Tauschbörse

Briefmarkensammlung zu verkaufen

RAMERSDORF.  Das Interesse am Hobby Briefmarkensammeln sinkt. Auf Tauschbörsen wie der in Ramersdorf suchen die Besucher vor allem nach Interessenten, die ihnen die alten Sammlungen abkaufen.
Briefmarkentauschbörse in Ramersdorf: Wurde früher eher gekauft und getauscht, suchen die Teilnehmer immer häufiger nach Interessenten, die ihre alte Sammlungen komplett kaufen. Foto: Max Malsch

Größere Brieftaschen wurden früher gerne zweimal genutzt: Für die zweite Sendung stülpte man die Innenseite nach außen. Solche Briefe haben einen besonderen Wert, wenn sie aus einem Jahr wie 1923 kommen: Durch die mit der Wirtschaftskrise einhergehende Inflation veränderte sich der Wert auf den Briefmarken rasant.

An einen solchen Brief erinnerte sich Michael Besecke, Vorsitzender des Beueler Briefmarkensammlervereins, auf der Tauschbörse am Samstag im Bistro Dahlienfeld beim Polizeipräsidium: "Der erste Absender klebte noch Marken im Wert von 200 Millionen Reichsmark darauf. Beim zweiten waren es schon 2 Milliarden Reichsmark. Und das laut Poststempel innerhalb weniger Wochen."

Das macht das Sammeln von Briefmarken für Besecke zu etwas Besonderem. "Nicht umsonst gilt die Philatelie als historische Hilfswissenschaft." Ob nun deutsche Briefmarken mit dem Abbild von Queen Victoria - die gab es auf dem einst britisch besetzten Helgoland, bevor Deutschland und Großbritannien die Nordseeinsel und Sansibar miteinander tauschten. Oder das "M" (für "Militärisch besetzte Zone") auf einer Marke, die kurz nach dem Einmarsch der Alliierten am Ende des Zweiten Weltkrieges von Aachen abgestempelt wurde.

"Geschichte ist lebendig in den Briefmarken", findet Besecke. Für ihn der beste Grund zum Sammeln. Allerdings sei es nicht leicht, den Nachwuchs von heute für dieses Hobby zu begeistern, bedauerte Sammler Hans Müller, der versucht, seinen vierjährigen Enkel vorsichtig ans Sammeln heranzuführen. "Der sammelt momentan alles, wo Feuerwehren drauf sind", so Müller.

Es gebe durchaus Jugendgruppen, etwa die 17-köpfige Gruppe aus Schleiz in Thüringen, die er unterstützt und die bei allen Wettbewerben Preise abräumt. Aber in dieser Größenordnung seien sie selten. Müllers Empfehlung für Sammel-Anfänger: "Von Neuheiten eher die Finger lassen." Man solle mit Motiven anfangen und sich für ihre historischen Hintergründe interessieren.

Gleichzeitig waren aber auch die jüngsten Briefmarken schon auf der Börse im Umlauf: die 3-Cent-Zusatzmarken für Briefe, deren Versand ab Januar 2013 um diesen Betrag teurer wird. Natürlich, wie inzwischen üblich, gleich in dreifacher Ausgabe: im Block, auf Rolle und selbstklebend. Das sei auch ein Problem, so Müller, denn zu einer kompletten Sammlung gehören natürlich auch Stücke von allen drei Varianten. "Das macht die Jugend nicht mehr mit."

Die  nachlassende Freude der jungen Generationen am Briefmarkensammeln mache sich auch auf der Tauschbörse bemerkbar, so Müller: "Etwa 70 Prozent der Leute hier wollen eigentlich eher verkaufen als tauschen." Was wohl daran liege, dass diese Sammler ihre Bestände nicht mehr an den Nachwuchs weitergeben könnten, mangels Interesse.

Da werde manche Marke gar unter Wert verkauft. Einige hätten nach wie vor einen durchaus beachtlichen Katalogwert. So werde etwa eine komplette Sammlung zum Thema "Deutsches Reich", bestehend aus fast 1000 Stücken, für rund 309 190 Euro gehandelt. Auf Tauschbörsen könne man die nicht an den Mann bringen, so Müller.

Er empfahl auf Briefmarken spezialisierte Auktionshäuser. Wobei es wichtige Details zu beachten gelte: So sei eine 50-Milliarden-Reichsmark-Marke von 1923 postfrisch gerade einmal zwei Euro wert, eine mit Poststempel aber bis zu 900 Euro. "Das liegt daran, dass es die nur so kurz gab", sagte Müller.

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