Biotopbauarbeiten für S13 in Beuel

Cyanid-Fund führt zu Baustopp am Vilicher Bach

Bis zum Ergebnis der Untersuchungen ruhen die Arbeiten am Vilicher Bach.

Bis zum Ergebnis der Untersuchungen ruhen die Arbeiten am Vilicher Bach.

Vilich. Wegen eines Cyanid-Funds stellt die Deutsche Bahn die Biotopbauarbeiten am Vilicher Bach ein. Die Wasserversorger haben im Trinkwasser bisher aber kein Cyanid gefunden.

Seit Ende August ruhen die Biotopbauarbeiten am Vilicher Bach. Der Grund für den Baustopp ist für die Deutsche Bahn (DB) als Bauherren „enttäuschend und niederschmetternd“: Während der Grabungen haben die Bauarbeiter in einem Teilabschnitt „eigenartig dunkelblau verfärbte“ Erde gefunden. Das Prüfergebnis eines Gutachters lautet: Der Boden ist mit Cyanid verseucht. Umgehend hat die DB den Giftfund der Stadt Bonn gemeldet. Die Fundstelle liegt etwa 100 Meter westlich der Autobahnunterquerung (A 59) und somit im Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Meindorf.

Die Stadt hat den Wahnbachtalsperrenverband (WTV) als Trinkwasserversorger umgehend über die Nachweise von Cyanid am Vilicher Bach informiert und zugesichert, weitere Untersuchungsergebnisse sofort mitzuteilen. „Wir führen in unserem akkreditierten Labor regelmäßige Rohwasseruntersuchungen der drei Meindorfer Brunnen durch und lassen auch zweimal jährlich Untersuchungen auf Cyanide durch ein unabhängiges Labor, das Hygieneinstitut der Universität Bonn, durchführen. Dabei haben sich bei den langjährigen Untersuchungen keine Nachweise von Cyaniden für unser in den drei Brunnen gefördertes Rohwasser und das im Wasserwerk Sankt Augustin-Meindorf aufbereitete Trinkwasser für die Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahr ergeben“, erklärte WTV-Geschäftsführer Norbert Eckschlag. Der nächste Trinkwasserbrunnen ist die Brunnenanlage des Wasserwerks Meindorf, die 1,5 Kilometer entfernt vom Fundort liegen.

Der WTV will die angekündigten Untersuchungsergebnisse intensiv auswerten, um eventuell erforderliche Maßnahmen in den eigenen Anlagen frühzeitig anstoßen zu können. Außerdem sollen – abhängig vom Ergebnis – die Untersuchungen auf Cyanide im Rohwasser dann verstärkt werden.

Bach soll zu naturnahem Gewässer umgebaut werden

„Nachdem mit den Bauarbeiten begonnen wurde, zeigte sich an einer Stelle, dass unterhalb des Bachbettes, das an dieser Stelle aus einer Lage Rasengittersteinen mit einer darunterliegenden Folie bestand, schwarze Erdmassen in einer Schichtmächtigkeit von etwa 20 Zentimetern lagern“, erklärte Marc Hoffmann, Vize-Pressesprecher der Stadt Bonn. Da diese Art an Erdmassen im Zuge der Voruntersuchungen nicht gefunden worden seien, habe das begleitende Gutachterbüro eine Analytik veranlasst. „Dabei zeigte sich, dass dieser Aushub Cyanide in einer Konzentration von 190 Mikrogramm pro Kilogramm enthält“, so Hoffmann. Daraufhin wurden die Baustellenaktivitäten gestoppt und die Untere Umweltbehörde informiert. Ziel der Baumaßnahme ist es, den Bach zu einem naturnahen Gewässer umzubauen. Die DB führt diese Aufwertung als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Bau der S 13-Verlängerung zwischen Troisdorf und Oberkassel durch.

Am 22. August fand ein Abstimmungstermin mit der Unteren Umweltbehörde, DB Netz und dem Gutachter statt, bei dem festgelegt wurde, dass bachabwärts anhand von Schürfen geprüft wird, ob weitere solche Erdmassen zu erwarten sind. Abhängig von den Untersuchungsergebnissen sollen dann weitere Bearbeitungsschritte abgestimmt werden. Am 27. August teilte DB Netz der Stadt mit, dass im weiteren Bachverlauf vereinzelt schwarze Erde festgestellt wurde. Daher wurde beschlossen, dass der gesamte Bachlauf in 200 Meter Abschnitten unterteilt und beprobt wird. Diese Beprobung ist erfolgt. Ergebnisse der Analysen erwarten die DB und die Stadt in den nächsten Tagen. Zwischenzeitlich wurde der Bereich, in dem bereits ein Aushub stattfand, mit einem Bauzaun gesichert. Eine Sicherung des Bachbetts gegen fließendes Wasser ist nicht erfolgt, da der Bachlauf derzeit trocken ist.

Die Untere Umweltbehörde hat recherchiert, inwieweit es eine Erklärung für diese Cyanid-Gehalte geben könnte. Da die betroffenen Erdmassen unterhalb der Rasengittersteine lagern, müssen sie laut Stadt vor dem letzten Ausbau, der nach Kenntnis der Unteren Umweltbehörde in den 1970er Jahren erfolgte, eingebracht worden sein. „Wenn die Ergebnisse der jüngsten Proben vorliegen, kann das weitere Vorgehen am Vilicher Bach geplant werden. Bis dahin ruht die Baustelle. Wir rechnen in den nächsten Tagen mit ersten Ergebnissen, die wir dann gemeinsam mit der Stadt Bonn bewerten und entsprechende Schritte einleiten werden“, erklärte am Freitag eine DB-Pressesprecherin auf GA-Nachfrage.