Vereinsjubiläum

Bonner Rudergesellschaft feiert 100-Jähriges

Beuel. Weltkrieg, Wirtschaftskrise, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder: Das 20. Jahrhundert mit allen Höhen und Tiefen spiegeln sich eindrucksvoll in der Geschichte der Bonner Ruder-Gesellschaft (BRG) wider. Sie feiert jetzt ihr 100. Vereinsjubiläum.

Gegründet zu Beginn der glanzvollen 1920er Jahre, folgten schon bald Krieg und Zerstörung. Aber auch Neuanfang und der feste Wille zum Wiederaufbau sind eng mit der Historie der Gesellschaft, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird, verbunden.

Heute steht die BRG auf drei erfolgreichen Säulen – Breitensport, Leistungssport und Wanderrudern. Mit mehr als 2600 Regattasiegen und 180.000 geruderten Kilometern sowie durchschnittlich 80 Fahrtenabzeichen pro Jahr setzt der Verein deutliche Akzente. Mit rund 600 Mitgliedern zählt die Gesellschaft zudem zu den größten Rudervereinen im gesamten Bundesgebiet.

„Das B in unserem Namen steht für unsere Heimat Bonn und Beuel. Das R für unseren Sport Rudern in all seinen Facetten. Das G für die Gesellschaft, es ist ein Zeichen für den sozialen Beitrag, den wir leisten“, erklärt Vorsitzender Bert Bauer. Anlässlich des Jubiläums demonstrieren die Ruderer einmal mehr ihre Verbundenheit mit der Region: Beim offiziellen Gründungsfest an diesem Samstag (ab 13 Uhr in der Aula des Kardinal-Frings-Gymnasiums, ab 16 Uhr im Bootshaus) wird der neue Renn-Achter auf den Namen „Ludwig van Beethoven“ getauft. Damit werben die Sportler bei internationalen Wettbewerben nicht nur für ihren Verein, sondern auch für ihre Heimatstadt.

Wenige Monate nach Ende des Ersten Weltkrieges trafen sich nach einem Aufruf im General-Anzeiger mehrere Ruderer in der Gaststätte Hähnchen, um die Gründung eines bürgerlichen Ruderclubs vorzubereiten. Die Gespräche verliefen erfolgreich, und bereits am 12. März 1919 wurde der Bonner Wassersport-Verein 1919 gegründet. Den jungen Verein belasteten jedoch die Folgen der beginnenden Wirtschaftskrise. Die Mitglieder stritten über die Verwendung der immer knapper werdenden Mittel. Die Streitigkeiten führten schließlich dazu, dass sich 1923 elf Mitglieder vom Verein trennten und am 14. September desselben Jahres die Bonner Ruder-Gesellschaft 1923 gründeten.

Bootshaus am Beueler Rheinufer 1976 eingeweiht

Fünf Jahre später waren die Diskrepanzen aus dem Weg geräumt, und die beiden Vereine schlossen sich zur Bonner Ruder-Gesellschaft 1919/1923 (BRG) zusammen. Wie populär das Rudern zur damaligen Zeit war, zeigt sich auch daran, dass sich im September 1925 ein weiterer Verein gründete, der Wassersportverein 1925 Beuel (WSV). Mit Ende des Krieges setzten BRG und WSV alles daran, das Vereinsleben so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Die Schäden an den Vereinsunterkünften mussten beseitigt und Bootsmaterial beschafft werden. Zwischen der Ruder-Gesellschaft und dem Wassersportverein Beuel entwickelte sich ein vertrauensvolles Verhältnis. Man ging gemeinsam auf Wanderfahrten, trainierte zusammen und führte schließlich Veranstaltungen miteinander durch.

Anfang 1976 fusionierte die BRG schließlich mit dem Wassersportverein. Im selben Jahr wurde auch das neue Bootshaus am Beueler Rheinufer eingeweiht. Dort empfingen die Sportler 1992 einen ganz prominenten Gast: Am 8. Mai 1992 richtete die Bonner Ruder-Gesellschaft die Taufe des Deutschland-Achters durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl aus. Dafür wurde Wasser der Regattastrecke in Banyoles/Spanien genommen, wo drei Monate später die Olympischen Spiele stattfanden.

Von Anfang an gehörte neben dem Sport die Geselligkeit zum Vereinsleben. Schon im provisorischen Bootshaus des Bonner Wassersport-Vereins gab es einen Clubraum, in dem sich die Mitglieder zum Stammtisch trafen. Eine bis heute andauernde Tradition wurde 1927 begründet, als das Kostümfest „Der Blaue Affe“ zum ersten Mal in den Räumen der „Lese“ stattfand.