fand. Zudem konnte ich umfangreiche Sammlungen für ein "Limonaden-Museum" zusammentragen, das in einem der historischen Gebäude des ehemaligen Zementfabrikgeländes eingerichtet werden sollte. Leider hat dabei aber die Stadt Bonn - es war noch vor 1989 - nicht mitgespielt.

Gibt es weitere Aktivitäten?
Bachem: Ja, ich bin seit Jahren Mitglied des Denkmalausschusses der Stadt Bonn wie auch des Landschaftsbeirates. Auch habe ich den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft aller Bonner Geschichtsvereine inne. Damit und mit dem von mir geführten Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch und nicht zuletzt der Leitung des Bürgermeister-Stroof-Hauses in Vilich sind meine Tage über die Maßen ausgefüllt.

Natürlich bin ich auch mit einigen historischen Publikationen beschäftigt. Und was die Denkmalpflege angeht, so stehen im Augenblick zwei Themen besonders in meinem Fokus: die Bewahrung des kulturhistorischen Charakters der Bonner Friedhöfe sowie die Sicherung des Denkmalbereichs "Kohle und Alaun" auf der Holtorfer Hardt.

Was bedeutet Heimat für Sie?
Bachem: Ich halte es mit den Lateinern: "Ubi bene, ibi patria!" (Wo es gut oder schön ist, da ist Heimat). Und hier in unserer Region ist es ja wirklich "schön". Ich hatte bislang ein glückliches, gelungenes Leben hier. Ich bin beruflich sehr viel unterwegs gewesen, doch am liebsten war ich stets in meiner Heimat; hier fühle ich mich zu Hause.

Der Umgang mit den Menschen in unserem so kulturträchtigen Rheinland hat zu diesem glücklichen Gelingen entscheidend beigetragen. Meiner Heimat habe ich so viel zu verdanken, dass ich mich verpflichtet fühle, ihr auch etwas zurückzugeben. Ich will etwas beisteuern, dort, wo ich mich wohlfühle. Und das ist hier in Bonn, mit dem Schwerpunkt freilich auf der rechten Rheinseite.