Proklamation von Ulrike Ingerberg vor 44 Jahren

Das Kleid war damals kurz

10.01.2016 Beuel. Vor 44 Jahren bestieg Ulrike Ingerberg den Beueler Narrenthron Weniger groß, weniger pompös, aber genauso aufregend. So beschreibt Ulrike "Uki" Ingerberg ihre Proklamation vor 4x11 Jahren. "Ich bin in der Turnhalle an der Ringstraße in Amt und Würden gekommen", sagt Ulrike I., die damals noch Winterscheid hieß.

Anwesend seien um die 300 Gäste gewesen. Jetzt sitzt sie als Teufelchen im Brückenforum und eine Sache ist damals wie heute die selbe: Sie hat ihre einstige Wäscherin mitgebracht, Doris Wiesmeier, geborene Kurscheid.

Die Mädchen heute hätten viel mehr Auftritte, deshalb würde sich das Amt von 1972 schwer mit dem von 2016 vergleichen lassen. Ähnlich jedoch dürfte die jecke Veranlagung gewesen sein. "Mein Vater ist Mitbegründer der Schwarz-Gelbe Jonge, meine Mutter war im Damenkomitee in der TSV Bonn", sagt die einstige Tollität, die schon lange in Sankt Augustin lebt.

Was den Verein anging, trat sie in die Fußstapfen der Mutter. Als die TSV-Damen vor 44 Jahren die Wäscherprinzessin stellen durften, kam ihre große Stunde. Und noch die einer anderen Person. "Meine andere Wäscherin war Evi Zwiebler." Sie hatte wohl Blut geleckt, stand in der darauffolgenden Session 1973 als Eva-Maria I. (Kranz) den Beueler Narren vor.

Was ist Ulrike I. als schönstes Erlebnis hängengeblieben? Der Besuch beim Bundeskanzler? Schließlich war Bonn noch Bundeshauptstadt. "Nein", sagt sie mit einem Lächeln, das sei zwar schön gewesen, aber wegen der Masse an Tollitäten nichts Besonderes. Sie erinnert sich gerne eher daran zurück, dass sie überhaupt an ihrem Weiberfastnachtszug teilnehmen konnte. "Ich hatte eine schlimme Angina, unser Hausarzt hat das aber in letzter Sekunde noch hinbekommen", so die jecke Jubilarin. Vielleicht war die Erkrankung auch Folge ihres Ornats: ein kurzes Kleid! "Aber ich hatte einen langen weißen Mantel, der mich vor Kälte schützen sollte."

Bliebe noch die Sache mit dem Sessionsmotto "Freu Dich, wenn de noch jet laache kanns!". "Lotti Krekel hatte zu der Zeit das gleichnamige Lied gesungen und ist als Überraschung bei meiner Proklamation vorbeigekommen", so Ingerberg. Der Auftritt der damals sehr populären Sängerin und Schauspielerin war eine Ausnahme: Denn es galt wie heute der Grundsatz, das Programm rund um die Inthronisierung in Beuel nur mit lokalen Kräften durchzuführen. Ihre Erinnerungen kann Ingerberg sogar mit bewegten Bildern wachhalten: Es gibt einen Amateurfilm von der Proklamation. (es)