Bonner Bootshaus an der Rheinaustraße

DLRG Wasserrettung ist für Hochwasser gerüstet

Beuel. Der Bonner Pegel ist in diesem Jahr um mehr als drei Meter angestiegen und lag am Montag bei 6,43 Meter. Das Bonner DLRG-Wasserrettungsteam bringen diese Pegelzahlen jedoch nicht aus der Ruhe.

Nach wochenlanger Trockenheit und Jahrhundertsommer steigt der Bonner Pegel wieder an. Während Anfang des Jahres gerade einmal 2,70 Meter gemessen wurden, betrug der Rheinpegel am Montag schon wieder 6,43 Meter (Tendenz fallend). Aus der Ruhe lässt sich Martin Siebenhandl, Leiter Einsatz bei der DLRG Wasserrettung, allerdings noch lange nicht bringen. Erst ab 8,50 Meter bekommen die DLRG-Helfer in der Rheinaustraße nasse Füße. „Dann ist die Zufahrt selbst für uns schwierig“, erklärt er.

Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, stand jetzt wieder die große Inspektion des Fuhrparks an. Bei Delphin 1, 2 und 3 läuft alles rund: Die Motoren der drei Hochwasserboote „schnurren“ gleichmäßig und ruhig, alle Lampen funktionieren einwandfrei. „Perfekt“, kontrolliert Siebenhandl. Den routinemäßigen Technikcheck in der alten Halle am Beueler Rheinufer haben alle Fahrzeuge bestanden. Die beiden Großboote sind startklar, ebenso das schnelle Einsatzboot sowie die drei „Delphine“. Zum Fuhrpark der DLRG gehört allerdings auch ein Fahrzeug, das man eigentlich nicht mit Wasser in Verbindung bringt. „Das ist wohl der einzige Traktor in Bonn mit Blaulicht“, lacht Siebenhandl und präsentiert die grüne Zugmaschine. Auf den starken Schlepper kann die DLRG weder beim Hochwasserschutz noch bei der Wasserrettung verzichten. „Damit ziehen wir unsere Boote in den Rhein“, erklärt er.

Zwar mussten die Helfer erst vor wenigen Wochen bei der Bergung eines PKW helfen, der in Höhe der Beethovenhalle in den Rhein gerollt war (der GA berichtete), doch eigentlich ist der Hochwasserschutz zu dieser Jahreszeit ein großes Thema. Bisher kommt bei den 30 ehrenamtlichen Helfern im Einsatzdienst jedoch keine Hektik auf. „Ich gucke jeden Tag auf meine Hochwasser-App“, sagt Siebenhandl. „Noch mache ich mir keine Sorgen.“ Natürlich sei in der Alpenregion sehr viel Schnee gefallen, aber „wenn der langsam schmilzt und das Wasser ruhig abfließt, dann müssen wir nicht mit großen Überschwemmungen rechnen“, erklärt er.

„Land unter“ meldete allerdings auch die DLRG beim Jahrhunderthochwasser 1993. Damals stand in der Halle der Retter das Wasser kniehoch. Das komplette Equipment wurde zur Beueler Feuerwehr ausgelagert. Dennoch bleibt Siebenhandl optimistisch. „Wir hoffen auf langsames Tauwetter.“ Sollte der Pegel dennoch plötzlich ansteigen, dann greifen die Wasserretter auf Delfin 1, 2 und 3 zurück. „Das sind spezielle Hochwasserboote, die zusätzlich über kleine Räder verfügen. So können wir sie bei Bedarf problemlos über festen Grund schieben.“

Sobald es wieder wärmer wird, stehen die Rettungsschwimmer in Alarmbereitschaft. Trotz eindringlicher Warnungen sowie Verbotsschildern würden viele zum Schwimmen in den Rhein gehen – und sich überschätzen. Strömungen sowie Verwirbelungen seien ein nicht zu unterschätzendes Risiko, appelliert die DLRG an die Vernunft. Dennoch müssen die Retter selbst Kinder aus dem Wasser holen. Erlebnisse, die nur schwer zu verkraften sind. Martin Siebenhandl hat vor Jahren an solch einem Einsatz teilgenommen. Das Kind konnte damals nur noch tot geborgen werden. „So etwas vergisst man nie“, erklärt er. Die Bergung von hilflosen Personen gehört daher regelmäßig zum Training. Dafür wird Spencer, ein 70 Kilogramm schwerer Dummy, immer wieder mitten im Strom ausgesetzt – und bisher kehrte er stets unversehrt zurück.

Trotz aller Dramatik im Einsatz, wenn’s ruhiger ist, dann genießen sogar die Retter den besonderen Charme ihres Einsatzgebietes. „Das ist für mich der schönste Rheinabschnitt“, blickt Siebenhandl auf den Strom – allerdings mit Einschränkungen. Denn während in der Nachbarschaft ausschließlich Luxusvillen stehen, gibt es in der DLRG-Halle noch nicht einmal fließendes Trinkwasser, eine Heizung fehlt ebenfalls. Im Winter kann sich die Truppe nur unter einer Heizlampe aufwärmen. „Ein wenig Komfort wäre nicht schlecht“, wünscht sich Martin Siebenhandl für sein Team.

Weitere Informationen über die Arbeit der DLRG-Wasserrettung unter www.bonn.dlrg.de.