Jahresrückblick Beuel

Das waren die großen Themen 2015

Hunderte Schüler, Eltern, Lehrer, Ehrenamtliche und Nutzer protestierten im Februar gegen die Schließung der Stadtteilbibliothek Beuel-Ost in der Gesamtschule.

Beuel. Wie geht es mit den Beueler Bezirksbibliotheken weiter? Soll Pützchens Markt verlängert werden? Wie kann die Friedrich-Breuer-Straße attraktiver gestaltet werden? Diese Debatten haben im Jahr 2015 Politik und Bürger im Stadtbezirk Beuel bewegt.

Und auch die bereits 2014 wieder entflammte Diskussion um den Ennertaufstieg wurde 2015 hitzig weitergeführt. In einer symbolischen Beerdigungsfeier tragen Ende Juni am letzten Schultag vor den Sommerferien Schüler, Lehrer, Eltern und Nutzer die Stadtteilbibliothek in der Integrierten Gesamtschule Beuel zu Grabe. Die städtische Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Beuel-Ost wird geschlossen und zur reinen Schulbibliothek umfunktioniert.

In Beuel gibt es von da an nur noch eine städtische Bibliothek- und zwar die im Brückenforum an der Friedrich-Breuer-Straße. Dem vorausgegangen war ein heftiger Streit um die Zukunft der beiden rechtsrheinischen Büchereien. Die Bonner Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, aufgrund der angespannten Haushaltslage die Bücherei im Brückenforum zu schließen. Die Beueler Bezirkspolitiker sehen das anders und sprechen sich dafür aus, lieber die Bücherei in Beuel-Ost in die Trägerschaft der Gesamtschule zu übergeben. Die Schließungspläne sorgen an beiden Standorten für heftigen Protest von Nutzern und Ehrenamtlichen.

Im Jahr 2017 wird in Beuel das 650-jährige Bestehen von Pützchens Markt gefeiert. Der richtige Anlass, so sehen es einige, um die beliebte Kirmes von derzeit fünf auf neun oder zehn Tage auszudehnen. Die Bonner Stadtverwaltung gelangt im Frühjahr nach mehrjähriger Prüfung zu der Überzeugung, dass eine Verlängerung nicht sinnvoll sei, vor allem mit Hinblick auf die Lärmbelastung der Anwohner und den rechtlichen Schutz, den das Volksfest nur in seiner heutigen Form genieße.

Auf Einladung des General-Anzeigers loten beim Dialog "Beueler Treff" Anwohner, Schausteller, Vertreter der Kirchen und Vereine das Für und Wider einer Verlängerung aus. Doch sowohl auf dem Podium als auch in den Reihen der Besucher überwiegen die skeptischen Stimmen. Der Bürgerwille setzt sich durch: Die Bezirksvertretung Beuel verzichtet im Juni auf eine Verlängerung der Kirmes.

Mehrere Bürgeranträge geben im Frühjahr den Anlass für Stadtverwaltung, Politik und Bürger, sich mit der Friedrich-Breuer-Straße zu befassen. Wie kann die zentrale Beueler Einkaufsmeile attraktiver gestaltet werden? Die Vorschläge reichen von Parkplätzen, die wegfallen und so mehr Platz für Fußgänger und Außengastronomie schaffen sollen, bis hin zu einer Fußgängerzone.

Beueler Bilderbogen 

Im Juni lädt die Verwaltung deshalb Anwohner, Gewerbetreibende und Bürger zu einem Workshop zum Thema ein, ein zweiter Workshop findet Anfang Dezember statt. Die Idee einer Fußgängerzone stößt weitgehend auf Ablehnung. Eine Parkraumbewirtschaftung in der Beueler Innenstadt und die Einführung von Anwohnerparkplätzen sind dort formulierte Wünsche, ebenso die Reduzierung von Stellplätzen an der Friedrich-Breuer-Straße zugunsten von Fußgängern und eine Begrünung des Rathausplatzes. Im Frühjahr 2016 will die Stadtverwaltung nun konkrete Vorschläge in die Bezirksvertretung Beuel einbringen.

Obwohl sie Jahrzehnte alt ist, hat die Diskussion um die Südtangente und den Ennertaufstieg auch im Jahr 2015 nichts von ihrer Spaltkraft verloren. Befürworter sehen in dem Netzanschluss zwischen der rechtsrheinischen A 3 und der linksrheinischen A 565 die einzige leistungsfähige Möglichkeit, um der Verkehrsprobleme in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis Herr zu werden. Gegner der Trasse befürchten durch das zusätzliche Angebot einen Zuwachs an Verkehr und eine unverantwortliche Zerstörung der Natur.

Sie sammeln 13.000 Unterschriften gegen das Vorhaben. Die totgesagte Debatte ist wieder entfacht, weil das Projekt in den Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans 2015 aufgenommen werden könnte. Der soll nun frühestens im kommenden Frühjahr vorgestellt werden. Auch 2016 wird es also voraussichtlich nicht ruhiger um Ennertaufstieg und Südtangente werden.

Was sonst noch geschah

19. Januar: Bei einem tragischen Unfall am unbeschrankten Bahnübergang am Talweg in Limperich kommt ein Mann ums Leben. Der 73-jährige Fußgänger wird von einer Bahn erfasst und stirbt noch am Unfallort.

29. April: Der Heimwerkermarkt Bauhaus wird an der Gartenstraße in Vilich eröffnet. Um die Baustelle auf der ehemaligen Mülldeponie an der B 56 hatte es großen Ärger geben, weil Anwohner im Sommer 2014 stark unter Lärm und Erschütterungen zu leiden hatten. Bei der sogenannten "dynamischen Bodenverdichtung" waren Grenzwerte überschritten worden, umliegende Häuser wiesen Risse auf.

30. Juni: Der Schnäppchen-Markt in Pützchen öffnet zum allerletzten Mal seine Tore. Das Sozialkaufhaus und Arbeitslosenprojekt an der Straße Am Weidenbach muss schließen, weil das Bonner Jobcenter die Förderung der sogenannten Ein-Euro-Jobs im Projekt eingestellt hat.

5. Juli: Bei einem schweren Unwetter mit Hagel und Sturm werden in Beuel vier Menschen verletzt. Drei Männer und zwei Frauen, die am Rheinufer grillen, werden von einem umstürzenden Baum getroffen, unter dem sie vor dem heftigen Hagelschlag Schutz gesucht haben. Ein 37-Jähriger wird dabei eingeklemmt. Er und drei andere aus der Gruppe müssen ins Krankenhaus gebracht werden.

12. August: Mit Beginn des Schuljahres schließt die Stadtverwaltung aus Spargründen die Jugendverkehrsschule am Landgrabenweg in Ramersdorf. Auf Angebote des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), die Einrichtung zur Verkehrserziehung in einer Kooperation weiterzuführen, geht die Stadt zunächst nicht ein. Im Herbst bringt sie Flüchtlinge auf dem Areal in der Beueler Rheinaue unter. Ob das Gelände parallel als Radfahrschule genutzt werden kann, wie vom ADFC vorgeschlagen, soll die Verwaltung auf Wunsch der Bezirksvertretung nun prüfen.

7. September: Auf einer Baustelle an der Lindenstraße in Ramersdorf wird ein Bauarbeiter von einer herabstürzenden Hauswand verschüttet. Offenkundig fehlende Absicherung hat dazu geführt, dass sich Wand- sowie Fundamentteile des bestehenden Hauses lösen und den Arbeiter unter sich begraben. Kollegen des Mannes alarmieren die Feuerwehr. 25 Minuten später kann sie den Verschütteten befreien, weil er sich glücklicherweise in einem Hohlraum befindet. Er ist nur leicht verletzt. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Baugefährdung gegen die am Bau beteiligten Unternehmen dauern an.

20. September: Der Fortbestand der Brotfabrik ist vorerst gesichert. Der Mietvertrag der Stadt Bonn mit dem Eigentümer des Gebäudekomplexes in der Kreuzstraße, in dem das Kulturzentrum seit den 80er Jahren untergebracht ist, wird verlängert und läuft jetzt bis 2022 mit der Option, um weitere fünf Jahre verlängert zu werden. Der Vertrag wäre 2017 ausgelaufen. Die Kulturschaffenden feiern den Fortbestand mit einem Festakt.

Oktober: Mit Rainer Winand hat die Integrierte Gesamtschule (IGS) Beuel einen neuen Schulleiter. Der 56 Jahre alte gebürtige Bonner übernimmt die seit mehr als ein Jahr vakante Stelle, nachdem sein Vorgänger in die Bezirksregierung nach Köln gewechselt ist.

2. Dezember: Auch in Bonn müssen erstmals Turnhallen als Notunterkünfte für Flüchtlinge dienen, weil laut Stadtverwaltung sämtliche Kapazitäten in anderen Gebäuden ausgeschöpft sind. Die ersten 21 Menschen kommen an der Turnhalle der katholischen Grundschule in Holzlar an. Insgesamt stehen dort 70 Betten für Männer, Frauen und Kinder zur Verfügung.