Stadt brüskiert Beueler Politiker und das Pantheon

Bonnorange kauft die Markthallen in Beuel

Die Markthallen sind verkauft, klammheimlich an BonnOrange.

Die Markthallen sind verkauft, klammheimlich an BonnOrange.

Beuel. Bonnorange hat am 28. August die Markthallen an der Röhfeldstraße gekauft. Beuels Bürgermeister Guido Déus bezeichnet das Vorgehen der Stadt Bonn und von Bonnorange als "Vertrauensbruch".

Es schein so, als sei alles unter Dach und Fach, doch gefühlt zieht eher ein schweres Gewitter auf: Bonnorange, kommunales Dienstleistungsunternehmen für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, hat am 28. August die Markthallen an der Röhfeldstraße erworben. Das geht aus einer Benachrichtigung hervor, die Bonnorange am Samstag verschiedenen Kommunalpolitikern schriftlich hat zukommen lassen. Das Schreiben liegt dem GA vor. Bonnorange plant nach eigenem Bekunden, auf diesem Grundstück im Gewerbegebiet Beuel-Ost einen Wertstoffhof und ein Salzlager für den Winterdienst einzurichten.

Am Rande des Beueler Bürgerfestes und in den sozialen Medien war der überraschende Immobilienkauf das beherrschende Thema bei Politikern, Gewerbetreibenden und Vertretern des Pantheon-Theaters.

Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus bezeichnete am Sonntag das Vorgehen der Stadt Bonn und von Bonnorange einen „Vertrauensbruch“: „In allen Gesprächen, die ich in den vergangenen Wochen mit Politik und Verwaltung geführt habe, wurde mir unmissverständlich signalisiert, dass wir nach den Sommerferien in Ruhe und Sachlichkeit über das äußerst umstrittene Thema sprechen werden. Und jetzt diese Nachricht. Das ist ein Affront gegenüber der Beueler Politik.“ Déus kündigte in einem Gespräch mit dem GA an, das Thema unverzüglich mit der Stadt Bonn zu klären: „In der September-Sitzung des Wirtschaftsausschusses werden wir dazu Klartext reden. Die Zukunft von zwölf auf dem Gelände der Markthallen angesiedelten Gewerbebetrieben hängt von dem weiteren Vorgehen ab.“

Dieter Schaper: „Das Vorgehen ist eine Unverschämtheit“

Beuels SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Schaper nannte das Vorgehen eine „Unverfrorenheit sondergleichen“. Er sagte dem GA: „Wir haben alternative Standorte für einen Wertstoffhof in Beuel für Bonnorange benannt und jetzt lese ich in einer E-Mail, wie begeistert die Vorständin Frau Hülter berichtet, dass der Vertrag mit BonnOrange geschlossen sei. Eine schallende Ohrfeige für das Engagement von und für den Nachbarn Pantheon. Ein Affront gegenüber den Gewerbebetrieben in Beuel-Ost. Das Vorgehen ist eine Unverschämtheit gegenüber der Beueler Bezirksvertretung, deren Wünsche und Beschlüsse werden einfach ignoriert.“

Martina Steimer, künstlerische Leiterin des Pantheons, deren Theater seit gut einem Jahr nur wenige hundert Meter neben den Markthallen benachbart ist, ließ am Sonntag wissen: „Rainer Pause und ich haben vor geraumer Zeit, als diese Pläne aufkamen, dem Oberbürgermeister unmissverständlich gesagt, dass das für uns bedeuten würde, unser Engagement in Beuel zu beenden. Ich denke, diese Option wird jetzt gezogen. Jedenfalls habe ich keine Lust mehr, mich so behandeln zu lassen, wie es seit Jahren Standard ist in Bonn. Ich fühle mich gedemütigt und betrogen.“