Bombenfund in Beuel

Bombe wurde am Abend entschärft

02.02.2016 Beuel. In der Großbaustelle im Neubaugebiet "Beuel Stadttor" wurde am frühen Dienstagnachmittag eine Fliegerbombe gefunden. Der Kampfmittelräumdienst war vor Ort und hat die Bombe am Abend entschärft. Im Umkreis von etwa 300 Metern mussten Anwohner ihre Häuser verlassen.

Im Eiltempo wurden in Beuel im Bereich Niederkasseler/Königswinterer Straße Häuser evakuiert. Grund dafür war ein überraschender Bombenfund auf einer Großbaustelle. In dem betroffenen Bereich sind etwa 2250 Personen gemeldet. Für Anwohnerinnen und Anwohner, die keine alternative Unterbringungsmöglichkeit hatten, richtete die Feuerwehr auf dem Gelände der Gesamtschule Beuel ein Versorgungszelt ein. Dort wurde schon einmal am 15. Juli vergangenen Jahres Alarm ausgelöst. Damals waren Bauarbeiter auf eine sogenannte Blitzmarkierungsbombe gestoßen.

Bei dem Fund handelte es sich nach Auskunft der Stadt Bonn um die Überreste einer etwa 1000 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die im vorderen Teil beim damaligen Abwurf detoniert ist.

Nach Angaben von Volker Lessmann, Bombenentschärfer des Kampfmittelräumdienstes aus Düsseldorf, handelte es sich um eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese hatte eine Länge von 1,80 Meter und einen Durchmesser von 60 Zentimeter. Etwa 250 bis 300 Kilogramm Sprengstoff sollten sich noch in der Bombe befunden haben. Bevor der Kampfmittelräumdienst mit der Bergung beginnen konnte, wurden die Bewohner im Umkreis von 300 Metern vorsorglich in Sicherheit gebracht.

Die gesamte Aktion hatte sich nach Auskunft von Feuerwehrpressesprecher Martin Haselbauer in die Länge gezogen, weil im Zuge der Evakuierung relativ viele unvorhergesehene Transporte für eingeschränkt mobile Personen gefahren werden mussten. Insgesamt 35 Menschen konnten laut ihm ihre Wohnungen nicht selbstständig verlassen. Drei von ihnen seien vorübergehend in Betreuungseinrichtungen untergebracht worden. "Insgesamt hat die Bevölkerung sehr gut mitgemacht", sagte Haselbauer. "Es gab jedoch auch einige Fälle, in denen Leute ihre Häuser nicht freiwillig verlassen haben." Mehrere Türen hätten deshalb oder auch weil man nicht sicher gewesen sei, ob sich jemand im Innern befand, gewaltsam geöffnet werden müssen. Wie der Einsatzleiter der Polizei, Gerd Mainzer, sagte, müssen einige der widerständischen Hausbewohner nun mit Strafanzeigen rechnen. 250 Anwohner machten laut Haselbauer von der Möglichkeit Gebrauch, die Entschärfung in den Räumlichkeiten der Beueler Gesamtschule abzuwarten. 

Erst um 21.45 Uhr statt wie ursprünglich geplant um 18 Uhr konnte Sprengmeister Volker Lessmann endlich zur Tat schreiten. Der Experte der Düsseldorfer Bezirksregierung hatte bereits im vergangenen Juli an fast gleicher Stelle eine britische Blitzmarkierungsbombe erfolgreich entschärft.

 "Die Bombe hat noch einen Heckzünder. Wir versuchen, diesen mit einem Spezialschlüssel herauszuholen", sagte Lessmann dem General-Anzeiger vor der Entschärfung. Die Herausforderung lag laut ihm in dem Umstand begründet, dass der Zünder bei der Bauart der Bombe besonders tief in deren sogenanntem SAP-Boden eingebaut sei. "Normalerweise klappt die Entschärfung aber gut. Es ist, in Anführungszeichen, eine Standardgeschichte mit dieser Bezünderung ", sagte Lessmann. Etwa 15 bis 20 Minuten dauere die Entschärfung im Normalfall.

Gegen 22.15 Uhr meldete er der Einsatzkommandostelle an der Clemenstraße die erfolgreiche Entschärfung.

Um 22.30 Uhr konnten die evakuierten Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren. Die zwischenzeitlich gesperrte Niederkasseler sowie die Sankt Augustiner Straße wurden etwa zur gleichen Zeit wieder für den Verkehr freigegeben. Die Stadtbahnlinie 66, die ab 20.15 Uhr von den Stadtwerken durch Pendelbusverkehr ersetzt worden war, konnte ebenfalls ihren normalen Fahrtenbetrieb wieder aufnehmen. Auch für einen Großteil der rund 260 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Tiefbau- und Ordnungsamt endete der Arbeitstag kurze Zeit später.

  (Jutta Specht und Jens Kleinert)