Vortrag im Heimatmuseum Beuel

Das verbirgt sich hinter Wassertürmen

Beuel. Wassertürme und ihre Geschichte sind die große Leidenschaft von Norbert Reppelmund. Im Heimatmuseum Beuel informierte der Experte über die Türme und verriet, dass sein Lieblingsobjekt in Oberkassel steht.

Wenn Norbert Reppelmund über Wassertürme spricht, ist seine Begeisterung deutlich spürbar. Einige der Besucher, die im Beueler Heimatmuseum dem Vortrag „Technikdenkmale Wassertürme“ des 81-jährigen ehemaligen Maschinenbauingenieurs zuhörten, dürften jedenfalls in Zukunft manch einen vermeintlichen Wohnturm aus dem vergangenen Jahrhundert mit kennerhaftem Blick auf einen verborgenen Wasserturm überprüfen.

Bevor Reppelmund die zahlreichen Zuhörer in der Scheune des Heimatmuseums mit der Entdeckung von bis zu diesem Zeitpunkt noch nie wahrgenommenen Wassertürmen in Beuel und Bonn überraschen konnte, standen Historie und Technik der Baudenkmäler im Vordergrund. Mit fortschreitender Industrialisierung wuchsen im 19. Jahrhundert viele Städte in Deutschland explosionsartig. Die Wasserversorgung aus den Hausbrunnen wurde für die gedrängt wohnenden Bewohner lebensbedrohend, Seuchen breiteten sich aus. Denn unmittelbar dort, wo das Trinkwasser entnommen wurde, entsorgte man auch die Abwässer.

Als es 1842 in Hamburg zu einem Stadtbrand kam, gab es keine ausreichenden Wasservorräte, um ihn zu löschen. Nahezu ein Fünftel der Stadt fiel den Flammen zum Opfer. So entstand dort 1848 die erste zentrale Wasserversorgung in Deutschland. Wenige Jahre später folgten Berlin und nach und nach weitere Städte. 1905 brannte dann in Schweinheim das Kinderheim. „Weil die Feuerwehr kein Wasser zum Löschen des Heims hatte“, so Reppelmund, habe man dort neben dem heutigen russischen Generalkonsulat einen Wasserturm mit 150 Kubikmetern Inhalt gebaut. Der somit auch 150 Tonnen schwere Wasserbehälter auf seiner filigran anmutenden Stahlkonstruktion steht heute unter Denkmalschutz, was anscheinend den Verkauf verhindere, wie Reppelmund vermutete.

6000 Kilometer im Jahr unterwegs

2500 von etwa 3000 Wassertürmen in Deutschland hat der Experte in den vergangenen 40 Jahren bereits erfasst. Seit sieben Jahren ist er mit seiner Lebensgefährtin Gertrude Jöpsch (86) rund 6000 Kilometer im Jahr unterwegs, um auch noch die fehlenden 500 Türme zu besuchen, zu katalogisieren und zu fotografieren. „Oft sitzt er stundenlang vor Google Earth und sucht Deutschland nach markanten Türmen ab“, erzählte Jöpsch, die inzwischen die Leidenschaft von Reppelmund teilt. „Mir entgeht kein Turm in der Landschaft mehr. Egal, was es für einer ist“, lachte Jöpsch.

Sie weiß mittlerweile, dass selbst in Kirchtürmen Wasserbehälter untergebracht sein können. Kürzlich haben die beiden in Leipzig mit St. Trinitatis einen Kirchenneubau besucht, dessen innere und äußere Gestaltung ihnen sehr gefallen hat. Neben seinen Glocken verbirgt sich im Turm der Kirche auch ein Wasserbehälter, der das Regenwasser des gesamten Kirchenbereichs sammelt, um es als Brauchwasser für Brunnen und Toiletten nutzbar zu machen.

Doch Reppelmunds Lieblingswasserturm steht am Bonner Bogen. Allerdings ist der 1895 erbaute Turm seit fünf Jahren von einem Gerüst eingezäunt. „Die Restaurierung sollte 400 000 Euro kosten“, weiß Reppelmund, was dem Investor Haas zu teuer gewesen sei. Daraufhin habe man die Kosten auf 250 000 senken können, worauf Haas „wild entschlossen“ gewesen sei, den Turm zu restaurieren. Noch aber sei nichts geschehen, bedauerte der Wasserturmexperte. Mit seinen Fotografien „versteckter“ Wassertürme, die in den Bauten der Kommende Ramersdorf, der Kaiser-Karl-Klinik oder auch im ehemaligen Haupteingang der Venusbergkliniken integriert sind, konnte Reppelmund auch noch manch einen Bonn-Kenner überraschen.