Gemeinschaftsgarten in Vilich-Müldorf

Christliche Gemeinschaft "Charles de Foucauld" war zu Gast

Kathleen Battke (rechts) erläutert Mitgliedern der Delegation den Gemeinschaftsgarten.

VILICH-MÜLDORF. Kathleen Battke steht unter einem Kirschbaum im fast kniehohen Gras des Gemeinschaftsgartens, in einem Halbkreis vor ihr sitzen Menschen aus aller Herren Länder, sie kommen unter anderem aus Burkina Faso, dem Kongo, dem Libanon, Argentinien oder Südafrika. Und Battke erklärt ihnen, was sie sehen, die Idee des Gemeinschaftsgartens.

Battke, eine der Mit-Initiatorinnen des Gemeinschaftsgartens, redet von den ökologischen Vorteilen, sie redet davon, dass es schön ist, Kinder so an die Natur heranzuführen und sie erzählt vom Spaß am Gärtnern. Und sie berichtet von der Idee des "urban gardenings" und davon, dass die Arbeit im Gemeinschaftsgarten auch einen politischen Aspekt hat. Dass es im reichen Deutschland Menschen gibt, die sich Gedanken darüber machen, wie man die Nahrungsmittelversorgung in der Zukunft gewährleisten kann, wenn die Rohstoffe versiegt sind und Nahrungsmittel deswegen immer teurer werden.

Es ist ein Szenario, mit dem sich Menschen beschäftigen, die im Überfluss leben. Die sich den Luxus erlauben können, über die Zukunft nachzudenken, weil sie nicht jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen. So wie viele Menschen unter anderem im Kongo oder Burkina Faso. Von denen im übrigen die meisten vom Gemüseanbau mehr verstehen dürften, als der Durchschnitts-Bonner.

Trotzdem: Die Gruppe entschied sich für den Gemeinschaftsgarten, und gegen das Haus der Geschichte. Warum? Was können Menschen aus Afrika und Südamerika von der Bewirtschaftung eines kleinen Gartens in Deutschland lernen? Tatsächlich nicht unbedingt viel über das Gärtnern oder Landwirtschaft, räumt Thomas Kirchmayer ein.

Er kommt aus Ingolstadt und begleitet die kleine Gruppe, allesamt Mitglieder der christlichen Gemeinschaft "Charles de Foucauld". Die Gemeinschaft ist international, eine Woche lang hielt sich die Delegierten-Gruppe in Bonn auf. "Es geht auch darum zu zeigen, dass Deutschland nicht nur für Konsum und Hightech steht", sagt Kirchmayer.

So werde ein realistisches Bild des Gastlandes vermittelt. Auch Kirchmayer ist in einer sogenannten Transition-Gruppe organisiert, jene lokalen Bewegungen, die sich für nachhaltiges Wirtschaften einsetzen. So kam der Kontakt zu den Betreibern des Gemeinschaftsgartens Vilich-Müldorf zustande. Und gerade über das Thema Garten habe man einen direkten Zugang zur Lebenswirklichkeit der Menschen. "Die Menschen dort leben von der Subsistenzwirtschaft, überleben genau mit solchen Gartenprojekten", sagt Kirchmayer.

Doch während es in den Ländern der Dritten Welt ums Überleben gehe, hätten derartige Projekte in Deutschland einen politischen Aspekt. "Wir dürfen unseren Konsumismus nicht ad finitum führen", so Kirchmayer.

Angeregt diskutierte die Gruppe bei Pfefferminztee, natürlich aus dem Gemeinschaftsgarten, in einem babylonischen Sprachengewirr sowohl die Idee des Gemeinschaftsgartens als auch ganz praktische Fragen: Wie schützt man sich vor Schädlingen? Und vor Vandalismus? Was ist der Vorteil von Hochbeeten? Und wie gewinnt man junge Menschen für das Projekt und die Idee?

Und ganz nebenbei gab es noch Einblicke, die man eher mit Deutschland verbindet. Direkt neben dem Gemeinschaftsgarten liegt ein Schrebergarten, penibel gepflegt, der Kontrast könnte kaum größer sein. "Das ist die Vergangenheit", sagt Mit-Initiator Thomas Bebiolka mit Blick auf den Schrebergarten lachend. Und zeigt dann auf den Gemeinschaftsgarten. "Das hier ist die Zukunft".

Gemeinschaftsgarten Vilich-Müldorf
Der Gemeinschaftsgarten Vilich-Müldorf wird vom Verein "Wohnen im Quartier" betreut, der überwiegend von Bewohnern des benachbarten Amaryllis-Mehrgenerationen-Wohnprojekt getragen wird. Der Verein hat das Gelände derzeit gepachtet. In sogenannten Hochbeeten, 20 Stück sollen es einmal werden, ziehen die Anwohner frisches Gemüse. Der Garten soll nicht zuletzt die Bewohner des Neubaugebietes mit den Alteingesessenen zusammenbringen.